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18.08.2008
 

Netzwelt-Ticker

US-Internet-Radio droht die Pleite

Von Richard Meusers

Internet-Radios in den Vereinigten Staaten müssten drastisch erhöhte Copyright-Abgaben zahlen - einigen droht nun offenbar die Pleite. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Mit Wimax aus der Surf-Lücke und Tauschbörse übers Handy in Japan. Das und mehr im Überblick.

Lange Zeit wurde Webcasting als DAS alternative Ding zum althergebrachten Radio gehandelt, obwohl es im Prinzip nur deren Online-Verlängerung darstellt. In den USA steht das Internet-Radio jetzt möglicherweise vor dem Aus. Die Verhandlungen zwischen der der Verwertungsgesellschaft SoundExchange und den Webcastern könnten in dieser Woche scheitern. Hauptstreitpunkt ist die Höhe der Urheberrechtsabgaben, die Anbieter wie Pandora an die diversen Rechteinhaber zu leisten haben.

Pandora: So sah das Internet-Radio 2005 aus - inzwischen blockiert der Anbieter alle Abrufe von außerhalb der Vereinigten Staaten, die Copyright-Inhaber wollten es so

Pandora: So sah das Internet-Radio 2005 aus - inzwischen blockiert der Anbieter alle Abrufe von außerhalb der Vereinigten Staaten, die Copyright-Inhaber wollten es so

Diese Auseinandersetzungen ziehen sich schon seit Jahren hin. Nachdem die zuständige Behörde Copyright Royalty Board (CRB) die Gebührensätze im letzten Jahr drastisch angehoben hatte, stehen viele Webcaster vor der Pleite. Pandora muss zum Beispiel inzwischen 70 Prozent seines Umsatzes von 25 Millionen Dollar an SoundExchange abführen. "Wenn das Problem nicht gelöst wird, müssen wir den Stecker ziehen, denn im Moment verschwenden wir nur Geld", droht Pandora-Gründer Tim Westergren in der "Washington Post".

Harte Worte und sicher auch Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache. Dann möglicherweise sind die Probleme der Webcaster auch hausgemacht, vielleicht haben sie auch die Entwicklung in Richtung Social Networks verschlafen. Das jedenfalls meint das Fachblog "Mashable" und weist auf erfolgreiche Musikprojekte wie Last.fm hin, die in vergleichbarer Zeit wesentlich mehr neue Nutzer an sich binden konnten. Der Grund seien die Möglichkeiten zum direkten Austausch unter den Fans und sonstige Web 2.0-Features.

Michael Arrington hingegen findet die ganze Situation völlig absurd. Vielleicht, so der TechCrunch-Autor, müsse erst Pandora als Opferlamm geschlachtet werden, damit Künstler und Labels endlich begriffen, wie abwegig ihre Position ist. Schließlich übernähmen Internet-Radios einen Gutteil der Öffentlichkeitsarbeit für die gespielten Musiktitel. Üblicherweise "verhält es sich in einem freien Markt doch so, dass die Labels dafür zahlen, damit ihre Titel im Radio gespielt werden", fasst er seinen Standpunkt zusammen. Die Hörergemeinde darf also gespannt sein, inwieweit sich diese Erkenntnisse in den Verhandlungen durchsetzen werden.

Großbritannien 1: Härtere Strafen für Raubkopierer?

Die britische Behörde für geistiges Eigentum hat dieser Tage begonnen, sich für höhere Strafen bei Copyright-Verstößen einzusetzen. Bislang liegt im Königreich die Höchststrafe bei derartigen Delikten bei 5000 Pfund (6300 Euro). Nach den Vorstellungen der Behörde soll dieser Betrag verzehnfacht werden.

Von diesen saftigen Knöllchen sollen allerdings keine privaten Tauschbörsennutzer betroffen sein. Im Visier der Behörde sind gewerbliche Piraten, die im großen Stil agieren - wobei dieses Kriterium je nach Auslegung auch auf etliche Privatpiraten zutreffen könnte. Bis Oktober können sich Lobbyisten, Verbände und sonstige Interessenverbände nun äußern und ihre Einschätzung der Lage beisteuern.

Großbritannien 2: Job weg wegen Tratsch in der Polizeidatenbank

Schuldig bei Verdacht, das scheint im britischen Arbeitsleben vermehrt zur Richtlinie im Umgang mit unbewiesenen Vorwürfen zu werden. Böswillige und unbewiesene Gerüchte über Vergehen finden schon mal ihren Weg in die Datenbanken der Polizei - und dort bleiben sie. So geschehen im Falle von Jo Pinnington, einem stellvertretenden Schuldirektor, der seinen Job verlor, als Vorwürfe über Missbrauch bekannt wurden, die vor Jahren ein Schüler gegen den Mann erhoben hatte.

Zwar wurden die Anschuldigungen nie bewiesen, trotzdem blieben sie in der Datenbank gespeichert und wurden Pinningtons Arbeitgeber mitgeteilt, der ihn daraufhin entließ. Dagegen klagte Pinnington vor dem Obersten Gerichtshof - und verlor. Die erste Instanz urteilte, es sei keineswegs rechtswidrig, wenn die Polizei selbst unbewiesene Vorwürfe weitergebe. Zukünftige Arbeitgeber müssten über derartige Bezichtigungen informiert werden, so dünn und unzuverlässig sie auch seien.

RTL wird Mobilfunker

Deutschlands einstmals erster privater Fernsehsender wird ab heute zum Mobilfunkanbieter. Gemeinsam mit Congstar, dem Billig-Label der Telekom, legt der Kölner Sender einen Prepaid-Tarif namens RTLmobil auf. Die Gesprächs- und SMS-Kosten bewegen sich dabei mit zehn bzw. 14 Cent in branchenüblichen Bahnen. Zu bekommen sind die RTL-Tarife bei diversen Einzelhandelsketten wie Rossmann oder Real, außerdem sollen sie auch bei Aral-Tankstellen angeboten werden.

Japan: Handy-Tauschbörse für Gebrauchtwaren

Während im alten Europa beim Wort "Tauschbörse" jeder noch an Film- oder Musikdateien denkt, die mal mehr, mal weniger rechtskonform online getauscht werden, ist man in Japan schon weiter und bewegt sich wieder zu handfesten Dingen zurück.

Um Second-Hand-Waren an den Mann oder die Frau zu bringen, loggen sich die User mit ihrem Handy bei einem Service namens Sharemo ein und bieten dort DVDs, Bücher, und Kleidung an. Wer an einem der Artikel interessiert ist, kann ihn sich ausleihen und solange benutzen, wie er mag, um ihn schließlich weiterzugeben. Bei Gefallen kann man das gute Stück aber auch einfach behalten. Der Clou: Das Ganze funktioniert völlig unkommerziell, die einzige "Währung" ist das gegenseitige Vertrauen der Nutzer.

Vodafone will mit DSL aufs Land

Der Mobilfunker Vodafone will auch die Landbevölkerung in den Genuss schneller Internet-Verbindungen kommen lassen. Dazu sollen die durch die Digitalisierung frei werdenden TV-Frequenzen verwendet werden. Mittels Wimax (technische Details siehe Kasten unten) könnten auch in abgeschiedenen Gebieten größere Distanzen überwunden werden. Voraussetzung dazu wäre aber der Zuschlag für die freien Funkfrequenzen, so Vodafone-Chef Fritz Joussen zur "FAZ".

Mobile Breitbandformate

UMTS

Universal Mobile Telecommunications System - wird oft als Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G) bezeichnet, da er deutlich höhere Datenübertragungsraten als sein Vorgänger GSM ermöglicht. Deutsche UMTS-Netze schaffen üblicherweise eine Bandbreite von 384 Kbit/s für die Datenübertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Reguläre DSL-Anschlüsse bieten heute üblicherweise 1024 Kbit/s. (mehr ...)

HSDPA

GPRS

Edge

WiMax

DVB-T

LTE

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