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Netzwelt-Ticker Mobilfunkanbieter bezahlt Statisten fürs iPhone-Anstehen

Zum Verkaufsstart des iPhones in Polen hat Mobilfunkanbieter Orange Warteprofis engagiert, damit lange Schlangen vor den Läden garantiert sind. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Watsche für Comcast und Prince verliert gegen YouTube-Baby.

Am Erstverkaufstag des iPhones in den Vereinigten Staaten bildeten sich lange Schlangen vor den Geschäften - tolle, unbezahlte Werbung für Apple (siehe Fotostrecke unten).

Anders in Polen: Hier dreht der Mobilfunkanbieter Orange zum Start den Spieß notgedrungen um, bezahlt 20 übers Land verteilte Warteschlangen und macht noch nicht einmal einen Hehl darum.

Ein Firmensprecher bestätigte Reuters, dass Dutzende Schauspieler für Begeisterung beim polnischen iPhone-Start sorgen sollen. Zum iPhone-Start in Deutschland wollte zumindest keine Euphorie aufkommen: Hohe Preise trübten die Hype-Vorfreude und bremsten die Lust am Schlangestehen. Nur 200 Käufer rafften sich im November vergangenen Jahres zum nächtlichen iPhone-Start in Köln auf.

US-Behörde kanzelt Datendrosseler Comcast ab

Die amerikanische Regulierungsbehörde FCC fordert den US-Internet-Anbieter Comcast dazu auf, Filesharer nicht mehr gezielt auszubremsen um "Netzwerkverstopfungen" zu beheben ( PDF-Datei, 67 Seiten). Außerdem muss die Firma innerhalb eines Monats der Behörde offenlegen, wie ihr "unverhältnismäßiges Netzwerk-Management" genau aussah.

Bis Ende des Jahres hat Comcast dann Zeit, ein neues Bremssystem einzurichten, das nicht mehr zielgerichtet gegen einzelne Internet-Protokolle (zum Beispiel Filesharing-Protokolle) vorgeht. Comcast erklärte nun, wie so eine zukünftige Protokoll-agnostische Bremse aussehen könnte: Droht das Netz zu "verstopfen", werden die aktuellen Nutzer mit dem größten Datenverkehr benachteiligt, die Daten der weniger starken Nutzer bevorteilt. Das führe nicht zu einem holprigeren Internet-Verkehr, sondern nur zu einer Verlangsamung der stärksten Nutzer: Eine Lkw-Spur samt Überholverbot.

Allerdings hält die FCC Comcast noch eine Hintertür offen, indem sie klar sagt: Provider dürfen legale Netzinhalte nicht blockieren, illegale aber sehr wohl.

Die Bürgerrechtler der Electronic Frontier Foundation (EFF) freut das nur wenig: Die FCC-Anordnung ist nur der Anfang. Sie fordert die Netznutzer auf, ihre Internet-Anbieter mit einem Programm zu überwachen, das Netzbremsen entdeckt. Denn zumindest US-Internetprovider fordern solche Netzbremsen sogar ein. Verizon-Technikboss Richard Lynch sagte erst neulich auf einer Konferenz: "Wir müssen Filesharing-Verkehr verzögern können, wenn nötig."

Alles freilich zum Wohle des Kunden - dabei profitieren die Provider selbst von schnelleren, fortschrittlicheren Netzen. Comcast hat deswegen zum Beispiel in neue, viel schnellere Protokolle samt Hardware investiert - um auch eigene, enorm datenintensive Internet-Dienste wie Videostreams in HD-Qualität anbieten zu können ...

YouTube-Streit: Rechteinhaber unter Zugzwang

Der Musikkonzern Universal hat den Rechtsstreit um ein tanzendes Baby in einem YouTube-Video verloren. Das Gericht stärkte das Recht auf faire Nutzung von Kulturgütern und ermahnte Universal zu mehr Sorgfalt bei Urheberrechtsstreitigkeiten. Eine Mutter filmte ihr Kind, das 29 Sekunden lang zum Prince-Song "Let’s Go Crazy" tanzte. Die Prince-Plattenfirma Universal ließ das Video von YouTube löschen, die Mutter klagte daraufhin mit Hilfe der Electronic Frontier Foundation (EFF) auf Schadensersatz. Damals fragten sich selbst Fans, ob Prince noch ganz bei Trost ist, gegen Kinder vorzugehen - kurz darauf nahm sich der Popstar auch Fanwebsites vor.

Die EFF sah in der Praxis des Musikkonzerns einen Verstoß gegen die freie Meinungsäußerung und den fairen Gebrauch von Kulturgütern, so die ORF Futurezone. Die Plattenfirma wendete vor Gericht ein, dass Rechteinhaber Urheberrechtsverletzungen nicht effektiv bekämpfen könnten, wenn sie Inhalte auf den fairen Gebrauch abklopfen müssten. Dem widersprach das Gericht, Rechteinhaber müssen nun mehr Sorgfalt walten lassen. Für die EFF ist das ein "gewaltiger Sieg" für das Recht auf freie Meinungsäußerung und faire Nutzung von Kulturgütern.

Apple-Dienst MobileMe ein Datenschutzdebakel

Das IT-Blog Techcrunch fordert Apple auf, den neuen MobileMe-Dienst gegen Spammer abzusichern. Der Online-Dienst mache es Adresssammlern allzu einfach, Listen von gültigen E-Mail-Adressen zusammenstellen: Sie müssen nur öffentliche MobileMe-Ordner mit einem einfachen Hackangriff ausfindig machen und den Ordnernamen mit einem @me.com ergänzen Voilà, fertig ist die E-Mail-Liste zum gezielten Angriff auf Mac-Nutzer.

Das ist so trivial, dass Apple das Problem kaum lösen kann, ohne seinen Dienst krass zu verändern. Und Apple weiß freilich vom Problem, sieht aber keinen Handlungsbedarf: "Es hat sich deswegen noch niemand beschwert." Dem will Techcrunch also ein Ende machen und fordert öffentlich: "Please fix it."

Microsoft heuert Seinfeld im Kampf gegen Apple an

In Redmond wollte man sich wohl nicht länger mit dem Image als behäbiger, angestaubter Bürospießer abtun - wie es gerne von Apples-Antiwerbung unterstellt wird ( "I’m a PC, I’m a Mac") - und heuerte deswegen Sitcom-Legende Jerry Seinfeld an. Im Rahmen einer 300 Millionen Dollar teuren Werbekampagne soll er in Anzeigen auftreten. Dem "Wall Street Journal" haben Insider angeblich auch schon verraten, wie der Anzeigen-Claim lauten wird: "Windows, Not Walls." Fraglich nur, ob diese Fenster heiße oder frische Luft herein- oder herauslassen ...

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