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25.08.2008
 

Netzwelt-Ticker

Managern ist Green-IT wurscht

Von Richard Meusers

Wenn's eng wird im Unternehmen, werden schnell Mitarbeiter gefeuert, dabei übersehen viele Konzernherren die Einsparpotentiale in der eigenen Energiebilanz. Amazon bringt den Kinder-Kindle, und Diebold verschlampt Wahlstimmen. Das und mehr im Überblick.

Steigende Rohstoffpreise, steigende Öl- und Spritpreise, man muss kein Superöko im Kratzpullover sein, um die Idee von effizienterer Energieausnutzung oder gar Einsparung für ziemlich modern zu halten. An einer Berufsgruppe geht dieser Trend bisher offensichtlich noch zum größten Teil vorbei: an den Managern.

"...it's a wonderful world": Umweltthemen liefern herrliche Bilder für die Werbung und Stoff, das eigene Image zu pflegen
DDP

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Es klingt verwunderlich, dass ausgerechnet eine Berufsgruppe, welche die Pflicht zur Erhöhung der Rendite wie ein Mantra wiederholt, eine große Möglichkeit zur Kostenreduzierung ignoriert. Das ist das Ergebnis einer Studie des britischen IT-Unternehmens TFM Networks. Für die Untersuchung wurden über 250 Konzernmanager zum Thema der Energiekosten im eigenen Unternehmen befragt. Nur 30 Prozent verfügten bereits über konkrete Pläne, die firmeneigenen Ressourcen besser zu nutzen.

TFM-Direktor Stewart Yates findet das verwunderlich: "Es gibt doch simple Schritte wie Web-basierte Videokonferenzen statt treibstoffträchtiger Flugreisen."

In der Außendarstellung und Werbung sieht das alles krass anders aus. Grün ist Pflicht, und von der Autobranche bis zu Küchengeräteherstellern wirbt alles mit Umweltaspekten - und wenn die noch so klein sind. Zu besichtigen ist das sehr schön ab Freitag auf der Ifa in Berlin: Da heißt heuer jedes Gerät grün, dass gegenüber dem Vorläufermodell ein, zwei Watt spart.

Kindle: Amazon bestätigt Sparversion

Amazons digitales Lesebuch "Kindle" soll unter die Leute, und was liegt näher, als die geneigte Kundschaft möglichst früh vom eigenen Produkt zu überzeugen? Nach dieser schönen Logik geht das Online-Versandhaus nun in die Offensive und wird seinen Lesecomputer auch in einer Schmalspurversion für Schulen und Universitäten herausbringen.

Die Geräte sollen vor allem die Lektüre von teilweise ziemlich großformatigen Wälzern durch die handlichere Elektronikversion ersetzen. Wer sich fragt, ob die Zielgruppe wirklich bereit ist, das gute, alte Papierbuch zugunsten der Hightech-Ausgabe aufzugeben, sollte sich einmal in einen beliebigen Hörsaal während einer Vorlesung setzen. Und dann die aufgeklappten Laptops zählen. Es gibt mittlerweile Fachbereiche, in denen "Such das Buch!" ein Spiel mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad ist.

USA: Erneutes Datendebakel für Diebold

Der amerikanische Wahlmaschinenhersteller Diebold kommt nicht aus den Schlagzeilen, und die sind wieder einmal negativ. Auch wenn das Unternehmen mittlerweile unter "Premier Election Solutions" firmiert, mussten die Verantwortlichen eine weitere peinliche Sicherheitslücke im System ihrer Computer eingestehen: Wenn die Daten der lokalen Maschinen zur weiteren Auswertung in die zentrale Datenbank übertragen werden, gehen schon einmal Wahlstimmen verschütt.

Grund für das Problem der in 34 Bundesstaaten verwendeten Automaten: Angeblich wurde in Ohio eine Antivirensoftware installiert, die inzwischen zu den bekannten Verlusten führt. Das Malheur trat erstmals bei den Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl im März dieses Jahres auf, soll aber tatsächlich schon seit zehn Jahren bestehen. Das Diebold-Geständnis dürfte den Befürwortern traditioneller Wahlverfahren mit Papier und Kugelschreiber weiteren Auftrieb geben. Bereits vor zwei Wochen hatte Ohio das Unternehmen wegen mangelhaft funktionierender Wahlmaschinen verklagt.

"Zutritt verboten"-Schilder können Google Streetview nicht stoppen

Derzeit kurven Street-View-Cars durch viele deutsche Städte, um im Auftrag des Suchmaschinenbetreibers Google die Straßen Haus für Haus zur späteren Nutzung im Kartendienst Maps zu fotografieren. Dass es die Fotografen dabei mit der Privatsphäre nicht besonders streng sehen, wurde in der Vergangenheit immer wieder zur Quelle von Beschwerden und Klagen.

Mittlerweile bequemt sich Google, Gesichter und Autokennzeichen unkenntlich zu machen, aber nicht standardmäßig, sondern nur auf Aufforderung hin. Anscheinend scheren sich die Piloten der Fotowagen auf ihren Touren auch nicht um "Privatgrundstück"- und "Zutritt verboten"-Schilder. In einem konkreten Fall im amerikanischen Pittsburgh begründete Google die Veröffentlichung von entsprechenden Fotos damit, die Örtlichkeit sei ja schon zuvor in einer Immobilienanzeige im Internet zu sehen gewesen.

Auf "Ars technica" macht sich David Chartier grundsätzliche Gedanken zum Thema und diskutiert zum Beispiel die Frage, ob die Veröffentlichung der Motive in einem Opt-in- oder Opt-out-Verfahren erfolgen solle. Sollte also Google zunächst alles, was fotografiert worden ist, auch beim Maps-Dienst veröffentlichen dürfen und umstrittenes Material nur auf Zuruf entfernen? Oder besteht die Pflicht zur sorgfältigen Bildauswahl bereits vor ihrer Veröffentlichung, womit die entsprechende Überprüfung von Google selbst vorgenommen werden müsste? Zumindest versuchen die Verantwortlichen, durch die Beschäftigung von ortskundigen Fahren zu verhindern, dass diese gleichsam querbeet durch die Nachbarschaft donnern.


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