ThemaChromeRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Chrome im Test Googles Blitz-Browser begeistert mit radikaler Schlichtheit

2. Teil: Schnelle Suche, spielerischer Umgang mit Tabs - und ein revolutionärer Ansatz für Web-Anwendungen

Dem Nutzer wird in dem Ausklappmenü ein Mix aus Bookmarks, zuvor besuchten Seiten, Suchmöglichkeiten und Google-Ergebnissen angeboten. Irgendwann sollen dann auch die angebotenen Google-Ergebnisse abgestimmt sein auf die Surfgewohnheiten des Nutzers - wenn der nicht vorher seine privaten Daten löscht, denn derart detailliert beobachten lässt sich nicht jeder gern. Zum Glück ist auch das mit einem Mausklick erledigt. Und wer will, kann auch anonymisiert surfen.

Trotzdem: Die Sache hat ihren Wert. Künftig lässt sich direkt in Warenbeständen oder Archiven suchen. Man muss dem Browser nur mitteilen, wo man suchen will, und er geht gezielt vor. Wenn man sich einmal in der SPIEGEL-WISSEN-Datenbank umgetan hat, reicht schon die Eingabe von "Spiegel - Tabulatortaste - Merkel" in der Adresszeile, um das Archiv von SPIEGEL ONLINE nach Artikeln über die Kanzlerin zu durchsuchen.

"Amazon - Tabulatortaste - David Mitchell" sucht direkt nach Büchern des Autors. Das hat was.

Tabs werden einfach zu Fenstern - oder umgekehrt

Effizient ist auch der Umgang von Chrome mit mehreren Fenstern und Reitern innerhalb eines Fensters (Tabs). Neue Tabs werden immer direkt rechts neben jenem Tab eingereiht, aus dem heraus sie aufgerufen wurden. So behält man besser die Übersicht. Wer will, kann einen Tab per Mausklick von den anderen lösen und als eigenes Fenster auf den Desktop ziehen. Oder umgekehrt. Auch das eröffnet neue Möglichkeiten der Ordnung.

Mit wenigen Klicks kann jeder Nutzer außerdem Internet-Fenster als Verknüpfungen auf den Desktop, ins Startmenü oder in die Anwendungsleiste legen. Wer seine Webmail-Site auf diese Weise auf seinen Schreibtisch packt, kann sie letztlich kaum noch von herkömmlicher, fest installierter E-Mail-Software unterscheiden. Die Grenze zwischen Netzanwendung und klassischen Programmen verwischt so weiter - was in Googles Interesse ist, bietet der Konzern doch Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Mail- und Präsentationssoftware auf Internet-Basis an. Chrome hat außerdem Googles Gear-Plattform integriert, die den Betrieb von Internet-Anwendungen auch dann erlaubt, wenn der Nutzer gerade nicht im Netz ist.

Eine Schwäche ist dagegen die Lesezeichen-Verwaltung. Der Nutzer merkt sich eine Seite per Klick auf ein Sternchen neben der Adresszeile. Um sie wiederzufinden, muss er sie in der Lesezeichenleiste sinnvoll plazieren oder in der Adresszeile ein passendes Stichwort eingeben, dann wird sie in dem Ausklappmenü angezeigt. Das Öffnen aller Seiten eines Lesezeichen-Ordners und andere praktische Funktionen, wie man sie aus anderen Browsern kennt, sind dagegen arg versteckt. Die Verwaltung der Lesezeichen ist kaum präsent - weil man sie wohl nicht wirklich für nötig hält. Google wirft schon immer gern alles in einen großen Bottich, indexiert das Ganze und findet das Gewünschte dann auf Stichwort-Zuruf. So läuft das auch bei Chrome. Es funktioniert, es ist schnell - es ist aber auch ungewohnt.

Kleinere Bugs und einige Traditionsbrüche

Nicht nur hier bricht Google mit inzwischen tradierten Gewohnheiten der Surfer. Ob die es beispielsweise wirklich so toll finden, nach dem Start oder beim Öffnen eines neuen Tabs immer Miniaturen der von ihnen am häufigsten angesurften Seiten angezeigt zu bekommen, bleibt abzuwarten. Es ist toll, statt einer einfachen Startseite eine ganze Auswahl zum schnellen Klick angeboten zu bekommen. Es ist aber doof, wenn man im Büro gern mal private Mails checkt - und ein kurzer Blick auf den Desktop dann dem Kollegen oder Chef die Surfgewohnheiten des Chrome-Nutzers offenbart.

Chrome ist noch nicht frei von Fehlern. In der ersten Version konnte man auf mehreren Testcomputern nicht mit dem Mausrad aufwärts scrollen; offenbar liegt dies an einer Einstellungsinkompatibilität. Solche Pannen sind typisch für Betaversionen. Auch der Import von Lesezeichen aus Firefox fällt darunter, hier gab es auf mehreren Rechnern Probleme.

Unter dem Strich jedoch bietet Chrome - wie US-Marketingfachleute gern tönen - ein außergewöhnliches Surferlebnis. Es ist rasend schnell, intuitiv zu bedienen und bietet wirklich neue Services und Ideen. Interessant wird zu beobachten sein, was die Veröffentlichung nun auf dem Browser-Markt bewirkt.

Für Microsoft kommt sie jedenfalls zur Unzeit. Das Unternehmen bereitet gerade den Internet Explorer 8 zur Veröffentlichung vor. Vergleicht man dessen zweite Betaversion mit der ersten von Google Chrome, sieht es für Microsoft nicht gut aus. Es ist wie Familienkutsche gegen Sportwagen - und zugleich wie Benzinschleuder gegen Drei-Liter-Auto. Nicht zu vergessen: Erstmals tritt hier ein Konkurrent gegen Microsoft an, der auf den Desktops der Welt mindestens ebenso präsent ist. Google kennt jeder Internet-Nutzer.

Es wird gefährlich.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 389 Beiträge
brainomat 02.09.2008
Tja, da es Google über längere Distanz geschafft hat eine weiße Weste zu behalten und es warhscheinlich Google-Jünger wie Apple-Jünger wie Sand am Meer gibt, sehe ich gute Chancen hierfür.
Zitat von sysopGoogles angekündigter Chrome-Browser soll Microsoft in mehr als einer Hinsicht Konkurrenz machen: Das Programm ist auch ein Vehikel, die zahlreichen Google-Angebote zu integrieren und zu verbreiten. Wie sehen Sie die Aussichten von Google, den Markt aufzurollen?
Tja, da es Google über längere Distanz geschafft hat eine weiße Weste zu behalten und es warhscheinlich Google-Jünger wie Apple-Jünger wie Sand am Meer gibt, sehe ich gute Chancen hierfür.
Memberlinchen 02.09.2008
kann ich da nur sagen. Als Entwickler von Webanwendungen habe ich auf so einen Browser gewartet. Und Gott sei Dank kommt der Browser von Google, denn dann läuft der Brwoser auch unter Linux.
kann ich da nur sagen. Als Entwickler von Webanwendungen habe ich auf so einen Browser gewartet. Und Gott sei Dank kommt der Browser von Google, denn dann läuft der Brwoser auch unter Linux.
Nostrusdamus0815 02.09.2008
Hi ;-) Als FF Nutzer sähe ich nicht die Notwendigkeit, mal eben zum polierten Chrome zu wechseln. Grund dafür ist die Datensammelwut, die Google an den Tag legt. FF ist gut und im Zweifel auch flexibel, Neuerungen zu [...]
Hi ;-) Als FF Nutzer sähe ich nicht die Notwendigkeit, mal eben zum polierten Chrome zu wechseln. Grund dafür ist die Datensammelwut, die Google an den Tag legt. FF ist gut und im Zweifel auch flexibel, Neuerungen zu übernehmen, die Chrome vermeintlich anbieten wird. Gucken - ja, nutzen wie FF - nein. Ich habe nämlich nicht zu FF gewechselt, um jetzt einen neuerlichen "Microsoft Konzern" zu unterstützen. Im übrigen empfehle ich: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/458378 Eine Reportage von 3Sat über Google ... ganz spannend anzusehen!
odrt69 02.09.2008
sorry, aber ich traue google datenschutztechnisch nicht über den weg, auch wenn man angeblich seine spuren einstellungsmäßig verwischen kann. ich bleib beim firefox.
sorry, aber ich traue google datenschutztechnisch nicht über den weg, auch wenn man angeblich seine spuren einstellungsmäßig verwischen kann. ich bleib beim firefox.
Dunedin 02.09.2008
sollte man auch nicht da es ein amerikanisches Unternehmen ist. Hier gilt die gleiche Vorsicht wie bei MS
Zitat von odrt69sorry, aber ich traue google datenschutztechnisch nicht über den weg, ...
sollte man auch nicht da es ein amerikanisches Unternehmen ist. Hier gilt die gleiche Vorsicht wie bei MS
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Web
alles zum Thema Chrome

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP