Von Matthias Kremp
Google hat es ja nicht anders gewollt. Vor zwei Wochen veröffentlichte das Unternehmen seinen Web-Browser Chrome unter der Open-Source-Lizenz. Open-Source, das heißt, dass jeder Programmierer sich den Quellcode des Programms schnappen und beliebig umbauen darf. Die Entwickler des US-Software-Unternehmens Codeweaver ließen sich da nicht lange bitten, bastelten Chrome-Versionen für Linux und Mac-Rechner.
Google selbst hatte Chrome bisher nur für Windows-PCs veröffentlicht. Anfragen, wann es denn Varianten für andere Betriebssysteme geben werde, beantworteten Firmensprecher nur nebulös, ließen durchblicken, dass es bis dahin wohl noch einige Monate dauern könne. Mac- und Linux-Anwender sollen sich eben noch ein wenig gedulden.
Doch jetzt wurde Googles Entwicklerteam von den Codeweaver-Leuten überholt. Nur knapp zwei Wochen haben sie gebraucht, um Googles Windows-Browser auf Mac und Linux zu übertragen und als kostenlosen Download bereitzustellen. Ein wenig Trickserei gehörte allerdings schon dazu, dieses Kunststück zu vollbringen.
Alter "Wine" in neuen Schläuchen
Denn die Codeweaver-Programmierer haben sich nicht die Mühe gemacht, den Browser-Code komplett für Macs umzuschreiben, daraus ein eigenständiges Mac-Programm zu machen, so wie man es bei Google wohl vorhat. Stattdessen verpackten sie Chrome in eine Art Emulator, eine Software, die dem Browser vorgaukelt, er würde auf einem Windows-PC ausgeführt, obwohl er eigentlich auf einem Mac oder Linux-Rechner ausgeführt wird.
Genau das ist nämlich die Kernkompetenz von Codeweaver: Die Firma entwickelt genau solche Emulatoren. Darunter auch Crossover Mac und Crossover Linux, die es den Anwendern der jeweiligen Systeme ermöglichen, Windows-Software zu benutzen, ohne Windows installieren zu müssen. Als Grundlage hierfür verwendet Codeweavers wiederum die Open-Source-Software des Wine-Projektes, welches Windows-Software Linux- und Unix-Anwendern zugänglich machen will.
Gut gegen Neugier und für Google
In einem ersten Test funktioniert der jetzt als CrossOver Chromium bezeichnete Browser auf einem Mac vollkommen klaglos. Viele Anwender werden allerdings ihre Mac-OS-X-Installations-DVDs hervorkramen müssen. Chromium verlangt nach einer Software namens Quartz-wm, die auf diesen DVDs zu finden ist. Ohne die wird die grafische Ausgabe des Browsers arg gebremst, ist quasi unbrauchbar.
Ansonsten aber gibt sich der Pseudo-Mac-Browser genügsam, braucht nach dem Start gerade mal 22 MB Speicherplatz. Selbst Windows-Plugins wie Adobes Flash-Player lassen sich installieren und nach einem Neustart nutzen. YouTube-Videos, flickr-Fotos, alles kein Problem - solange man nur ein Chromium-Tab verwendet. Sobald man ein zweites öffnet, überlagern beispielsweise YouTube-Videos den Inhalt des darüber liegenden Fensters.
Aber mit derartigen Aussetzern muss man bei Chromium einfach rechnen. Codeweavers-Chef Jeremy White gibt zu bedenken, dass Chromium ein Proof-of-Concept sein soll, also nur der Beweis, dass man das prinzipiell machen kann. Zudem sei ja auch Googles Chrome noch eine Betaversion, also alles andere als fertig.
Deshalb, so White, sollte man auch Chromium nicht als fertiges Produkt ansehen. White: "Es mag noch Fehler haben und man sollte es mit Vorsicht verwenden. Aber trotzdem verfügt es über alle Funktionen, die auch die Windows-Version hat." Und das ist vielleicht das Wichtigste. Denn so können auch Mac- und Linux-User ihre Neugier befriedigen, selbst ausprobieren, weshalb so viel Wirbel um Chrome gemacht wird - und nebenbei Googles Datenbanken füllen.
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