Von Richard Meusers
Das Ende der CD ist nah, behaupten zumindest die vier großen Musikkonzerne EMI, Sony BMG, Universal und Warner. Sie haben sich um den Speicherkartenhersteller Sandisk geschart und propagieren das neue Speicherformat Slotdisc als Nachfolger der Musik-CD. Der neue Standard basiert auf microSD-Speicherkarten, wie sie auch in Digicams, MP3-Playern und Handys verwendet werden. Mit einer Kapazität von einem Gigabyte sollen darauf Musiktitel oder -alben im MP3-Format bei einer Qualität von bis zu 320 KBit/s gespeichert werden.
Die Speicherkarten kommen im Oktober zunächst auf den amerikanischen Markt, später dann auch in die Läden im alten Europa. Slotmusic soll auf vielen Handys und MP3-Playern abgespielt werden können. Ein mitgeliefertes USB-Kabel soll auch eine Benutzung am eigenen Rechner ermöglichen. Und das, so oft der Käufer will, von DRM-Fesseln, die den Gebrauch limitieren, ist nicht die Rede. Mit dem Produkt wollen die Initiatoren den Markt der Musikliebhaber erschließen, für die der virtuelle Kauf von digitaler Musik noch zu kompliziert ist, so Universal-Manager Rio Caraeff.
Auch wenn SlotMusic als brandneues Ding vermeldet wird, stimmt das nicht so ganz. Die Idee zu einer Musikspeicherkarte hatten schon vor elf Jahren die Techniker einer kleinen Schwarzwald-Firma, die zusammen mit Siemens die Multimedia Card (MMC) entwickelten. Deren Siegeszug scheiterte seinerzeit aber nicht zuletzt am bescheidenen Datenvolumen. Bei 16 MB war damals Schluss. Da passten nur ein paar Popsongs auf den SD-Karten-Vorgänger.
Österreicher wegen rassistischer Forenbeiträge verurteilt
Das Internet ist seit jeher auch eine Begegnungsstätte für Sonderlinge aller Art. Davon können die Betreiber von Foren und auch Blogs, soweit sie Kommentare erlauben, ein Lied singen. Das ermuntert so manchen, sich in wüsten Tiraden gegen alles zu ergehen, was der eigenen Nase nicht passt.
Vielfach sind dabei auch rassistische Ergüsse, die jetzt einem Österreicher zum Verhängnis wurden. Der Mann, der sich gern unter dem Usernamen "Landsknecht" in diversen Foren herumtrieb und sich dort durch fremdenfeindlichen und rassistischen Krawall hervortat, wurde jetzt zu einer Haftstrafe von neun Monaten verurteilt, wovon er zwei absitzen muss.
Das Gericht befand den Wiener schuldig, eine Hass-E-Mail an den Anti-Rassismus-Verein Zara geschickt zu haben. Da der Mann schon zuvor mit rassistischen Attacken auffällig geworden und bereits zu einer viermonatige Bewährungsstrafe verurteilt worden war, dürfte er jetzt um den Einzug in den Knast nicht herumkommen - auch wenn das Urteil noch nicht endgültig rechtskräftig ist.
US-Rechnungshof: Bedenken gegen Wahlmaschinen
Die Automaten gerieten in der Vergangenheit immer wieder in die Kritik, weil sie gegenüber Manipulationen, Betrugsversuchen und Datenverlusten offenbar nicht ausreichend gesichert sind. Viele US-Gemeinden (die über das Wahlprozedere selbst bestimmen können) sind daher wieder zum traditionellen Wahlzettel zurückgekehrt.
Neue Argumente für diesen Schritt erhielten sie jetzt vom amerikanischen Rechnungshof GAO, der in einem Bericht feststellte, dass die Bemühungen zur Modernisierung des amerikanischen Wahlsystems gescheitert seien. Diese wurden nach dem Desaster im Jahr 2000 beschlossen, als auch nach wochenlangen Auszählungen kein eindeutiger Wahlsieger feststand. Schließlich setzte sich George W. Bush per Gerichtsurteil gegen seinen Rivalen Al Gore durch.
Der Rechnungshof führt als Hauptgrund für das Scheitern der Bemühungen an, die staatliche Wahlkommission habe sich bei ihren Zertifizierungen für die unterschiedlichen Wahlverfahren verzettelt, allein zwölf Verfahren seien bis heute nicht abgeschlossen. Mit der Folge, dass nun keine einheitlichen Vorgaben existieren und jeder US-Bundesstaat eigene Regelungen erlassen muss.
Urheberrecht: Wikipedia muss über 300 Artikel löschen
Das Medienforschungsunternehmen Nielsen ist ein weltweit operierender Konzern, der eifersüchtig auf die Beachtung seiner Rechte achtet. Das mussten jetzt auch die Betreiber der Online-Enzyklopädie Wikipedia erfahren. Dort gab es in der englischsprachigen Version eine ganze Reihe von Seiten, die in Form von Kategorien Auflistungen über amerikanische TV-Sender enthielten.
Woran sich die Nielsen-Manager stießen: diese Auflistungen enthielten auch Angaben zu regionalen Marktanteilen. Diese Daten aber berühren das Kerngeschäft der Medienforscher, die damit die Grundlagen für Anzeigen- bzw. Werbespotpreise liefern. Also bekam Wikimedia Post von Nielsen mit der Aufforderung, die entsprechenden Wikipedia-Artikel zu löschen. Ein Ansinnen, dem die Verantwortlichen nachkamen, womit an die 300 Seiten in den Datenorkus gingen.
Ein Smiley für Google Earth
Tscheljabinsk ist eine russische Stadt im südlichen Ural und der Welt bislang ziemlich unbekannt geblieben. Dass man an der Grenze zu Sibirien trotzdem etwas zu lachen hat, demonstrierten jetzt die Einwohner der Millionenstadt. Ein paar schlaue Leute berechneten den genauen Zeitpunkt, an dem der Quickbird-Satellit, der auch Fotomaterial für Google Earth liefert, die Stadt überfliegen würde.
Zu just diesem Zeitpunkt versammelten sich Tausende von knallgelb gewandeten Russen auf einem Platz im Zentrum der Stadt, gingen dort in Stellung und formten einen riesigen Smiley. Ob und wann das Grinse-Motiv seinen Weg in Googles virtuellen Globus finden wird, ist allerdings unklar - aber versuchen kann man's ja mal.
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