Von Richard Meusers
Apple droht mit der Schließung seines Online-Musikladens iTunes Store. Der Grund: In den USA wird derzeit über eine Erhöhung der Lizenzgelder nachgedacht. Musiker sollen demnach pro digital verkauftem Titel statt bisher sechs künftig 15 Cent überwiesen bekommen.
Das amerikanische Copyright Royalty Board (CRB), für die Festlegung von Urheberabgaben zuständig, wird voraussichtlich am Donnerstag eine entsprechende Anordnung verkünden. iTunes-Chef Eddy Cue quittierte dieses Ansinnen mit der Äußerung, eher würde man das Musikangebot schließen, als den Preis für Songs über die derzeitige Grenze von 99 Cent anheben. Ansonsten wären Verluste unvermeidlich, was ein Ende des dann nicht mehr profitablen Geschäftsbetriebes bedeuten würde.
Derzeit stehen alle Musikunternehmen unter dem Druck, nach dem Einbrechen der Umsätze durch CDs die geschwundenen Einnahmen durch den verstärkten Verkauf von Download-Titeln zu kompensieren. Logisch, dass sie über eine Abgabenerhöhung nicht glücklich wären. Anders die Sicht des Komponistenverbandes NMPA: "Es mag ja sein, dass Apple Songs gerne billig abgibt, um iPods besser zu verkaufen", wird NMPA-Chef David Israelite zitiert. "Aber wir bekommen keinen Penny für den Verkauf von iPods."
RealNetworks und Hollywood verklagen sich gegenseitig
Auch anderenorts gibt es Streit ums Urheberrecht. Nur kurze Zeit, nachdem RealNetworks mit dem Verkauf seiner Kopiersoftware RealDVD begonnen hat, rollte eine Klagewelle an. Der amerikanische Filmindustrieverband MPAA will RealNetworks belangen, weil deren Kopierprogramm es erlaubt, den auf den DVDs zumeist vorhandenen Kopierschutz zu umgehen. Damit verstoße die Softwareschmiede gegen den Digital Millennium Copyright Act (DMCA).
Diesen Schritt haben die RealNetworks-Hausjuristen offensichtlich vorhergesehen und initiierten ihrerseits eine Feststellungsklage gegen diverse Filmstudios und die DVD Copy Control Association. Damit soll klargestellt werden, dass man keineswegs gegen deren Lizenzbestimmungen verstoße.
Immerhin erlaube RealDVD lediglich das einmalige Abspeichern auf der Festplatte des Nutzers, erneutes Brennen oder die Weiterverbreitung über Tauschbörsen werde durch einen eigenen Kopierschutz unterbunden. Nun müssen die Richter klären, ob die Einführung eines Kopierschutzsystems die verbotene Überwindung eines vorherigen Kopierschutzes wieder ausbügelt.
EA-Sprecherin: Nicht jede Raubkopie richtet Schaden an
Noch vor kurzer Zeit stimmte Computerspielehersteller Electronic Arts (EA) ein lautes Klagelied an, welchen Schaden die unberechtigte Verbreitung seiner raubkopierten Spiele anrichten würde. Mit den rigiden Kopierschutzmaßnahmen in der Evolutionssimulation "Spore" hatte sich das Unternehmen dann den geballten Zorn der Fangemeinde zugezogen.
Nun das überraschende Eingeständnis von EA-Sprecherin Mariam Sughayer: "Abgesehen von den rechtlichen Fragen um das Kopierschutzsystem sollte klar sein, dass nicht jeder Download über Bittorrent für eine erfolgreiche Kopie oder einen entgangenen Verkauf des Spiels steht."
Offensichtlich haben die Verantwortlichen gemerkt, dass Kundenpflege sinnvoller ist als Strafverfolgung wegen Piraterie und Diebstahl. Demnächst soll das Limit, das die Zahl von Spore-Installationen auf drei begrenzt, angehoben werden, außerdem soll ein Patch die Anzahl der Spieler, die jede "Spore"-Kopie nutzen können, erhöhen.
GNU-Erfinder Stallman: Cloud Computing ist eine teure Falle
Vor 25 Jahren kündigte der amerikanische Entwickler Richard Stallman das GNU-Projekt an, das zunächst ein völlig freies Betriebssystem entwickeln wollte, schließlich aber den Weg zu offenen Programmen wie Linux oder Firefox ebnete. Trotzdem geht für den rauschebärtigen Netzaktivisten die Gleichung "gratis = gut" nicht auf.
Gar nichts hält Stallmann zum Beispiel vom neuesten Schrei der Online-Welt, dem Cloud Computing. Hier nutzen Surfer Software- und Speicherdienste online, die von Unternehmen wie Google auf eigenen Servern bereitgestellt werden. In Wahrheit sei das " schlimmer als Dummheit", so Stallman, denn diese Angebote sollten die Surfer in die Falle geschlossener, proprietärer Dienste locken.
Die kosten zwar kein Geld, fräßen aber mehr und mehr Zeit auf. Die Speicherung persönlicher Daten in einer nicht kontrollierbaren Datenwolke sei überdies eine gefährliche Sache. Und überdies unnötig, könne der Nutzer seine Daten doch auch nach wie vor auf dem eigenen Rechner abspeichern und sie dort unter Kontrolle halten.
Clip zu langweilig? YouTube hilft
Da hat sich der Hobbyfilmer so viel Mühe gegeben und ein möglichst unterhaltsamen Clip gebastelt, stellt ihn bei YouTube ein - und dann tote Hose. Niemand interessiert sich, Kommentare bleiben aus. Was ist falsch gelaufen?
Um das herauszufinden und möglichst publikumsträchtige Videoclips zu produzieren, kann der Heimregisseur jetzt ein neues Tool von YouTube nutzen. Das Online-Filmportal hat seine Video HeatMap veröffentlicht, deren statistische Auswertung informiert, an welchen Stellen eines Clips besonders viele User zuschauen und wo sie sich wieder verabschieden. Das entsprechende Diagramm zeigt anschaulich und sekundengenau, wo der Zuschauer-Zuspruch überdurchschnittlich groß ist und an welchen Stellen Szenen vorhanden sind, die besser noch mal überarbeitet werden sollten.
Wie der Heilige Geist: Athos-Mönche per Wimax verbunden
Der griechische Berg Athos ist nicht als Heimstatt moderner Lebensführung bekannt, die dortige Mönchsrepublik untersagt bis heute Frauen den Zutritt. Ausgerechnet dieses Gebiet hat das Unternehmen OTE zur Pilotregion für ein griechisches Wimax-Netz auserkoren. Mit dem Netz, dem noch ein W-Lan-Netz in der Athos-Hauptstadt Karyes zugeschaltet wird, soll die Verbindung der 20 Klöster untereinander verbessert werden.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
| alles zum Thema Netzticker | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH