Mittwoch, 10. Februar 2010

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17.11.2008
 

Site-Sperre aufgehoben

Wikipedia.de ist wieder da

Von Christian Stöcker

Der Spuk ist vorbei: Nach zweieinhalb Tagen ist die Sperre von wikipedia.de beendet - der Linken-Politiker Lutz Heilmann wehrt sich nicht länger gegen seinen Lexikoneintrag. Die Betreiber der Site hätten die Sache allerdings lieber vor Gericht ausgefochten.

Jetzt sieht die Seite wieder aus, wie man sie kennt. Ein einfaches Textfeld, daneben der Schalter "suchen" - wikipedia.de ist nach zweieinhalb Tagen Sperre zur Routine zurückgekehrt. Die Seite des Vereins Wikimedia bietet das gewohnte Bild: Man gibt eine Suchanfrage ein und wird von dort auf de.wikipedia.org weitergeleitet, das deutschsprachige Lexikon-Angebot der Wikipedia-Zentrale in den USA.

Auch "Lutz Heilmann" kann man wieder eingeben - und wird dann zu dessen Eintrag weitergeleitet.

Linken-Politiker Heilmann: Reue nach der Sperre
Deutscher Bundestag / Lichtblick / Achim Melde

Linken-Politiker Heilmann: Reue nach der Sperre

Lutz Heilmann ist der Mann, der die Sperrung von wikipedia.de durchgesetzt hatte. Statt des gewohnten Suchfeldes begrüßte die Seite den Nutzer mit dem Hinweis, man dürfe vorerst nicht mehr "auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterleiten". Heilmann hatte eine entsprechende einstweilige Verfügung beim Landgericht Lübeck erwirkt, weil er den Eintrag über seine Person kritisierte. Schon am Sonntag hatte Heilmann jedoch mitgeteilt, er bedauere, dass durch die einstweilige Verfügung die Wikipedia.de-Nutzer keinen "direkten Zugriff mehr auf die Wikipedia-Inhalte" gehabt hätten. Ihm sei es nicht "um Zensur, sondern schlicht um eine wahre Tatsachendarstellung" gegangen. Der juristische Weg habe sich "insoweit als problematisch erwiesen, als durch die Struktur von Wikipedia die anderen Userinnen und User in Mitleidenschaft gezogen werden".

Insgesamt vier konkrete Passagen hatte eine Lübecker Anwaltskanzlei in Heilmanns Namen gegenüber dem Landgericht Lübeck als Begründung angegeben, die Weiterleitung von wikipedia.de auf de.wikipedia.org per einstweiliger Verfügung zu untersagen. In dem Antrag, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, heißt es, in den "Beiträgen" würden "oft falsche Tatsachen wiedergegeben", und zwar "sogar wahrscheinlich absichtlich". Das Landgericht Lübeck verfügte daraufhin die Sperrung - "wegen Dringlichkeit ohne vorherige mündliche Verhandlung". Nach eigenen Angaben hat Heilmann gegen mehrere Wikipedia-Nutzer, die den Beitrag zu seiner Person bearbeitet haben, auch Strafanzeige gestellt.

Thorsten Feldmann, der den deutschen Verein Wikimedia, den Betreiber von Wikipedia.de, in der Sache vertritt, ist über den Ausgang der Sache trotz des Erfolgs nicht vollständig glücklich. Zwar sei es erfreulich, dass deutsche Nutzer nun auch über wikipedia.de wieder auf das Angebot in den USA zugreifen könnten. Der Antrag, ist Feldmann überzeugt, hätte in seiner vorliegenden Form aber ohnehin kaum Bestand gehabt - er hätte die Sache lieber bis zum Ende durchgefochten: "Wir hätten gerne eine Aufhebung der Verfügung wegen Unbegründetheit der Ansprüche gehabt", sagt Feldmann im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Nun aber besteht die Gefahr, dass andere mehr oder minder prominente Menschen den Fall als Inspiration nehmen und ihrerseits versuchen, erneut eine Sperrung von wikipedia.de zu erwirken - und sei es nur, dass irgendwelche Unternehmen billige Eigen-PR machen wollen.

Ein Gutes hatte die Sperrung für wikipedia.de immerhin - das Spendenaufkommen für die Online-Enzyklopädie nahm aufgrund des heißdiskutierten Falls am Wochenende drastisch zu.

mit Material von ddp

Wikipedia-Inhalte finden sich auch auf der größten kostenlosen Recherche-Datenbank im deutschsprachigen Internet, SPIEGEL WISSEN.

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