In Deutschland wäre das eine Schlagzeile, in den USA ist es eine Randnotiz: Am 25. November 2008 hat Sling.com den Betrieb aufgenommen - ein weiteres legales, kostenloses Fernsehangebot im Netz. Gezeigt werden Filme und Serien, die meisten US-TV-Netzwerke und viele Produktionsfirmen liefern ihre Inhalte zu, darunter Warner, Sony und MGM. Erstausstattung des Video-Angebots: Rund 620 Serien und Shows, Archivinhalte inklusive. Finanziert wird das alles über Werbung. Ach ja: Wie üblich sehen wir Europäer davon nichts, für uns ist die Seite blockiert.
Alles wie gehabt also: In den USA verlagert sich das Fernsehen zunehmend ins Web, in Deutschland passiert herzlich wenig.
Dank Seiten wie Hulu.com schauen Millionen Nordamerikaner ihre Lieblingsserien in HD-Qualität via Web, wann immer sie wollen. Warum gibt es so etwas nicht auch hierzulande? Das zeigt das Beispiel Hulu.
Das Konzept funktioniert, da anfänglich die Lizenzrechte für die Inhalte bei den Hulu-Betreibern NBC Universal und News Corp lagen. Inzwischen ist Hulu so populär, dass auch andere Networks Inhalte zur Verfügung stellen. Rund 50 TV-Stationen sind mittlerweile vertreten. Hulu verteilt die Video-Streams über die eigene Seite, aber auch über Partnerseiten wie AOL, MSN, MySpace oder Yahoo.
Wir müssen draußen bleiben
Selbst auf Video-Aggregatorenseiten, die zumeist illegal gestreamte Inhalte zusammenführen, ist Hulu inzwischen eine der primären Quellen. Legale Angebote verdrängen langsam die illegalen Angebote.
Außerhalb von Nordamerika bleibt der Bildschirm allerdings schwarz. IP-Adressen aus anderen Ländern werden geblockt, aufgrund von Rechteproblemen. Über eine globale Nutzung denkt man bei Hulu schon seit langem nach. Doch konkrete Pläne existieren laut Peter Smith, Präsident von NBC Universal International, noch nicht. Bisher scheut sich die Branche in Deutschland davor, ihre Inhalte kostenlos über das Internet zu verbreiten - obwohl das auch im frei empfangbaren Fernsehen nicht anders läuft.
Dabei spricht der Erfolg für das Modell Hulu. Mit 12 Millionen US-Dollar Profit bringt es jetzt schon mehr Geld als das Videoportal YouTube, obwohl das mehr Klicks verbuchen kann. Der Analyst Arash Amel vom britischen, auf Medien spezialisierten Marktforschungsunternehmen Screen Digest glaubt, das liege an der Zielgruppe: Hulu verteilt ein kleineres Portfolio an einen kleineren Kundenkreis. Werbung könne so besser plaziert werden. So vermutet er, dass 80 Prozent der Hulu-Stream-Kosten durch Werbepartner gedeckt sind - bei YouTube seien es lediglich drei bis vier Prozent.
Teurer als in der Videothek
In Deutschland sieht die Sache anders aus. Zwar bieten T-Online oder Maxdome Filme über das Internet als Stream in guter Qualität an, teilweise auch in HD. Aber sie lassen sich das Ganze gut bezahlen - die Videothek um die Ecke ist meist billiger.
Ausschließlich kostenlose Inhalte fand man bisher nur in der ARD- und ZDF-Mediathek. Angeboten werden vor allem Eigenproduktionen - nur dürfte der "Tatort" für die meisten Web-Nutzer weniger attraktiv sein als eine populäre US-Serie. Lizenzware wird nicht angeboten.
Auch Privatsender wie RTL oder Vox bieten über ihre Web-Seiten kostenlos Folgen von Eigen- und Fremdproduktionen - kurz nach der Ausstrahlung im Fernsehen. Sie dienen als Appetizer für den kommerziellen Teil des Angebots. In den Videotheken der Sender wird man teils kräftig zur Kasse gebeten. Kostenpflichtig sind sowohl Archiv- als auch Vorab-Videos, die Einzelfolge "CSI" kostet bei RTLnow 1,99 Euro.
Das MSN-Portal von Microsoft geht nun mit " MSN Movies" einen Schritt weiter und bietet abgehangene Blockbuster wie "Blade" und "Good Will Hunting" als kostenlose Streams an. Das soll sich irgendwann über Werbeeinblendungen finanzieren, vor dem Film und währenddessen.
Aktuelles gibt es nicht umsonst
Das Portfolio umfasst einige Perlen, wirklich aktuelle Hits sucht man vergeblich. Das liegt daran, das Filme on demand offenbar am Ende der Verwertungskette stehen. Die sah traditionellerweise so aus: Kino, DVD, Pay-Tv, Free-TV. Jetzt kommt der Stream hinzu - meist dann, wenn ein Film sein Geld bereits eingespielt hat. Viele der Filme in der MSN-Videothek kennen Leser von SPIEGEL ONLINE schon aus dem Angebot der DVD-Beipacker, die diversen Zeitschriften kostenlos beigelegt werden.
Ob es für die Web-Streams bei der Position am Ende der Verwertungskette bleibt, wird sich zeigen. Marc Adam, Executive Producer und Director von MSN Deutschland, reiht das werbebasierte Streaming-Angebot hinter Pay- und Free-TV ein.
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