Das Desaster begann mit einer E-Mail. Die Adressatin: Janella Spears aus Oregon, Krankenschwester und engagierte Bürgerin, nicht auf den Kopf gefallen, mitten im Leben stehend, wie man so sagt. Als Predigerin aktiv in ihrer Kirchengemeinde, ehrenamtlich unterrichtet sie lebensrettende Sofortmaßnahmen. Eine berufstätige Frau mit einem gehörlosen Mann, beide freuen sich auf die nahende Pension. Bis Janella Spears die ersten 100 Dollar überweist.
US-Dollars: Nigeria-Spammer machen Gier zu Geld
Hilfe ist eine Sache, die Janella Spears naheliegt. Zumal, wenn es um 20 Millionen Dollar geht, mit denen sich viel Gutes tun ließe, und diese Reichtümer ihr außerdem als Erbe hinterlassen worden seien - von ihrem eigenen Großvater J.B. Spears, zu dem sie vor vielen Jahren jeden Kontakt verloren habe. Das, sagt Spears, habe den Ausschlag gegeben. Sie überwies 100 Dollar für irgendwelche obskuren Ämter.
Für Spears war dies der Anfang vom finanziellen Ende. Aus der ersten Zahlung ergab sich ein reger E-Mail-Austausch. Immer wieder gab es neue Hindernisse, die die Überweisung der Millionen verhinderten. Gebühren, die zu zahlen waren. Spears bekam alles mögliche quittiert. Dokumente der nigerianischen Staatsbank zugeschickt, der Uno.
Auf dem Höhepunkt der Abzocke, als sie von ihrer Hausbank längst bei jeder Überweisung gewarnt wurde, dies alles sei ein Trickbetrug, sie solle unbedingt damit aufhören, erfuhr Janella Spears, dass angeblich sogar George W. Bush involviert sei: Wie auch der Chef des FBI und der Präsident von Nigeria schickte ihr auch der US-Präsident persönlich E-Mails, um sie auf Spur zu halten. Im Internet, hieß es Anfang der Neunziger in einem berühmten Cartoon der "New York Times", weiß niemand, ob Du nicht in Wahrheit ein Hund bist. Soll heißen: Jeder kann jede beliebige Identität vortäuschen. Und aus einem Internet-Cafe in Lagos wird dann eben das Weiße Haus.
Die Zahlung wird zur Sucht
Janella Spears glaubte weiter an die Versprechungen. Vielleicht, weil sie gar nicht mehr anders konnte. Längst lag eine Hypothek auf dem Haus, längst hatte sie auch den Pensionsfonds ihres Mannes geplündert. Das Ehepaar stand vor dem finanziellen Nichts.
Und irgendwann standen die Fahnder vor der Tür. Verdächtigten Spears wegen Geldwäsche, wegen Teilnahme an Nigeria-Betrugsmaschen, wegen weiß der Fuchs was noch. Durchsuchten ihre Akten, erfassten ihre Banktransaktionen der vergangenen Jahre. Fanden heraus, dass sie Opfer, nicht Täterin war: 400.000 Dollar hatte die Frau über die Monate nach Nigeria verschickt.
Die Fahnder verboten weitere Überweisungen unter Strafandrohung. Erst das, sagt Spears, habe sie stoppen können. Denn der stete Geldfluss sei ihr zu einer Sucht geworden. Erst hätten die Millionen gelockt, dann die Schulden gedrückt. Sie hätte gar nicht mehr aufhören können, selbst als sie ahnte, dass all die Warner um sie herum recht hatten.
Jetzt macht Janella Spears ihren Fall öffentlich, den ein Fahnder als schlimmsten Nigeria-Trickbetrug bezeichnete, den er je erlebt habe. Sie will zeigen, was passieren könne, wie schnell das gehe, wie clever diese Betrüger seien. Sie macht sich selbst zum abschreckenden Beispiel.
In zwei Jahren, sagt Spears, seien die drängendsten Schulden, die das Ehepaar zugunsten von Trickbetrügern irgendwo in Afrika angehäuft hat, abgetragen. Dann seien sie wieder bei Null. Die Rente, sagt Spears, habe ihr Mann sich anders vorgestellt.
pat
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