Von Frank Patalong
Nur vor diesem Hintergrund sind diverse grenzdebile Show- und Musik-Verfehlungen auch der letzten Jahre überhaupt erklärbar. Wenn etwa David Hasselhoff (eine Art Asylant der hiesigen Unterhaltungskultur) bei Gottschalk aufliefe, dann würde auch heute noch freudig und begeistert und manchmal sogar nah am Takt geklatscht. Nicht nur Hasselhoff weiß, wie er sein Publikum binden kann: Mit Erinnerungen an die Achtziger, die in Rückschau als unbeschwert erscheinen - und genau das nicht waren: Sie waren Paranoia-Jahre, bis der Ostblock kollabierte.
Ihre Mainstream-Popkultur zelebrierte den Eskapismus, die absolute Abwendung von der Realität. Und das im Extremen, wenn Sonnyboys wie Astley gegen in den Weltuntergang verliebte Depri-Elektroniker wie Depeche Mode oder Cure antraten, wenn Zuckerschnittchen wie Madonna oder Taylor Dayne hochgefönt ihre Kindfrau-Liedchen trällerten. Grässlich, fürwahr, und es ist nicht vorbei. Das zeigt keiner so sehr wie Hasselhoff, eine Art lebendes Backlink hin zu gedankenfreien Entertainment-Zeiten. Hoogachaka, will man da ausrufen: Ohne die Achtziger hätte es auch so eine Perle der Popkultur wohl nie gegeben.
Anmerkung der Redaktion: Das ursprünglich auch gezeigte Video "Supersonic" haben wir entfernt, weil es sich als zu frisch entpuppte. Der Song persifliert Achtziger-Geschmacksverirrungen, stammt selbst aber nicht aus diesem Jahrzehnt.
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