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25.12.2008
 

Web-Tipp

Hier werden Sie geflasht

Von Dennis Schirrmacher

Skurrile Bilder, faszinierende Klangwelten, packende Mitmach-Filme - der Flash-Player hat das Internet revolutioniert. SPIEGEL ONLINE zeigt Seiten, die die ganze Kraft des Formats ausreizen: Erleben Sie eine Explosion der Kreativität, live auf Ihrem Computer!

HTML ist out.

Schluss mit langweiligen Textwüsten und hässlichen Bitmap-Grafiken! 1997 erschien die erste Flash-Version, damals noch bei der Firma Macromedia, die 2005 von Adobe aufgekauft wurde. Mittlerweile werkelt in unseren Browsern die zehnte Version, die Video-Plattform YouTube hat den Flash-Player für Videoinhalte salonfähig gemacht - und interaktive Web-Seiten sehen plötzlich richtig schnieke aus.

Natürlich sind etliche Flash-Seiten reine Reklameseiten: Werber lieben die visuellen Möglichkeiten, die das Format bietet. Und eigentlich nerven Anzeigen viele Web-Surfer - außer, sie sind gut. Einige Kampagnen haben es darum in die Auswahl der besten Flash-Seiten geschafft:

  • Der brasilianische VW-Web-Auftritt beispielsweise verwöhnt Augen und Ohren und setzt auf Gruppendynamik zur Präsentation des Menüs. Um die Seite zu betreten, klicken Sie auf "Clique aqui", die eigentliche Seite ist auf Englisch.
  • Ikeas Werbung im Fernsehen ist kreativ und witzig. In ihrem Heimatland Schweden setzen sie nun noch einen drauf: Auf ihrer Internet-Seite verwandelt sich die Tastatur in ein Musikinstrument. Jede Taste ist mit einem anderen Sound unterlegt, und die Figuren reagieren in verschiedenen Szenarien dynamisch auf die Musik. Sie verrenken sich, zappeln und tanzen. Unmusikalische greifen auf vorgefertigte Musikstücke zurück oder laden ihr Lieblingslied hoch.
  • Ich glaub, ich steh im Wald! Das Forstindustrieunternehmen UPM aus Finnland protzt mit seiner Internet-Präsenz - im positiven Sinn. Hochwertige Fotos und darin integrierte Videos werben für ein uns allen bekanntes "Produkt": den Wald. Der Lebensraum wird so auf interessante Weise dargestellt und die Informationsvermittlung macht richtig Spaß.
  • Für die Veröffentlichung des Videospiels "Wario Land - The Shake Dimension" für die Wii-Spielkonsole hat Nintendo ein besonderes Video auf YouTube geschaltet. Aber sehen Sie selbst.
  • Jingles sind fester Bestandteil einer gut angelegten Werbekampagne. Mit Unterstützung der Produzentenlegende Tommy Silk aus den achtziger Jahren kann man nun seinen eigenen Jingle in Miami-Vice-Ambiente erstellen.

Klar, dass es oft die Werbung ist, die sich Zeit für aufwendige Flash-Seiten nimmt: Solche Websites sind Projekte, die ein Drehbuch erfordern - nichts zum schnellen Veröffentlichen. Zeit nehmen sich aber auch andere, die etwas zu präsentieren haben: Künstler. Ihnen eröffnet Flash Möglichkeiten, die im Web anders kaum zu verwirklichen sind. Unsere Beispiele:

  • Beim Kunstprojekt "Protect7-7" des belgischen Fotografen Wim Tellier stehen 4500 Exponate zum Verkauf. Der Künstler war auf sechs Kontinenten unterwegs und fotografierte Kinder hinter Plexiglasscheiben, auf denen Zeichnungen der Kinder sind. Bei seinem Projekt geht es um die Individualität von Menschen und das kollektive Miteinander. Auch steht die schiere Machbarkeit des Projektes im Vordergrund, denn die fertige Installation wird auf dem siebten Kontinent gezeigt, der Antarktis - eine logistische Meisterleistung.
  • Skurrilität mit Stil: Der Bilder des Fotografen Lyndon Wades erzählen Geschichten. Welche, das liegt im Auge des Betrachters. Die Köder, die er auslegt, wirken humorvoll, können aber auch ins Verstörende abdriften.
  • Den niederländischen Designer Coen Grift kann man als Flash-Gott bezeichnen. Seine Seite "Bio Bak" gleicht einer kreativen Explosion, die man als Besucher erforschen soll. Auf der Suche nach einer Werkzeugkiste begibt man sich auf die vielleicht schrägste Seite des Internets.
  • Point and Click Adventures waren in den Neunzigern sehr beliebt und Titel wie "Monkey Island" zogen Millionen Spieler in ihren Bann. Der polnische Designer Grzegorz Kozakiewicz lässt das Genre wieder aufleben. Im Browser, mit viel Knete und Liebe zum Detail.
  • Interaktive Filme haben sich nie durchgesetzt. Philips Konsole CDi war ein Mekka für Freunde des interaktiven Films. Die Konsole floppte. Die Spielwiese des Mitmachfilms hat sich nun ins Internet verlagert. Viel Spaß beim Gruseln im Schocker "The Outbreak".

dsc

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