Ein Roman, der konsequent per Google Maps durch die Orte seiner Handlung führt, das ist neu und funktioniert nur im Internet. Erdacht und ausgeführt wurde das Projekt dann auch nicht vom Autor allein, sondern von einem Team aus Programmierer, Designer und Texter. Gemeinsam haben die drei Tüftler den Roman " Senghor on the Rocks" mit ortsbezogenen Daten versehen, diese in Google Maps eingebettet und das Ganze als Online-Roman auf einer Web-Seite veröffentlicht.
Das Resultat ist schön anzusehen - und das ist vielleicht auch der Haken an der Sache. Statt sich in den Text zu vertiefen, neigt man dazu, zunächst einmal Seite für Seite voranzuklicken. Das macht Spaß, weil der Cursor sich dabei wie von Geisterhand gezogen über die Karte bewegt, von Ort zu Ort wandert. Erst im zweiten Anlauf schafft man es, sich auch ein wenig mit dem Text zu befassen. Man will ja auch wissen, weshalb das Buch ausgerechnet am Place de l'Independance in Dakar beginnt.
Dann aber ist Disziplin notwendig, um wirklich weiterzulesen. Zu einen, weil man zwischendurch gerne mal in den eingeblendeten Google-Satellitenbildern herumstöbert, schaut, was es in der Umgebung der Handlung noch zu sehen gibt. Zum anderen, weil es nicht jedermanns Sache ist, ganze Bücher am Bildschirm zu konsumieren. Eine E-Book-Version, beispielsweise fürs iPhone, wäre da schon Alltagstauglicher.
Vorerst aber bleibt "Senghor on the Rocks" ein wunderschönes Experiment, das den Autoren zwar kein Geld einbringt, aber zeigt, welche Möglichkeiten Schriftsteller heute haben, ihre Texte mit Web-2.0-Mitteln in moderne "Mash-ups" zu verwandeln. Fehlt eigentlich nur noch ein passendes Lesegerät - mit Farbbildschirm und W-Lan bitteschön.
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