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30.11.2008
 

Spenden-Communitys

Helfer weben das Weltretter-Web

Von Lu Yen Roloff

2. Teil: Die Zukunft der Weltretterportale

Für die neuen Bedürfnisse der Spender sprechen auch die steigenden Nutzerzahlen der Seiten. Nach nur einem Jahr Laufzeit haben sich bei "Betterplace" inzwischen rund 5000 Nutzer registriert, allein 1000 davon im letzten Monat. Insgesamt kamen bereits 250.000 Euro Spendengelder zusammen - im Schnitt spendeten die Nutzer 60 Euro. Es könnte der Anfang eines Wandels der deutschen Spenderszene sein: Schließlich geben die Deutschen laut Statistischem Bundesamt jedes Jahr rund vier Milliarden Euro für Spenden aus.

Auch Reset.to finanziert sich bislang über Spenden. Portale wie "Fairdo" oder "Weltretter" laufen dagegen über das Ehrenamt ihrer Helfer. "Betterplace" möchte sich über eine angegliederte Unternehmensberatung für Sozialsponsoring finanzieren - und auch "Netzwirken"-Gründer Jochen Holtrup setzt seine langjährigen Erfahrungen als Hotelmanager und Werber ein, um aus seiner Mission einen bezahlten Job zu machen. Ganz dem Zeitgeist entsprechend, agiert er als "sozialer Unternehmer" auch in eigener Sache.

Vorbilder aus den USA und England zeigen, dass die Weltretter-Communitys zumindest als Geschäftsmodell Erfolg haben können: Die größte soziale Plattform für Engagierte in den USA bindet inzwischen fast zehn Millionen Nutzer an sich. Sie erlauben es der Seite, sich über Werbung zu finanzieren. Eine andere Geldquelle für hiesige Portale könnten Firmen sein, die ihr Image aufpolieren wollen.

"Web 2.0 gibt den Menschen eine Stimme"

Momentan machten sich die Weltretter im Netz aber gegenseitig Konkurrenz, warnt Markus Beckedahl, Autor des Blogs "Netzpolitik". Er erwartet, dass nur die besten Weltretter-Communitys überleben. Tatsächlich fand schon die erste Fusion statt: Das Verzeichnis gemeinnütziger Organisationen, Helpedia, schloss sich jüngst mit dem Charity-Portal Elargio zusammen.

Doch noch stehen viele der Communitys ganz am Anfang. Ihr erstes Ziel sind möglichst viele Nutzer. Wenn eine kritische Masse erreicht wird, lassen sich in den flachen Hierarchien solcher Netzwerke nicht nur Gelder organisieren, sondern auch politische Kampagnen. Beispiel US-Wahlkampf: Über die Webseite my.barackobama konnten Obama-Anhänger Gleichgesinnte im eigenen Postleitzahl-Bereich suchen und sich mit ihnen zu Spendenpartys und Kampagnenarbeit verabreden - Obama wurde zum Präsidenten gewählt.

"Die Kampagne hat es geschafft, durch Umgehung der traditionellen Massenmedien direkt mit den Menschen in Kontakt zu kommen und sie zu mobilisieren. Das ist auch eine große Chance für Nonprofit-Organisationen in Deutschland", sagt Netzpolitik-Experte Beckedahl.

So könnten die Weltretter-Communitys auch einen Schub für die Zivilgesellschaft bringen: Die ist in Deutschland traditionell über Mitgliedschaften in Vereinen, Stiftungen und großen Organisationen wie Greenpeace organisiert.

Die Weltretter-Portale sprechen dagegen eher Individuen an: Junge Menschen, die schnell etwas Konkretes tun und direkt Ergebnisse sehen wollen. "Niemand wacht morgens auf und denkt: Heute will ich etwas Gutes tun", sagt "Betterplace"-Gründungsmitglied Joana Breidenbach: "Da muss ein gewisser Spaßfaktor dazukommen und etwas Motivierendes. Das ist total wichtig."

Zum Beispiel, indem die sozialen Dynamiken des Netzes genutzt werden: Wenn Menschen ihre Freunde als Helfer rekrutieren und selbst zum Botschafter eines Projekts werden. Oder ein bisschen ihrer Eitelkeit freien Lauf lassen, wenn sie sich mit "ihren" Spendenprojekten für alle sichtbar im Netz präsentieren. Aber wer will das schon kritisieren? Es ist ja schließlich für einen guten Zweck.

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