Daland Segler, 58, hat Germanistik und Anglistik studiert, bis zum zweiten Staatsexamen. Seit nunmehr 22 Jahren arbeitet er bei der "Frankfurter Rundschau". Und jetzt reicht es ihm.
Am Internet, findet Segler, geht der Journalismus zugrunde. Wegen der üblichen Verdächtigen: Blogger (Dilettantismus!), Bürgerjournalisten (Leserreporter!), Zeitdruck (Fehler!). Und Geldmangel natürlich. Man müsse sich nur mal die "Menge der Fehler" ansehen, die es auf einer Web-Seite gebe, "die als Vorbild für ein journalistisches Web-Portal gilt: Spiegel Online". "Natürlich" sei das "nicht bloß auf schlecht ausgebildete Schreiber zurückzuführen, sondern hat auch mit dem Zeitdruck des Mediums zu tun".
Segler hat recht: Es gibt in Online-Medien immer noch viel zu viele Tippfehler, und manchmal auch inhaltliche. Auch bei SPIEGEL ONLINE. Das Gute am Internet ist: Man kann sie korrigieren. Gute Online-Journalisten machen das auch. In deutschen Zeitungen dagegen sind solche Korrekturen immer noch die Ausnahme. Die "Frankfurter Rundschau" gehört zu den Ausnahmen - sie hat eine Rubrik namens "Sorry" (auf der Leserbriefseite, gleich hinter dem Sport, links unten).
Tatsächlich ist der Zeitdruck oft groß, unter dem in Online-Medien gearbeitet wird. Deshalb wird von guten Online-Journalisten enorme Leistungsfähigkeit verlangt, großes Talent - und eine hervorragende Ausbildung. In der Regel mehr als ein Studium.
Es ist in der Tat traurig, was in der deutschen Medienlandschaft derzeit passiert: Redakteure werden entlassen, Magazine eingestellt, Redaktionen zusammengelegt. Und es ist in der Tat ein Problem, dass für Werbung im Web verglichen mit Werbung auf bedrucktem Papier vielfach immer noch viel zu wenig bezahlt wird. Das muss sich ändern. Ob aber ausgerechnet Kollegenschelte und Publikumsbeschimpfung den Weg aus der Krise weisen?
Dass man auch ohne Zeitdruck Fehler machen und Stilblüten niederschreiben kann, zeigt der Printjournalist Segler selbst sehr anschaulich: In seinem Text erfindet er einen Superlativ des nicht steigerbaren Adjektivs "öffentlich", in einem einzigen Absatz macht er zwei Kommafehler. Er geißelt die "Faktenhuberei" des Internets mit dem Satz: "Wer zum Beispiel von den Gräueln im Kongo nur Zahlen, Daten und Namen zur Kenntnis nimmt, der weiß gar nichts, weil er etwa die Geschichte des Völkermords zwischen den Stämmen der Hutu und Tutsi in Uganda vor Jahrzehnten fehlen." Und er kritisiert Internet-Nutzer, die tatsächlich auch selbst veröffentlichen wollen, mit den Worten: "So hätte sich Karl Marx sein Ideal vom sich als Jäger, Fischer & Sammler selbst verwirklichenden Menschen kaum träumen lassen."
Der klügste Satz in dem langen Text mit der nicht ironisch gemeinten Überschrift "Auf zu neuen Höhen" ist ein Zitat von Rupert Murdoch, das für Journalisten aus allen Medien, ob digital oder analog, gilt: "Unser wirkliches Geschäft ist nicht das Bedrucken toter Bäume, sondern großartiger Journalismus und großartige Urteilskraft."
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