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09.12.2008
 

Datendiebstahl

So tickt der Schwarzmarkt

Von Frank Patalong

Der illegale Handel mit Daten blüht, seine Umsätze liegen im Milliardenbereich. Die Web-Mafia offeriert Kreditkartendaten und mehr im Sonderangebot. Ein echtes Gegenmittel gibt es nicht - aber man kann es unwahrscheinlicher machen, zum Opfer zu werden.

Es ist alles ganz einfach. Das gefällig gestaltete Bestellformular muss nur ausgefüllt werden. Aktuell im Angebot: Kontozugänge inklusive aller nötigen Login-Daten. Privatkonten kosten 100 Dollar, sind aber auch schnell leergeräumt. Firmenkonten sind zum Schnäppchenpreis von 200 Dollar zu haben. Wer dagegen nur nach passenden Sicherheits-Codes für einen bereits vorliegenden Stapel geklauter Kreditkarten sucht, ist schon mit drei Dollar pro Karte dabei.

Als besonderer Service steht noch eine feste VPN-Verbindung für 50 Dollar im Jahr bereit, mit der man bei diversen Abzocken und Betrügereien bequem seine Internet-Adresse verschleiern kann. Zu zahlen sind diese komfortablen Dienste natürlich nicht per Banküberweisung - der vertraut der Anbieter aus irgendwelchen Gründen nicht. Stattdessen läuft das Geschäft über einen der etablierten, bargeldkontobasierten Internet-Zahldienste in Übersee ab. Man füttert sein Konto und lässt daraus abbuchen. Die Gefahr, bei all dem erwischt zu werden, ist dann nur noch gering.

Damit sind die Eckpunkte des Handels mit gestohlenen Kreditkartendaten und Bankverbindungen beschrieben. Der Kontakt zwischen den auf so verschiedene Dinge spezialisierten Betrügern kommt über das Web zustande. Wer weiß, nach was er suchen muss, wird binnen Minuten fündig. Datensammlungen und Kontozugänge sind keine Mangelware.

Die deutschen Skandale: Outing einer Branche

Das ist die verschärfte Variante der Datenbetrügereien, die in Deutschland in diesem Jahr gleich für mehrere Skandale sorgten. Wenn sich die Telekom 17 Millionen Datensätze stehlen lässt, wenn wie aktuell der "Wirtschaftswoche" 21 Millionen Datensätze deutscher Bürger angeboten werden, dann sind das zurecht Aufreger. Unaufgeregt könnte man aber auch sagen: Hier wird nur öffentlich, was seit Jahren läuft.

Denn Daten- und Adresssammlungen sind ein Milliardengeschäft mit einer illegalen, aber auch einer legalen Seite. Die Grenze verschwimmt, wenn legal erhobene Daten missbraucht werden. Viele davon sind ihr Geld wert, weil sie den Bürger nackt dastehen, sich für diverse Geschäfte missbrauchen lassen.

Was man tun sollte, um nicht in jeder Datensammlung dabeizusein:

  • Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz empfiehlt Datensparsamkeit. Einfach nicht überall Angaben machen, wo man gefragt wird.
  • Vorsicht bei Gewinnspielen, besonders im Internet. Angaben stets auf das absolut Notwendige beschränken. Das Telefon gehört eigentlich nie dazu.
  • Vorsicht bei Rabattkarten und ähnlichem.
  • Verträge aufmerksam lesen. Datenweitergabe, werbliche Verwendung und jede Speicherung, die über den Zweck des aktuellen Handels hinausgeht untersagen.
  • Passagen in Verträgen, die bedenklich erscheinen, einfach streichen.
  • Einzugsermächtigungen nur an bekannte, vertrauenswürdige Partner. Keine pauschale Abbuchungserlaubnis ausstellen.
  • Immer, wenn das möglich ist, bestellte Waren per Rechnung oder Nachnahme bestellen.

Völlige Sicherheit schafft auch das nicht: Dazu müsste man zum Handschlaghandel mit Tauschgeschäft und Barzahlung zurückgehen. Aber es schränkt den Eifer der legal operierenden Sammler ein. Problematischer wird es, wenn es um Hacks und illegale Abzocke geht.

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