Von Felix Knoke
Joost, einst von den Skype- und Kazaa-Gründern als revolutionäre Fernseh-Alternative gedacht, gibt alle Einzigartigkeit auf: Ab Freitag, 19. Dezember, funktioniert die Joost-Software nicht mehr, das bisschen Web-Fernsehen gibt's fürderhin über die Website Joost.com. Joost ist damit ab sofort nicht mehr als ein YouTube-Konkurrent.
Joost sollte das Web-Fernsehen revolutionieren, indem die Zuschauer über Filesharing-Technik miteinander vernetzt werden. Die Zuschauer sollten einen Teil der Bandbreitenlast übernehmen. Aber Joost machte die Revolution ohne seine Zuschauer: Die liefen stattdessen in Scharen zu Flash-Video-Sites wie YouTube, MyVideo und in den USA zuletzt auch Hulu.com.
Ein Sieg der Bequemlichkeit über die Qualität: YouTube-Videos können in Blogs und auf Webseiten verlinkt und eingebettet werden. Mit Joost ging das nicht, die Software war eine Art TV-Apparat mit geschlossenem Programm auf dem Desktop. Das war wohl der Untergang – den die Joost-Macher verhindern wollten, indem sie im September eine Flash-Alternative anboten, in der Hoffnung, noch immer einen Teil der nötigen Bandbreite über die P2P-Anwendung an die Nutzer abtreten zu können. Auch dieser Plan scheiterte.
Techcrunch.com fragt sich nun, wie's weitergeht mit Joost. Ohne radikal neue Idee, so das Tech-Blog, sieht's wohl düster aus für die junge Firma. Zumal Joost mangels Lizenzen noch ein ganz anderes kleines Problem hat: Einen merklichen Mangel an Inhalten. Denn auch so lässt sich der Flop der proprietären Software deuten. Das Angebot scheiterte auch daran, dass nicht genügend Sender und TV-Lizenzhalter ihre Inhalte für den Vertrieb via Joost freigaben.
Firefox patcht auch mal wieder
Internet-Browser bekamen in den vergangenen Tagen reichlich schlechte Presse: Microsoft und Mozilla nahmen das wohl zum Anlass, noch schnell vor Weihnachten ein paar Sicherheitslücken im Internet Explorer und in Firefox zu schließen. Die Firefox-Entwickler gingen "kritische Sicherheitslücken" in Firefox Version 2 und 3 an.
Mozilla schließt acht Lücken in der Version 3.0.5, stabilisiert den Browser, verbessert die Barrierefreiheit und übersetzt ihn in die Sprachen Bengalisch, Esperanto, Galizisch, Hindi und Lettisch.
Firefox 2.0.0.10 behebt zehn Bugs, von denen vier als kritisch eingestuft wurden. Viel wichtiger ist aber der Hinweis, dass Mozilla die Unterstützung für die Version 2 des Firefox einstellt, auch der Phishing-Schutz funktioniert fürderhin nicht mehr. Sprich: Firefox-2-Nutzer sollen zum Umsatteln genötigt werden. Das dürfte leicht fallen: Mit Firefox 3 surft es sich deutlich besser als mit No. 2.
Frankreich verbietet iPhone-Exklusivdeal
Die französischen Wettbewerbshüter, berichtet die ORF Futurezone, haben dem Mobilfunkbetreiber Orange das alleinige Vertriebsrecht für Apples iPhone entzogen. Grund: In der Mobilfunkbranche herrsche zu wenig Wettbewerb. Gegen den bisherigen Apple-Exklusivpartner Orange legte Mobilfunker Bouygues Telecom Beschwerde ein, jetzt hofft das Unternehmen, noch vor Weihnachten das iPhone anbieten zu können.
Gegen das Urteil der Wettbewerbshüter will Orange nun Einspruch erheben. Die Entscheidung der Behörden würde dazu führen, dass die Bedingungen in Frankreich "radikal anders" würden als in den USA, Großbritannien oder Deutschland. Orange hat bisher nach eigenen Angaben 150.000 iPhones der ersten Generation und 450.000 iPhones 3G absetzen können.
Computerhersteller in China: Die dunkle Seite des Cyberspace
Unter welchen Bedingungen wird eigentlich unser Hightech-Paradies ermöglicht? Zwei Nicht-Regierungsorganisationen lenken den Blick auf die teils unmenschlichen Produktionsbedingungen, unter denen Teile vieler Computer von Zulieferern und Subunternehmern in China hergestellt werden.
Golem.de: Für eine Studie befragten die Hongkonger Menschenrechtsgruppe Students and Scholars Against Corporate Misbehavior (Sacom) und die deutsche Organisation Weed (Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung) chinesische Arbeiter von Zulieferern von Markenherstellern wie Dell, Lenovo, Fujitsu Siemens. Das Ergebnis: Arbeitsrechte werden massiv verletzt.
Arbeiter einer bestimmten Fabrik mussten sieben Tage in der Woche bis zu zehn Stunden lang arbeiten, Arbeitsverträge wurden nicht ausgehändigt, Pausenzeiten gab es kaum. Arbeiterinnen berichteten davon, bei der Arbeit vor Erschöpfung eingeschlafen zu sein, was drastische Strafen nach sich zog, es wurde zu wenig Lohn gezahlt. Darüber hinaus waren Arbeiter laut der Studie großen Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Sie litten unter Augenproblemen, kamen mit gefährlichen Chemikalien in Berührung.
Die NGOs fordern als Konsequenz aus der Studie, dass die Markencomputerhersteller die Zulieferer strenger kontrollieren.
Öko-Schrifttype spart Druckertinte
Sie gilt als eine der teuersten Flüssigkeiten der Erde: Druckertinte. Ein Liter davon kostet schnell ein paar tausend Euro. Die holländische Marketing-Firma Spranq nahm das zum Anlass, einmal über Tintensparen im Büro nachzudenken. Das Ergebnis des Brainstormings: Eine Schrifttype mit Löchern "wie im holländischen Käse." Die Schrift basiert auf einer herkömmlichen Sans-Serif-Schriftart, spart aber bis zu 20 Prozent Tinte. Die Löcherschrift gibt's umsonst auf der Website der Erfinder.
Als Sans-Serif-Schriftart bezeichnet man solche, die auf feine, zierende Linien an den Enden von Buchstaben verzichten. Zu den bekanntesten serifenlosen Schriften gehören die Arial, die Helvetica oder die Verdana (die Schriftart, die Sie bei SPIEGEL ONLINE sehen). Bei den Serifen-Schriften sind die Times New Roman, die Courier oder die Book Antiqua besonders bekannt. Serifenschriften werden im Druckgewerbe, vor allem beim Buchdruck, bevorzugt. Man geht davon aus, dass sie die Lesbarkeit eng bedruckter Seiten dadurch erhöhen, dass sie durch ihre feinen Querlinien quasi eine virtuelle Zeilenlinie schaffen. Viele Leser nehmen solche Druckbilder als "ruhiger" war. In vergleichenden Tests werden eng bedruckte Sans-Serif-Seiten dagegen mitunter als "flirrend" beschrieben. (pat)
Zzz-Mail: Schlafende Frau verschickt E-Mail
Wissenschaftler der University of Toledo berichten im Medizinjournal "Sleep Medicine" von einem neuen Schlafproblem, dem Zzz-Mail-Syndrom. Laut "Daily Telegraph" habe eine Frau mitten in der Nacht drei E-Mails an Bekannte verschickt: Mit eigenartiger Groß- und Kleinschreibung, schlechter Formatierung und in seltsamer Sprache. Also eigentlich ganz normal.
In einer Nachricht hieß es: "Come tomorrow and sort this hell hole out. Dinner and drinks, 4.pm. Bring wine and caviar only." In einer anderen Nachricht stand einzig: "What the......."
Die Forscher gehen davon aus, dass die Frau diese Nachrichten im Schlaf verschickte, gaben dieser neuen Form von Schlafwandeln den Namen "zzz-mailing".
Bedenklich daran ist, dass die Frau im Schlaf offensichtlich auch ihre Passwörter richtig eingab. Ist man nun also nicht mal mehr im Schlaf vor sich selbst sicher? Eine Antwort hat Google. Die implementierten kürzlich für ihren E-Mail-Dienst Google Mail eine Durchgangssperre für Betrunkene: Wer Angst hat, im betüdelten Zustand seinem Exexex-Freund die wohl nie verebbende Liebe zu erklären, den bremsen die Google-Mail-Goggles aus. Vor dem Mail-Versand gilt es, eine Kopfrechenaufgabe zu lösen. Für Schnarch-Mailer wäre dann nur zu hoffen, dass sie Kopfrechnen nicht auch im Schlaf können.
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