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29.12.2008
 

Netzwelt-Ticker

Nintendo will Fernsehsender werden

Von Richard Meusers

Nintendo will mit eigenen Video-Inhalten seine Spielkonsole Wii aufhübschen, in Großbritannien sollen schon Vierjährige videoüberwacht werden, vom Netbook-Namensstreit sind Blogger nicht betroffen. Das und mehr im Überblick.

Der japanische Spielehersteller Nintendo will das Angebot seiner erfolgreichen Wii-Konsole erweitern und dort auch Videos anbieten.

Nintendo Wii: Der Controller sieht ja ohnehin schon aus wie eine Fernbedienung
DPA

Nintendo Wii: Der Controller sieht ja ohnehin schon aus wie eine Fernbedienung

Allerdings kupfern die Japaner nicht einfach von der Konkurrenz Xbox Live und Playstation Network ab, indem sie etwa Fernsehserien und Kinofilme aufs Spielgerät bringen. Man legt Wert auf selbst produzierte Inhalte, womit in Japan die sehr populären Zeichentrickfilme gemeint sein könnten.

Die Wii bietet keine HD-Auflösung, sondern ist auf die normale TV-Auflösung begrenzt. Nintendos Kooperationspartner, die Werbeagentur Dentsu, kündigte den Start des Programms für das neue Jahr an, fürs erste in Japan, weitere Märkte könnten folgen. Ein genauer Zeitpunkt für den Schritt ins Auslandsgeschäft stehe aber noch nicht fest.

Der On-Demand-Sevice werde dabei ein Mischangebot aus werbefinanzierten Gratis-Clips und Bezahlfilmen enthalten, so ein Unternehmenssprecher.

Spielkonsolen: Die aktuelle Generation

Wii

AP
Der kleine Konkurrent kann im Gegensatz zu den Konsolen der Rivalen keine hochauflösende Grafik bieten, sondern liefert herkömmliche Fernsehauflösung. Trotzdem ist das Gerät so beliebt, dass der Hersteller bisher keine Preissenkung angekündigt hat. In den USA überholte die Wii im Juli 2008 Microsofts Xbox 360, was die Verkaufszahlen angeht. Die Konsole zeichnet sich durch einen bewegungssensitiven Controller und bewegungsorientierte Zusatzgeräte wie das "Balance Board" aus. Mit simplen Sport- und Spaß-Spielen hat sie für die Branche neue Zielgruppen erobert. 2009 führte Nintendo eine Erweiterung für den Controller namens Wii Motion Plus ein, die Bewegungen der Spieler noch präziser erfassen helfen soll. Einen ausführlichen Wii-Test finden Sie hier .

Playstation 3 und 2

Xbox 360

Sony PSP

Nintendo DS

Großbritannien: Videoüberwachung im Klassenzimmer

Dass die Briten ein ziemlich unbefangenes Verhältnis selbst zu weitreichenden Überwachungsmaßnahmen haben, wird schon durch die mehr als vier Millionen im Lande installierten Überwachungskameras deutlich. Doch was die "Daily Mail" jetzt berichtete, bringt selbst besonnene Briten in Wallung: An 85 Schulen werden bereits die Kinder in ihren Klassenräumen überwacht. Die verwendeten Kameras sind dabei auch mit Mikrofonen ausgestattet. So kann ungebührliches Benehmen der Schüler lückenlos aufgezeichnet werden, kaum dass der Lehrer seiner Klasse den Rücken zuwendet. Und es sind beileibe nicht nur weiterführende Schulen betroffen, deren Schüler rein altersmäßig zu potentiellen Gefahrquellen werden können.

Selbst Vor- beziehungsweise Grundschulen setzen die Kameras ein, die überwachten Kinder sind also vier oder fünf Jahre alt. Alles nur zum Besten der lieben Kleinen, argumentiert der Hersteller Classwatch. So könne Mobbing durch Mitschüler ebenso verhindert werden wie unberechtigte Vorwürfe gegenüber Lehrern. Inzwischen beschäftigt sich die britische Datenschutzbehörde mit dem Thema, ein Sprecher erklärte, das System führe zu erheblicher "Sorge um die Privatsphäre von Lehrern, Schülern und deren Eltern". Die Verwendung von Mikrofonen und die Speicherung des Überwachungsmaterials sei ein sehr aggressives Vorgehen. Möglicherweise werde die Behörde nach entsprechenden Untersuchungen neue Richtlinien für den Gebrauch erlassen.

Pikant ist nicht zuletzt, dass laut "Daily Mail" der Vorstandsvorsitzende von Classwatch ein konservativer Politiker namens Tim Loughton ist - der Schattenminister der Tories für die Belange von Kindern und Jugendlichen.

Windows 7 Beta 1 auf Bittorrent aufgetaucht

Erst hieß es, das neueste Betriebssystem "Windows 7" aus dem Hause Microsoft werde Mitte Januar in einer ersten Vorabveröffentlichung zu haben sein, nun gibt's noch im alten Jahr Bescherung. In der Tauschbörse Bittorrent ist der Vista-Nachfolger in der ersten Beta-Version aufgetaucht. Dabei handelt es sich allem Anschein nach um das Build 7000, das zeitlich auf den 1. Juli 2009 begrenzt ist. Ersten Testberichten zufolge soll die vorliegende Beta ziemlich fehlerfrei, recht stabil und insgesamt von "hervorragender Qualität" sein. Der 2,44 Gigabyte schwere Download ist seit Freitag im Umlauf, womöglich liegt die ursprüngliche Quelle in China.

Netbook-Markenrechtsstreit: Blogger und Journalisten nicht betroffen

Da werden sich die Netbook-Hersteller nicht wenig erschreckt haben, als die britische Firma Psion mit der Nachricht an die Öffentlichkeit trat, man habe den Begriff "Netbook" bereits 1999 als Warenzeichen geschützt. Die Manager von Asus und Co. sahen bereits teure Lizenzverfahren auf sich zukommen. Nicht zu Unrecht, wie jetzt eine Erklärung von Psion deutlich macht.

Als Antwort auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE verweist Psion-Anwalt Peter Langley auf eine E-Mail, die er dem Blog jkontherun.com geschickt hat. Darin versucht Langley, Befürchtungen zu zerstreuen, Psion werde Medien und Blogger nun mit Abmahnungen überziehen, weil sie das umstrittene Wort benutzt hätten.

Entsprechende Unterlassungsschreiben seien lediglich an jene gegangen, "die mit der Nutzung der 'Netbook'-Schutzmarke einen direkten Gewinn erzielen". Also vor allem Hersteller und Händler, die den Begriff verwenden, außerdem noch an einige Webseitenbetreiber, die Werbebanner für Netbooks schalten würden.

Warum Psion gerade gegen Jahresende in der Weihnachtszeit seine Markenrechte geltend macht? Rolf Claessen, Patentanwalt bei der Kölner Kanzlei von Kreisler Selting Werner macht auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE auf ein interessantes Detail aufmerksam: Markenrechte können verfallen. Dafür muss ein gesonderter Antrag gestellt werden. Claessen: "So ein Antrag hat immer dann Erfolg, wenn einer der Verfallsgründe gegeben ist. Einer der Verfallsgründe ist die Nichtbenutzung innerhalb der letzten fünf Jahre (Stichtag Antragstellung)."

Claessen zufolge habe Psion zuletzt im Oktober 2003 ein Produkt namens Netbook Pro auf den Markt gebracht. Die Einschätzung des Patentsanwalts: "Man müsste nun herausfinden, inwiefern mit diesem Produkt nennenswerte Umsätze erzielt wurden und dieses Produkt auch innerhalb der letzten fünf Jahre beworben wurde."

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