Netzwelt-Ticker
Nintendo will Fernsehsender werden
Von Richard Meusers
Nintendo will mit eigenen Video-Inhalten seine Spielkonsole Wii aufhübschen, in Großbritannien sollen schon Vierjährige videoüberwacht werden, vom Netbook-Namensstreit sind Blogger nicht betroffen. Das und mehr im Überblick.
Der japanische Spielehersteller Nintendo will das Angebot seiner erfolgreichen Wii-Konsole erweitern und dort auch Videos anbieten.
DPA
Nintendo Wii: Der Controller sieht ja ohnehin schon aus wie eine Fernbedienung
Allerdings kupfern die Japaner nicht einfach von der Konkurrenz Xbox Live und Playstation Network ab, indem sie etwa Fernsehserien und Kinofilme aufs Spielgerät bringen. Man legt Wert auf selbst produzierte Inhalte, womit in Japan die sehr populären Zeichentrickfilme gemeint sein könnten.
Die Wii bietet keine HD-Auflösung, sondern ist auf die normale TV-Auflösung begrenzt. Nintendos Kooperationspartner, die Werbeagentur Dentsu, kündigte den
Start des Programms für das neue Jahr an, fürs erste in Japan, weitere Märkte könnten folgen. Ein genauer Zeitpunkt für den Schritt ins Auslandsgeschäft stehe aber noch nicht fest.
Der On-Demand-Sevice werde dabei ein Mischangebot aus werbefinanzierten Gratis-Clips und Bezahlfilmen enthalten, so ein Unternehmenssprecher.
Spielkonsolen: Die aktuelle Generation
Der kleine Konkurrent kann im Gegensatz zu den Konsolen der Rivalen keine hochauflösende Grafik bieten, sondern liefert herkömmliche Fernsehauflösung. Trotzdem ist das Gerät so beliebt, dass der Hersteller bisher keine Preissenkung angekündigt hat. In den USA überholte die Wii im Juli 2008 Microsofts Xbox 360, was die Verkaufszahlen angeht. Die Konsole zeichnet sich durch einen bewegungssensitiven Controller und bewegungsorientierte Zusatzgeräte wie das
"Balance Board" aus. Mit simplen Sport- und Spaß-Spielen hat sie für die Branche neue Zielgruppen erobert. 2009 führte Nintendo eine Erweiterung für den Controller namens Wii Motion Plus ein, die Bewegungen der Spieler noch präziser erfassen helfen soll. Einen ausführlichen
Wii-Test finden Sie hier
.
Der direkte Konkurrent von Microsofts Xbox 360 - die beiden Konsolen konkurrieren um die Hardcore-Gamer, die auch bereit sind, für hochauflösende Spielgrafik einen entsprechenden Fernseher zu kaufen. Im März 2007 kam die Konsole in Europa auf den Markt. Im Juli 2008 gab es sie entweder mit 40- oder mit 60-GB-Festplatte - im August 2009 wurde die PS3 slim vorgestellt, mit 120-GB-Festplatte und für einen niedrigeren Preis als das Vorgängermodell. Damit ist sie immer noch die teuerste unter den aktuellen Modellen. Die PS3 gibt ein hochauflösendes Videosignal über einen HDMI-Ausgang aus. Als einzige, momentan erhältliche Spielkonsole enthält sie ein Blu-ray-Laufwerk, mit dem sich auch hochauflösende Blu-ray-Discs abspielen lassen. Einen ausführlichen
Test des ersten PS3-Modells finden Sie hier.
Im September 2010 kam in Deutschland die Erweiterung Playstation Move auf den Markt. Das Bewegungssteuerungs-System basiert auf der Konsolenkamera Playstation Eye und Controllern, die leuchtende Kugeln an der Spitze tragen. Die Kamera verfolgt die Bewegungen dieser Kugeln, gleichzeitig sorgen Lage- und Bewegungssensoren für ein noch genaueres Bewegungs-Abbild. Ein sogenanntes Starter-Pack enthält die Kamera und einen Move-Controller, es kostete im Herbst 2010 etwa 80 Euro. Weitere Controller sowie die mit einem Joystick ausgestatteten "Navigation Controller" müssen jeweils extra gekauft werden. Eine Ausrüstung für vier Spieler kann schnell so viel kosten wie eine ganze Konsole. Es sind jedoch auch im Preis reduzierte Bündel-Angebote erhältlich.
Sony hat als einziges der großen Unternehmen noch eine zweite Wohnzimmer-Konsole im Rennen: Die Playstation 2 verkauft sich noch immer, und es geht auch nach wie vor eine Menge Software für das Gerät weg, das in seiner Ur-Version im Jahr 2000 auf den Markt kam. In erster Linie verkaufen sich für das inzwischen geschrumpfte Gerät Partyspiele wie "SingStar" und das Quiz-Spiel "Buzz".
Microsofts High-Definition-Konsole ist von den drei aktuellen Konkurrenten am längsten auf dem Markt, nämlich seit Ende 2005. Microsoft schraubte seitdem mehrmals an Preis und Ausstattungsmerkmalen. Die 360 hat ein normales DVD-Laufwerk.
Die aktuellen Modelle geben HD-Bilder über einen HDMI-Ausgang aus.
Im Juni 2010 stellte Microsoft eine neue, kleinere, nun durchgägnig schwarze Xbox 360 vor, die serienmäßig mit einem HDMI-Ausgang und einem Wifi-Modul für drahtlosen Netzzugang ausgestattet ist. Das Gerät soll zudem deutlich leiser sein als die vorangegangenen Modelle. Sie kostete in Deutschland zunächst gut 300 Euro. Eine preiswertere Version mit nur vier Gigabyte Flashspeicher, aber ohne Festplatte kostete im Herbst 2010 etwa 180 Euro.
Einen ausführlichen
Test der ursprünglichen Xbox 360 finden Sie hier.
Im November 2010 kam Micorosofts Bewegungssteuerungs-System Kinect auf den Markt. Es funktioniert ohne physische Controller, erfasst werden die Bewegungen der Spieler von zwei Kameras. Zudem sind in die balkenförmige Kinect-Erweiterung Mikrofone eingebaut. Das System erfasst Bewegungen des ganzen Körpers und kann außerdem auf gesprochene Anweisungen reagieren. Mit Kinect lassen sich nicht nur Spiele steuern, sondern auch die Benutzeroberfläche der Konsole bedienen, Filme starten, pausieren und stoppen und Videochats führen. Kinect kostete bei der Einführung etwa 150 Euro, inklusive eines Spiels. Diverse Bündel-Angebote mit samt einer Konsole sind ebenfalls erhältlich.
Die Playstation Portable, auf dem Markt seit 2005, ist Sonys erster Versuch, von dem traditionell von Nintendo ("Gameboy") beherrschten Markt für mobile Spielgeräte ein Stückchen abzuzwacken. Seit 2007 gibt es eine etwas dünnere Version namens Slim and Lite. Die Mobilkonsole kann nicht nur Spiele darstellen, sondern auch Filme und Musik abspielen. Außerdem lässt sie sich per W-Lan mit dem Internet verbinden. Filmdownloads und andere Inhalte können von der PS3 auf die PSP verschoben werden, außerdem kann die Mobilkonsole über einen Internetzugang als eine Art Fernbedienung für die PS3 benutzt werden. Die PSP ist auf dem Markt für mobile Spielgeräte Zweiter hinter Nintendos DS. Im Juni 2009 wurde das neue Modell PSP go vorgestellt, das ein herausschiebbares Unterteil mit den Bedienelementen darauf aufweist und deshalb deutlich kleiner ist, dafür aber kein Laufwerk mehr für Sonys UMD-Disk-Format hat. Spiele, Bilder, Filme und Musik sollen darauf direkt heruntergeladen werden. Die 2008 eingeführte PSP 3000 mit UMD-Laufwerk soll aber weiterhin produziert werden.
Einen ausführlichen
Test der ursprünglichen PSP finden Sie hier
.
Der Nintendo DS ist seit 2005 in einer ersten Version auf dem Markt, seit 2006 in einer schlankeren Ausgabe namens DS Lite (abgebildet). DS steht für "dual screen". Die Konsole hat einen normalen und in der unteren Hälfte einen Touch-Screen. Spiele werden über Tasten oder aber einen Stylus, mit dem der Touchscreen bearbeitet wird, gespielt. Der DS lässt sich wie die PSP über W-Lan mit dem Internet verbinden, auch Online-Spiele und Spielereien wie Bilder-Chat sind so möglich. Mit Spielen wie
"Nintendogs" und
"Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging" erschloss der DS neue Zielgruppen für Mobilkonsolen. Der DS ist das derzeit meistverkaufte mobile Spielgerät. Seit der Markteinführung wurden der kleinere DS Lite und zuletzt, Ende 2008 bzw. Anfang 2009 der DSi nachgeschoben. Letzterer weist als Neuerung unter anderem zwei etwas größere Bildschirme und zwei VGA-Kameras auf (eine auf der Bildschirm-Seite, eine auf der Gehäuse-Außenseite). Einen Testbericht über die erste Version des Nintendo DS
finden Sie hier
, einen Bericht über den aktuellen DSi
finden Sie hier
. Seit März 2010 gibt es den DSi XL, der einen größeren Bildschirm (4,2 Zoll) verfügt.
Bei der Electronic Entertainment Expo im Juni 2010 in Los Angeles stellte Nintendo ein neues Gerät namens 3DS vor, das dreidimensionale Darstellungen auf einem der beiden Bildschirme erlaubt, ohne eine Spezialbrille erforderlich zu machen. Preis und Erscheinungstermin wurden zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht genannt.
Großbritannien: Videoüberwachung im Klassenzimmer
Dass die Briten ein ziemlich unbefangenes Verhältnis selbst zu weitreichenden Überwachungsmaßnahmen haben, wird schon durch die mehr als vier Millionen im Lande installierten Überwachungskameras deutlich. Doch was die "Daily Mail" jetzt berichtete, bringt selbst besonnene Briten in Wallung: An 85 Schulen werden bereits die
Kinder in ihren Klassenräumen überwacht. Die verwendeten Kameras sind dabei auch mit Mikrofonen ausgestattet. So kann ungebührliches Benehmen der Schüler lückenlos aufgezeichnet werden, kaum dass der Lehrer seiner Klasse den Rücken zuwendet. Und es sind beileibe nicht nur weiterführende Schulen betroffen, deren Schüler rein altersmäßig zu potentiellen Gefahrquellen werden können.
Selbst Vor- beziehungsweise Grundschulen setzen die Kameras ein, die überwachten Kinder sind also vier oder fünf Jahre alt. Alles nur zum Besten der lieben Kleinen, argumentiert der Hersteller Classwatch. So könne Mobbing durch Mitschüler ebenso verhindert werden wie unberechtigte Vorwürfe gegenüber Lehrern. Inzwischen beschäftigt sich die britische Datenschutzbehörde mit dem Thema, ein Sprecher erklärte, das System führe zu erheblicher "Sorge um die Privatsphäre von Lehrern, Schülern und deren Eltern". Die Verwendung von Mikrofonen und die Speicherung des Überwachungsmaterials sei ein sehr aggressives Vorgehen. Möglicherweise werde die Behörde nach entsprechenden Untersuchungen neue Richtlinien für den Gebrauch erlassen.
Pikant ist nicht zuletzt, dass laut "Daily Mail" der Vorstandsvorsitzende von Classwatch ein konservativer Politiker namens Tim Loughton ist - der Schattenminister der Tories für die Belange von Kindern und Jugendlichen.
Windows 7 Beta 1 auf Bittorrent aufgetaucht
Erst hieß es, das neueste Betriebssystem "Windows 7" aus dem Hause Microsoft werde Mitte Januar in einer ersten Vorabveröffentlichung zu haben sein, nun gibt's noch im alten Jahr Bescherung. In der Tauschbörse Bittorrent ist der
Vista-Nachfolger in der ersten Beta-Version aufgetaucht. Dabei handelt es sich allem Anschein nach um das Build 7000, das zeitlich auf den 1. Juli 2009 begrenzt ist. Ersten Testberichten zufolge soll die
vorliegende Beta ziemlich fehlerfrei, recht stabil und insgesamt von "hervorragender Qualität" sein. Der 2,44 Gigabyte schwere Download ist seit Freitag im Umlauf, womöglich liegt die ursprüngliche Quelle in China.
Netbook-Markenrechtsstreit: Blogger und Journalisten nicht betroffen
Da werden sich die Netbook-Hersteller nicht wenig erschreckt haben, als die britische Firma Psion mit der Nachricht an die Öffentlichkeit trat, man habe den
Begriff "Netbook" bereits 1999 als Warenzeichen geschützt. Die Manager von Asus und Co. sahen bereits teure Lizenzverfahren auf sich zukommen. Nicht zu Unrecht, wie jetzt eine Erklärung von Psion deutlich macht.
Als Antwort auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE verweist Psion-Anwalt Peter Langley auf eine E-Mail, die er dem Blog
jkontherun.com geschickt hat. Darin versucht Langley, Befürchtungen zu zerstreuen, Psion werde Medien und Blogger nun mit Abmahnungen überziehen, weil sie das umstrittene Wort benutzt hätten.
Entsprechende Unterlassungsschreiben seien lediglich an jene gegangen, "die mit der
Nutzung der 'Netbook'-Schutzmarke einen direkten Gewinn erzielen". Also vor allem Hersteller und Händler, die den Begriff verwenden, außerdem noch an einige Webseitenbetreiber, die Werbebanner für Netbooks schalten würden.
Warum Psion gerade gegen Jahresende in der Weihnachtszeit seine Markenrechte geltend macht? Rolf Claessen, Patentanwalt bei der Kölner Kanzlei von Kreisler Selting Werner macht auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE auf ein interessantes Detail aufmerksam: Markenrechte können verfallen. Dafür muss ein gesonderter Antrag gestellt werden. Claessen: "So ein Antrag hat immer dann Erfolg, wenn einer der Verfallsgründe gegeben ist. Einer der Verfallsgründe ist die Nichtbenutzung innerhalb der letzten fünf Jahre (Stichtag Antragstellung)."
Claessen zufolge habe Psion zuletzt im Oktober 2003 ein Produkt namens Netbook Pro auf den Markt gebracht. Die Einschätzung des Patentsanwalts: "Man müsste nun herausfinden, inwiefern mit diesem Produkt nennenswerte Umsätze erzielt wurden und dieses Produkt auch innerhalb der letzten fünf Jahre beworben wurde."
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