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SPD-Wahlkampf im Web Die Roten sind jetzt blau

2. Teil: Bloß kein Tacheles reden

Es simuliert die Möglichkeiten des Web-Wahlkampfes zumindest schon einmal in Ansätzen. Dass etwa der hessische SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel bei Facebook aktuell 502 Freunde hat und in seinem "meineSPD"-Profil 802 registrierte Unterstützer, steht natürlich in direktem Zusammenhang: Bereits seit dem 27.11.2008 ist die "Mission" mit der höchsten Priorität bei meineSPD: "Vernetzt Euch mit Thorsten Schäfer-Gümbel!"

Doch das können nur Insider - und genau das ist die große Schwäche des alten wie neuen SPD-Auftrittes: Er bietet keinerlei offene Schnittstellen zur Interaktion oder Kommunikation für Leute, die sich noch nicht mit der Partei identifizieren. Das ist der riesige qualitative Unterschied zwischen dem, was in den letzten US-Wahlkämpfen im Web passiert ist und hier noch immer nicht geschieht: Die informellen Kontaktpunkte im Web werden einfach nicht ausreichend locker genutzt.

Es fehlt der Dialog über Themen, auch wirklich schnell und spontan, wenn das gefragt ist. Es fehlen die inhaltlichen Anstöße, die Diskussionen überhaupt erst wecken. Ist ja auch klar: Wie alle ihre Konkurrenten will auch die SPD mit ihren potentiellen Wählern im Web nicht Tacheles reden, sondern über sich.

Wer die Bildergalerie absurft, findet darum zahlreiche Hochglanzbilder der Parteigranden, mit und ohne Autogramm - aber kein einziges Motiv aus dem Parteileben der Basis. Wer sich die Inhalte ansieht, findet offiziöse Stellungnahmen der Partei en masse - aber keinen inhaltlichen Beitrag zu irgendeiner Debatte, mit der sich eine lebendige Diskussion würzen ließe.

Bekannte Inhalte - frisch verpackt

Zur Abstimmung gegeben werden stattdessen vorzugsweise Themen, für die sich alle begeistern können: Wenn es etwa um verschiedene Ansätze der Bildungsförderung geht, dann unterscheiden die sich allenfalls im Grad der euphorischen Zustimmung - keine kontroverse Debatte, kein Ringen um Positionen und Inhalte. Auch das ist klar, denn die SPD braucht im Wahlkampf vor allem geschlossene Reihen und Zustimmung. Da wird die Abstimmung zum kleinen psychologischen Trick, wenn man erkennt, wie sehr man doch mit den Positionen der Partei und aller Teilnehmenden übereinstimmt.

Wer wirklich erfahren will, wofür sie eigentlich steht, die SPD, der soll sich auf dem "Politikmonitor", einer der Nebenseiten umsehen. Da sammelt die SPD ihre Meriten und Verdienste und stellt sie aus. Wen das alles überzeugt, der lässt sich unter "Mitmachen" dann bestimmt gern auch um eine Online-Spende bitten - Obama lässt grüßen.

Das Fazit des Ganzen? Nett gestaltet, klar strukturiert, farblich gewagt. Und inhaltlich? Nichts Neues, nur frisch verpackt. Vielleicht muss man eine Weile abwarten, wie sich das alles entwickelt, bis jetzt aber sind Deutschlands Parteien von einem offenen, nicht zuletzt über die Communitys des Web geführten Wahlkampf noch Lichtjahre entfernt.

Der Punkt, der bisher in keiner hiesigen Parteizentrale begriffen wurde: Ein wirklich erfolgreicher Polit-Auftritt im Web ist nicht abhängig von Design oder Features. Sondern von der Auffassung, mit der er serviert wird.

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