Seoul - Südkoreas Wirtschaft ist extrem exportorientiert und leidet massiv unter der aktuellen Weltwirtschaftskrise. Der "Financial Times" (FT) zufolge ist die Regierung des Landes deshalb besonders nervös. Die Zeitung diagnostiziert ein "wachsendes Unbehagen der Regierung gegenüber dem zunehmenden Einfluss von Online-Tratsch im am stärksten verdrahteten Wirtschaftsraum der Welt". Die Anzahl der Breitband-Anschlüsse pro Kopf ist in Korea höher als irgendwo sonst.
Der jetzt festgesetzte Blogger "Minerva" hatte die koreanische Web-Gemeinde mit oft düsteren Ansichten zum Thema Weltwirtschaft unterhalten. Die FT zitiert namentlich nicht genannte Behördensprecher, denen zufolge der erfolgreiche Blogger "Minerva" in Wirklichkeit ein arbeitsloser Universitätsabsolvent ohne besondere ökonomische Vorbildung sein soll.
Was man dem nun verhafteten Blogger genau zur Last legen wird, soll ein Gericht erst entscheiden. Verhaftet wurde er offenbar aufgrund eines Berichtes, der die Mächtigen des Landes in Rage versetzte: "Minerva" habe darin fälschlicherweise behauptet, die Regierung habe Banken angewiesen, keine US-Dollar mehr einzukaufen, berichtet die FT.
In Korea gibt es dem Bericht zufolge ein Kommunikationsgesetz, das auch die Verbreitung fehlerhafter Informationen im Netz untersagt. Laut FT könnten dem Blogger bis zu sieben Jahre Haft drohen.
cis
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