Netzwelt-Ticker
Paris Hiltons Seite verteilte Viren
Von Felix Knoke
Cyber-Kriminelle plazieren einen gefährlichen Trojaner auf der offiziellen Website von Paris Hilton und Google zoomt sich in Kunstwerke. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Dänisches Einsatzkommando stellt Gamer - wegen Ballerns.
Hacker haben es mal wieder auf Paris Hilton und ihre Fans abgesehen und deponierten einen Trojaner auf der offiziellen Hilton-Website
Parishilton.com. Besuchern öffnete sich übers Wochenende eine gefälschte "Update"-Aufforderung.
REUTERS
Paris Hilton: Kriminelle verteilen Trojaner über die Promiseite
Wer das "Update" akzeptierte oder abbrach, startete den Download einer infizierten Datei. Wer diese Datei dann noch ausführte, infizierte sich mit dem Trojaner Spy.Zbot.YETH. Der installiert ein sogenanntes Rootkit, spioniert Online-Banking-Informationen aus und lädt auf Befehl von außen hin weiteren Schadcode aus dem Netz. Die
Antivirus-Experten von Scansafe entdeckten die Gefahr am Freitag letzter Woche, am folgenden Dienstag wurde die Gefahr behoben, berichtet "PC World". Wie viele Surfer Opfer des Trojaners wurden, ist nicht bekannt.
Der Angriff auf
Parishilton.com ähnelt den Angriffen, denen sich in den USA erst kürzlich der Web-Auftritt der obersten Baseball-Liga MLB.com und eine große Erotik-Website ausgesetzt sahen. Die drei Angriffe haben gemein, dass sie härter und direkter vorgehen als die typischen Drive-by-Download-Attacken, die oft völlig unbemerkt vom Nutzer stattfinden, sobald er eine präparierte Website besucht. Auch war den drei Angriffen gemein, dass sie Schwachstellen, klaffende Lücken im Webcode, ausnutzten.
Schad- und Spähsoftware
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Wie das
Trojanische Pferd
in der griechischen Mythologie verbergen
Computer-Trojaner
ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten
Backdoor
, einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere
Schadprogramme
nachgeladen werden.
Computerviren
befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in
Tauschbörsen
einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen:
"Root"
ist bei
Unix-Systemen
der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein
Rootkit
ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte
Shell
auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um
Trojaner
,
Viren
und andere zusätzliche
Schadsoftware
über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren
Kompromittierungen
eines Rechners.
Computerwürmer
sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein
Schadprogramm
, das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats,
AIMs
,
P2P-Börsen
und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Unter einem
Drive-by
versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von
Scripten
nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter
Schadcode
Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnets
sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die
Zombiearmeen
werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen
Web-Seiten in die Knie zu zwingen
oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei
SPIEGEL ONLINE)
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um
"falsche Software"
. Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als
Adware-Programme
belästigen sie den Nutzer mit Werbung.
Die perfideste Form aber ist
Ransomware
: Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Ein
Zero-Day-Exploit
nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von
Schadprogrammen
ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
Sogenannte distribuierte
Denial-of-Service-Attacken
(DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.
Für Paris Hilton dürften solche Angriffe jedoch langsam Gewohnheit werden. Seit Jahren wird Hilton von Cyber-Kriminellen unter Feuer genommen. Vor vier Jahren wurde ihr T-Mobile-Konto gehackt. Damals verlor sie jede Menge persönliche Nachrichten, Kontaktdaten und Fotos. Im März 2008 erst knackte man ihr Facebook-Konto - und in einer Rangliste der am meisten für Spam
missbrauchten Promis hat Hilton 2008 Platz drei eingenommen - geschlagen nur von Barack Obama und Angelina Jolie.
Superzoom ins Kunstwerk
Google hat 14
Kunstwerke aus dem Prado Museum in Madrid superhochauflösend eingescannt und für Google Earth aufbereitet.
Google Earth ist eigentlich ein virtueller Globus, eignet sich aber offensichtlich auch für die Reise ins Innere bekannter Kunstwerke. Wer das Layer "Museo Padro" im Google-Earth-Menü "Geografie im Web" aktiviert, kann sich bis auf Pinselstrich-Niveau in die 14 Gigapixel großen Bilder hineinzoomen: Zum Beispiel ins Auge des Kardinals von Rafael, in Dürers Selbstporträt und zu den Las Meninas von Diego Velázquez.
AFP
Träne im Auge: Mit 14 Gigapixeln Auflösung zeigt Google Rogier van der Weydens Kreuzabnahme Christi
Al-Dschasira veröffentlicht Videos unter Creative Commons
Der arabische Fernsehsender al-Dschasira veröffentlicht hochauflösendes Videomaterial vom Gaza-Konflikt unter der
"Creative Commons"-Lizenz (CC-BY, bei Namensnennung). Wer das Videomaterial für eigene Zwecke benutzen will, darf das, solange er die Quelle al-Dschasira nennt. Den Videos stellte der Fernsehsender ein ausführliches Infoblatt zur Seite, mit Details zu den Drehorten und einem groben Transkript. Die "International Herald Tribune" sieht in diesem Schritt großes Potential: Westliche Medien können kaum aus der Krisenzone berichten, weil sie das israelische Militär daran hindert. Al-Dschasira hat den Vorteil, schon
vor der aktuellen Krise vor Ort gewesen zu sein. Die CC-BY-Lizenz erlaubt nun auch anderen Medien, sogar konkurrierenden Fernsehsendern, das Material für sich zu nutzen.
Studie: Zweifel an Überwachungskameras
Eine
Studie der Uni Berkeley zeigt, dass die in San Francisco installierten Überwachungskameras nicht dazu geeignet sind, schwere Verbrechen zu verhindern. Die Studie wird heute in San Francisco offiziell vorgestellt und steht schon im Netz zum Download bereit. Die Zusammenfassung: Schwere Verbrechen wie Morde und andere schwere Gewaltdelikte können die Kameras nicht verhindern, sie
wirken aber bei kleineren Delikten wie Taschendiebstahl in ihrer näheren Umgebung abschreckend, so die "ORF Futurezone". Gründe und Verbesserungsvorschläge gibt es viele. Ein Vorschlag dürfte Datenschützer weniger freuen: Bessere Bildqualität und mehr Speicherplatz sollen die Verfolgung von aufgenommenen Straftätern erleichtern. Per Software sollen zudem Waffen erkannt und hernach Sirenen ausgelöst werden.
Spielgeräusche rufen SWAT-Team auf den Plan
Ein paar dänische Computerspieler bekamen Samstagnacht Besuch von einem bewaffneten und gepanzerten Einsatzkommando der dänischen Polizei. Der Grund:
Laute Schussgeräusche von der Playstation. Die Polizisten forderten die mutmaßlichen Bewaffneten auf, mit erhobenen Händen das Gebäude zu verlassen, führten die Jugendlichen in Handschellen ab.
Bilder der skurrilen Aktion liefert das
dänische "Ekstra Bladet", eine grobe Übersetzung aus dem Dänischen "The Register". John Hansen von der Kopenhagener Polizei erklärte den brachialen Einsatz gegen friedfertige Computerspieler: Niemals ignorieren wir Meldungen von Schüssen, auch wenn sich viele Meldungen als Feuerwerk oder andere Fehlalarme herausstellen.
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