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15.01.2009
 

Netzwelt-Ticker

Google wirft Ballast ab

Von Felix Knoke

Google will sparen und wirft überflüssige Projekte aus dem Portfolio, darunter ehemalige Stars wie Google Video. Außerdem im Überblick: Zweitreichster Mensch der Welt wurde mit Domain erpresst, Ufo-Hacker will sich schuldig bekennen und die Gaza-Krise schwappt ins Internet.

Google will sparen und räumt das Produkt-Portfolio auf. In verschiedenen Firmenblogs kündigte das US-Unternehmen an, ein paar Projekten den Garaus machen zu wollen.

Unter Druck: Die Krise erwischt auch Google, das sich den Luxus zu vieler Experimente, die kein Geld bringen, nun nicht mehr leisten will
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AP

Unter Druck: Die Krise erwischt auch Google, das sich den Luxus zu vieler Experimente, die kein Geld bringen, nun nicht mehr leisten will

Nur auf den ersten Blick überraschend kommt das Ende von Google Video, dem hausinternen Konkurrenten von YouTube, der nach dem Kauf des erfolgreichen Videoportals 2006 schlicht überflüssig geworden ist. Ein weiteres Projekt vor dem Ende: Die Google Katalog-Suche "Catalog Search", deren Schrifterkennungsroutinen nun in Google Book Search stecken.

Googles digitaler Notizzettel "Notebook" wird zwar nicht wirklich eingestellt, aber auch nicht weiterentwickelt. Das sozio-geografische Experiment Dodgeball bekam tödliche Konkurrenz von Twitter, ebenso wie das soziale Netzwerk Jaiku, dessen Quellcode open source geht, von einem Freiwilligenstab von Google-Mitarbeitern weiterbetrieben und auf die Google App Engine portiert wird. Einige Blogs vermuten nun, dass Grand Central und Knol die nächsten Projekte in Googles Mülltonne sein werden. Cnet-Blogger Rafe Needleman fügt der Liste noch Google Base hinzu, Googles Online-Datenbank.

Googles Geschichte

1995 - When Larry met Sergey

Angeblich konnten Larry Page und Sergey Brin einander erst einmal nicht besonders gut leiden, als sie sich im Jahr 1995 zum ersten Mal trafen. Der 24-jährige Brin war übers Wochenende in Stanford zu Besuch, der 23-jährige Page gehörte angeblich zu einer Gruppe von Studenten, die Besucher herumführen mussten. Der Legende nach stritten Brin und Page ununterbrochen miteinander.

1996 - Es begann mit einer Rückenmassage

1998 - Finanzierung

1999 - Mehr Geld und ein neues Heim

2000 - AdWords

2001 - Profit und ein neuer Eric Schmidt

2002 - Corporate Search, Google News, Froogle

2003 - AdSense und Blogger

2004 - Picasa, Googlemail, Bücher und ein Börsengang

2005 - Google Maps und Google Earth

2006 - Google Video, Web-Applikationen , YouTube - und Kritik

2007 - Googlemail für alle, DoubleClick, Streetview und Android

2008 - Knol, Chrome und kein Ende

Erpressung: Geld oder Domain

Der laut dem US-Magazin "Forbes" zweitreichste Mensch der Welt, der mexikanische Telekommunikations-Tycoon Carlos Slim Helu, hat die Kontrolle über eine Domain mit seinem Namen erhalten, ohne dafür zahlen zu müssen. Eigentlich wollte ein Indonesier, der die fragliche Domain besetzt hielt, 55 Millionen US-Dollar - er unterstrich seine Forderungen, indem er drohte, die Besucher der Domain www.carlosslimhelu.com auf eine Pornoseite umzuleiten.

Ein Schiedsgericht der Weltorganisation für geistiges Eigentum (Wipo) kam nun zu dem Schluss, dass der Indonesier die Domain in böser Absicht registrierte und diese deswegen an Carlos Slim Helu überschrieben werden müsse. Dokumente, die Slims Anwälte dem Schiedsrichter vorlegten, zeigten, dass ein gewisser Ahmad Rusli aus Jakarta die fragliche Web-Adresse auf seinen Namen registrierte und dem Mexikaner damit drohte, so lange carlosslimhelu.com auf eine Pornoseite umzuleiten, bis er 55 Millionen US-Dollar erhalten habe. Ruslis Ansicht nach habe er die Domain "sichern" und mit der Drohung schlicht auf sich und seinen Geldwunsch aufmerksam machen wollen.

Computerspiel-Kontrolle: Jugendschutz oder Zensur?

Im US-Staat New York wird erneut der Ruf nach einer stärkeren Kontrolle beim Handel mit Computerspielen laut - Kritiker solcher Gesetze machen nicht minder laut ihrem Unmut Luft, zum Beispiel bei Gamepolitics.com.

Demokrat Keith Wright, Mitglied der New York State Assembly, reichte einen Gesetzesvorschlag ein, der dazu bestimmt ist, den Verkauf von Spielen mit gewissen Inhalten an Minderjährige einzuschränken. Dazu gehören Spiele, in denen Gewaltverbrechen, Sexualverbrechen, Suizid, gewalttätiger Rassismus, religiös motivierte Gewalt und der Missbrauch von Alkohol und illegalen Drogen aufgeführt werden. Kritiker solcher Jugendschutzmaßnahmen sehen durch die angeblich schwammigen Formulierungen des Gesetzvorschlags beliebigen Zensurwünschen Tür und Tor geöffnet.

"PC World" gehört zu den Kritikern, stellt sich Fragen wie: Brauchen wir das überhaupt oder funktioniert die Alterskontrolle nicht eh schon gut genug? Befürworter verweisen auf besonders gewalttätige, rassistische und mit religiöser Gewalt aufgeladene Spiele, die in den letzten Monaten veröffentlicht wurden.

Die Gaza-Krise schwappt über ins Internet

Da tobt ein Propaganda-Krieg im Internet: BBC News beobachtete, wie sich Unterstützer Israels und Palästina im Netz bekriegen. Sie hacken und verändern Websites, schleusen Trojaner in Computer ein, sabotieren Facebook-Gruppen. Websites des US-Militärs, der Nato und eine israelische Bank wurden schon Opfer der Hacker-Angriffe. Experten warnen vor Phishing-Mails, fordern Webmaster auf, ihre Server gegen unerlaubte Veränderungen abzusichern.

Ufo-Hacker will sich schuldig bekennen

Weil er nicht in die USA ausgewiesen werden will, hat ein als bekannter Mann nun einem britischen Gericht angeboten, sich schuldig zu bekennen. US-Strafverfolgungsbehörden sagen, der 42-Jährige habe sich von seinem Schlafzimmer in London in 97 Computer der Nasa, des US-Verteidigungsministeriums und diverse Militär-Server gehackt und dabei eine Milliarde US-Dollar Schaden angerichtet.

Der Beschuldigte gab in Vernehmungen an, dabei auf der Suche nach Beweisen für die Existenz von Ufos gewesen zu sein, laxe Sicherheitsvorkehrungen seien ihm dabei behilflich gewesen. Sollte der Hacker in die USA ausgewiesen werden, drohen ihm dort laut AP insgesamt acht Verfahren, die ihm jeweils bis zu zehn Jahren Haft und 250.000 US-Dollar Strafe einbringen könnten. US-Strafverfolger deuteten aber bereits an, dass die tatsächliche Strafe deutlich geringer ausfallen könnte.

Welche Strafe ihm nun bei einem Schuldspruch im Vereinigten Königreich droht, geht aus der Meldung nicht hervor. Die Anwälte des Briten versuchen darüber hinaus zurzeit ein letztes Einspruchsverfahren, weil bei ihrem Klienten kürzlich das Asperger-Syndrom diagnostiziert wurde.

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