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Mediale Missverständnisse Warum der YouTube-Vatikan nicht funktioniert

2. Teil: Von wegen Vielfalt: YouTube ist ein Nischenprogramm - und für viele Themen untauglich

Apropos Abrufe: Die und nicht etwa die Abonnements sind die wahre Währung von YouTube

Bei den Abonnements, der numerischen Ausdrucksform der YouTube-Community, um Treue zu signalisieren, haben also nach wie vor die selbstgestrickten, albernen, schrillen, kontroversen oder im Kontrast dazu höchst trivialen Dinge die Nase vorn. Doch natürlich muss sich Benedikt nicht wirklich an Fred messen. Die Vergleichsgrößen zum Vatikan-Kanal liefern eher die anderen Partner-Kanäle regulärer Unternehmen oder Organisationen bei YouTube.

Was geht - und was nicht?

Auch hier hat der Vatikan Aufholarbeit vor sich. Im Augenblick steht es zum Beispiel 3.267.830.313 zu 369.422 im Vergleich der Videoaufrufe Universal Music Group versus Vatikan. Kurios auf einer Videoseite: Der Vatikan-Kanal bei YouTube verzeichnet weniger Videoaufrufe als Besuche der Kanal-Seite (376.868) - ob das etwas mit der Presseberichterstattung am Wochenende zu tun hat? Dass in den letzten 24 Stunden nur noch 27.000 Besuche dazugekommen sind, deutet darauf hin.

So oder so: Der Vorsprung des Entertainments dürfte vorerst nicht aufzuholen sein. Zumal bei Universal nicht nur einer singt, sondern ganz viele - und Musik mögen sie wirklich bei YouTube.

Viel mehr als alles, was sachlich daherkommt.

So schafft Universal mit 9206 Musikvideos fast 3,3 Milliarden Aufrufe. Macht im Schnitt über 350.000 Aufrufe pro Video. CBS brauchte rund 14.300 Videos, um 299 Millionen Aufrufe zu generieren, was rund 21.000 Aufrufen per Video entspricht - und das sind nicht etwa Nachrichten, sondern TV-Serien und Unterhaltungsprogramme. CBS News hat seit 2006 gerade einmal 3600 Abonnenten finden können - und in diesen drei Jahren mit schlapp 142.268 Kanalaufrufen nur ein Drittel der Aufrufe generiert, die der Vatikan seit Freitag geschafft hat. Nachrichten interessieren bei YouTube einfach keinen. Sogar Religion ist da populärer.

Die Beispiele zeigen eindrucksvoll, wie fragmentiert der Aufmerksamkeitsmarkt des Webs tatsächlich ist. Draußen im WWW sind Nachrichten eine heiße Ware, bei YouTube sind sie Ladenhüter. Das ist normal: Erfolg gibt es im WWW in Nischen, aber kein Anbieter hat bisher eine Marke geschaffen, die als Präsentationsplattform im Web tauglich gewesen wäre für alle Arten von Inhalten. Daran scheitert selbst Google regelmäßig.

YouTube will durchaus eine Art One-Stop-Shop für Videos sein, schafft es aber auch nicht: Es ist und bleibt die Plattform des kurzen Formats, des unterhaltenden, spektakulären, handgestrickten, des albernen oder spontanen Inhalts. Obwohl zumindest die Kanalbetreiber durchaus auch längere Stücke als den Zehn-Minuten-Standard online stellen dürfen.

Ich werde gesehen, also bin ich

So stellen die Partnerkanäle bei YouTube eine Metaebene dar, die aus Sicht der jeweiligen Partner völlig losgelöst von der wirklichen Nutzung ihren Wert hat. YouTube schmückt sich mit großen Namen, die Partner mit der Jugendlichkeit, die die klassischen Medien mit YouTube verbinden. Der eigentliche Erfolg der Kanäle liegt dann im Presse-Echo auf ihre Eröffnung und im Beweischarakter ihrer Existenz: Wer bei YouTube ist, kommt sozusagen in der Neuzeit an. Videor ergo sum.

So wie der Vatikan. In einer Grußbotschaft am Sonntag machte Benedikt XVI. die Motivation des heiligen Stuhls klar. Vor allem für die "digitale Generation" habe sich das Internet zu "einer der wichtigsten Informationsquellen" entwickelt. Deshalb habe der Vatikan die Initiative ergriffen, "die Informationen und Nachrichten des Heiligen Stuhls über das World-Wide-Web leichter zugänglich" zu machen. "Bis ans Ende der Welt" wolle der Vatikan Jesu Botschaft tragen, sagt der Papst bei YouTube, als ob er genau dort nun angekommen wäre.

Benedikt wörtlich: "Zweifellos ermöglicht der weise Gebrauch der Kommunikationstechnologie, dass sich Gemeinschaften so formen, dass die Suche nach dem Wahren, Guten und Schönen vorangetrieben wird und dies über geografische Grenzen und ethnische Trennungen hinweg."

Ein wahrlich frommer Wunsch, der in Stil, Aufbereitung und Präsentation auf der Spaß-Plattform YouTube seltsam deplaziert wirkt. Seit dem 25. Januar sahen sich 8001 Nutzer die deutsche Version des Videos an, 30.523 die englische. Es ist bisher das dritterfolgreichste Video des Papstes bei YouTube.

Fans des deutschen Pontifex, die sich das nun gern - wie bei YouTube üblich - in ihre eigene Web-Seite einbinden wollen, werden allerdings enttäuscht: Der Vatikan unterbindet die sonst bei YouTube üblichen Community-Features, sein Kanal ist eine kommunikative Einbahnstraße, ein mediales Missverständnis, noch immer ein Fremdkörper im Mitmach-Web.

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insgesamt 10 Beiträge
Eiermann 28.01.2009
Web-2.0-Angeboten wie Youtube oder z.B. den unzähligen Gruppen in StudiVZ fehlt es vor allem an brauchbaren Themenverzeichnissen, inkl. herausgehobener Aufzählung wichtiger Anbieter. Riesenmedienangebote wie Youtube sind ohne [...]
Web-2.0-Angeboten wie Youtube oder z.B. den unzähligen Gruppen in StudiVZ fehlt es vor allem an brauchbaren Themenverzeichnissen, inkl. herausgehobener Aufzählung wichtiger Anbieter. Riesenmedienangebote wie Youtube sind ohne solche Kataloge leider nur zur Hälfte brauchbar, wenn man in ihnen nur nach Stichworten suchen, aber kaum nach Themen stöbern kann. Die Stichwort-Clouds sind, wenn überhaupt vorhanden, dafür leider nur eingeschränkt brauchbar.
G.Ott 28.01.2009
Da Youtube selbst kein eigenständiges "Angebot" aus sich raus ist, braucht's auch keinen Katalog. Youtube ist eine Betriebsplattform, die es ermöglicht, Videos dort abzulegen und in themenorientierte Web-Sites [...]
Da Youtube selbst kein eigenständiges "Angebot" aus sich raus ist, braucht's auch keinen Katalog. Youtube ist eine Betriebsplattform, die es ermöglicht, Videos dort abzulegen und in themenorientierte Web-Sites einzubinden, ohne bei exzessivem Abruf der Videos dem finanziellen Ruin durch Betriebskosten ausgesetzt zu sein. Wer Youtube als eigenständiges Angebot ansieht, überträgt nur alte Sichtweisen auf ein neues Medium. Das kann nicht funktionieren und deswegen hat der Papachannel auch keine Fans. Gruß, G.Ott
PML 28.01.2009
Was könnte denn in so einem Papst-Kanal stehen? Gott schütze das Leben von Klaus Zumwinkel? Und: Die Armen sind nicht demütig genug? Damit kriegt man ´nen Loch innen Kopp. Und das völlig zu Recht.
Was könnte denn in so einem Papst-Kanal stehen? Gott schütze das Leben von Klaus Zumwinkel? Und: Die Armen sind nicht demütig genug? Damit kriegt man ´nen Loch innen Kopp. Und das völlig zu Recht.
soylentyellow1 28.01.2009
Der Papst hätte ja auch godtube.com als Videoplattform wählen können. Apropos: Der Username G.Ott passt sehr gut zum Thema.
Der Papst hätte ja auch godtube.com als Videoplattform wählen können. Apropos: Der Username G.Ott passt sehr gut zum Thema.
Eiermann 28.01.2009
Videoplattformen wie Youtube sind zwar selbst kaum Anbieter, aber Plattformen für Anbieter oder Anbieter von Anbietern. Als Plattform für Millionen Anbieter mittlerweile ein Megaanbieter. Wieso sollen die keine Kataloge [...]
Zitat von G.OttDa Youtube selbst kein eigenständiges "Angebot" aus sich raus ist, braucht's auch keinen Katalog. Youtube ist eine Betriebsplattform, die es ermöglicht, Videos dort abzulegen und in themenorientierte Web-Sites einzubinden, ohne bei exzessivem Abruf der Videos dem finanziellen Ruin durch Betriebskosten ausgesetzt zu sein.
Videoplattformen wie Youtube sind zwar selbst kaum Anbieter, aber Plattformen für Anbieter oder Anbieter von Anbietern. Als Plattform für Millionen Anbieter mittlerweile ein Megaanbieter. Wieso sollen die keine Kataloge gebrauchen können, wenn es die Themenrecherche ohne genaue Stichwörter immens erleichtern und verbreitern würde? ---Zitat--- Wer Youtube als eigenständiges Angebot ansieht, überträgt nur alte Sichtweisen auf ein neues Medium. ---Zitatende--- Der einzige Unterschied von Youtube zur Mediathek eines Fernsehsenders ist der, das Youtube die Videos nicht selbst produziert. Das ändert aber nichts daran, dass eine Videoplattform wie Youtube nicht genauso einer stärkeren thematischen Struktur bedarf wie TV-Mediatheken.
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