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Netzwelt-Ticker Twitter-Wurm und Sendeschluss für GIGA

Klick mich nicht an, warnte ein Twitter-Wurm. Wer's trotzdem tat, half der Internet-Seuche bei der Verbreitung. Außerdem: Der Fernsehsender GIGA wollte Internet und Fernsehen zusammenbringen, doch jetzt zog Inhaber Premiere den Stecker; YouTube führt Bezahl-Downloads ein und gibt Radiowerbung auf.

Bei Twitter ging der Wurm um: "Don't Click", klick mich nicht an, war die Warnung, die zahllose Twitter-Nutzer in den vergangenen Tagen von ihren Freunden zugeschickt bekamen. Wer allzu neugierig dem Rat nicht folgen wollte und klickte, landete auf einer präparierten Website. Auf der forderte ein Knopf wiederum dazu auf: "Don't Click."

Zwitscherdienst Twitter: Verbreitete nicht nur Mini-Nachrichten, sondern auch ein Würmchen

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Klar, dass Neugier siegt: Wer klickte, machte sich zum Opfer einer Hack-Attacke. Denn die Website nutzte ein prinzipielles Problem von modernem CSS/HTML-Webcode aus: Die Möglichkeit, unsichtbare Felder über die Website zu legen und so die Mausklicks von Surfern umleiten zu können, das sogenannte "Click Jacking". In diesem Fall klickte der allzu neugierige Surfer also nicht etwa auf einen kuriosen Knopf, sondern in Wirklichkeit auf den "Absenden"-Knopf einer Twitter-Nachricht im eigenen Namen: "Don't Click."

Twitter stopfte diese Sicherheitslücke, die Wurm-Website wurde aus dem Netz getilgt. Schaden entstand durch den ansonsten harmlosen Webcode wohl nicht.

Der Ursprung des Twitter-Wurms liegt noch im Dunkeln. Wahrscheinlich aber steckt ein Fan des französischen Bloggers Manuel Dorne dahinter. Der hatte vor knapp zwei Wochen in seinem Blog Korben.info eine Angriffstechnik beschrieben, die er zuvor in einem anderen Blog samt Quelltext entdeckte. Dorne erprobte eine harmlose Version des Wurms an den eigenen Twitter-Abonnenten.

Der Wurm-Autor muss sich von dem kleinen Experiment inspirieren lassen haben, er dankte Manuel Dorne im Quelltext der "Don't Click"-Wurmseite. Dorne könnte gern auf das Lob verzichten, will nicht als Wurm-Autor verdächtigt werden. Trotzdem glaubt er nicht an böse Absichten hinter dem "Don't Click"-Wurm: "Das war ein Scherz, keine Gefahr," sagte er SPIEGEL ONLINE. Vor allem habe dieser Angriff auch gezeigt: Klicks auf eine ganz einfache Website sind nicht immer sicher. Diese Click-Jacking-Technik funktioniert mit vielen Websites, sogar Facebook. "Ich habe es ausprobiert, es funktioniert …"

YouTube fügt Downloads hinzu, auch Bezahl-Downloads

Alle Welt nutzt YouTube, aber sollen Textanzeigen rund um die Videos die einzige nennenswerte Erlösquelle für den Betreiber Google sein? Nein, und deswegen erweiterte der Internet-Konzern YouTube jetzt um ein Feature, das er zuvor beim eingestampften Video-Dienst Google Video erprobte: Bezahldownloads. Zukünftig können Video-Uploader entscheiden, ob sie ihre Videos kostenlos oder gegen eine "kleine Gebühr" zum Download anbieten wollen. Zum Einsatz kommen dabei die "Creative Commons"-Lizenzen, mit deren Hilfe den Downloadern vielfältige Nutzungsmöglichkeiten eingeräumt werden können.

Gezahlt wird über Googles PayPal-Konkurrenten Checkout. Klar: Zielgruppe der Bezahl-Möglichkeit sind nicht nur Otto-Normal-Video-Uploader, sondern vor allem Filmstudios, Fernsehsender und Plattenlabels. Die sollen ihre Inhalte bei YouTube anbieten, anstatt ihre eigenen Dinger zu drehen, zum Beispiel ein Anti-YouTube.

Google gibt Radiowerbung auf

Apropos Google, apropos Geld verdienen: Google will Geld sparen und stampft deswegen zu Ende Mai die Abteilung für Radiowerbung ein. Von dem Radio-Aus sind 40 Mitarbeiter betroffen, ob sie weiterhin in Anstellung bleiben, ist zunächst nicht bekannt.

Überzeugt davon, das im Netz erfolgreiche GoogleAds-Programm auch aufs Radio übertragen zu können, hatte Google vor drei Jahren die Radio-Werbefirma dMarc für 120 Millionen US-Dollar übernommen. Aber trotz "hohem Ressourcen-Einsatz" und großem Lernerfolg blieb der finanzielle Erfolg aus, schreibt Susan Wojcicki, Googles Vizepräsidentin für Produktmanagement im Firmenblog. Zuvor zog sich Google schon aus dem Print-Anzeigengeschäft zurück, warf überflüssige Projekte aus dem Portfolio.

GIGA: Aus für Internet-Fernsehsender

Der Fernsehsender GIGA stellt zum April hin den Sendebetrieb ein. Das teilt GIGA-Geschäftsführer Stephan Borg im Sender-Blog den Zuschauern und Mitgliedern der GIGA-Community mit. Ab sofort werde kein Programm mehr produziert, bis zum Sender-Ende laufen nur noch Wiederholungen.

Der Grund: Die GIGA-Inhaberin Premiere AG zieht den Stecker, das finanziell angeschlagene Unternehmen will sich aufs Pay-TV-Geschäft konzentrieren. Den 53 Mitarbeitern des Internet-Lifestyle-Senders wurde heute ihre Kündigung mitgeteilt. Die GIGA.de-Betreiber verhandeln derweil über einen Weiterbetrieb der Website samt Community.

GIGA ging 1998 als TV-Kuriosum ins deutsche Kabelnetz. Statt eines regulären Programms gab es eine Liveshow, die Internet und Fernsehen zusammenbringen wollte. Wer GIGA im Fernsehen schaute, konnte über die Website Giga.de auf die Sendung und die Moderatoren Einfluss nehmen, Beiträge kommentieren und mit Studiogästen live und On Air chatten.

Im November 2000 folgte die Gaming-Sendung GIGA GAMES, 2004 wurde GIGA dann ins digitale Satellitenprogramm auf Astra digital abgeschoben. 2005 wurde das Kölner E-Sport-Unternehmen Turtle Entertainment größter Anteilseigner. Das neu aufgezogene Projekt GIGA 2 scheiterte jedoch im November 2007, im Januar 2008 übernahm Premiere dann die GIGA Digital Television und überarbeitet noch im August 2008 das Programm hin zum "Social Gaming Network" mit neuen Programmformaten.

Laut Geschäftsplan hätte GIGA im Jahr 2011 die Verlustzone verlassen, Premiere sah die Planungen aber aufgrund der Finanzkrise und der wegbrechenden Werbeerlöse als hinfällig an und beendete den einst spannendsten Ausflug des deutschen Fernsehens ins Internet.

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