ThemaInternetrechtRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Facebooks AGB-Ärger Wem Community-Daten wirklich gehören

7. Teil: Xing - Beiträge bleiben mit Namen online

Was geschieht nach Abmeldung mit den von einem Mitglied eingestellten Inhalten?

Xing-Sprecher Thorsten Vespermann: "Bei der Abmeldung von Xing wird das komplette Profil des Mitglieds gelöscht. Wir behalten keine personenbezogenen Daten der Person - bis auf die Rechnungsinformation, dazu sind wir rechtlich verpflichtet. Bestehen bleiben die Forenbeiträge, die versendeten privaten Nachrichten in den Posteingängen der Personen, denen die Person geschrieben hat, sowie die Gästebucheinträge. Wichtig ist, zwischen personenbezogenen Daten wie den Profilangaben und dem eigenen Foto und sonstigen Daten, also Inhalten wie z.B. Forenbeiträgen oder Gästebucheinträgen zu unterscheiden. Personenbezogene Daten sind in Deutschland besonders geschützt, der User bleibt jederzeit Herr seiner personenbezogenen Daten. Unsere AGBs sehen keine allgemeine Übertragung der Nutzungsrechte von Mitgliedern an XING vor. Sie weisen nur auf eine Ausnahme bei Forenbeiträgen hin."

Und so steht es in den Geschäftsbedingungen:

"Der Nutzer räumt XING mit dem Einstellen seines Beitrags in ein Forum ein unbeschränktes, unwiderrufliches und übertragbares Nutzungsrecht an dem jeweiligen Beitrag ein, welches XING zu jeglicher Art der Verwertung, insbesondere zur dauerhaften Vorhaltung des Beitrags in dem entsprechenden Forum sowohl auf ihren Seiten als auch auf den Webseiten ihrer Kooperationspartner sowie zur sonstigen Vermarktung des Forums, berechtigt. XING hat damit das Nutzungsrecht an allen Beiträgen zu den von ihr betriebenen Diskussionsforen." (aus den Xing-AGB, Abschnitt 12, "Rechte an Inhalten")

Wie sieht das konkret nach der Abmeldung aus?

Die Forenbeiträge bleiben samt Namen online. Nutzer können eine Löschung einzelner Forenbeiträge beantragen, erklärt Xing-Sprecher Vespermann: "Bei mehr als 22.000 Gruppen auf XING kommt es gelegentlich vor, dass Mitglieder um die Löschung eines von ihnen geposteten Forenbeitrags bitten. In begründeten Einzelfällen kann dies durch die Moderatoren oder das Community Management von XING vorgenommen werden. Abgesehen davon hat jeder Autor eines Posts die Möglichkeit, seine Beiträge innerhalb von drei Tagen nach Erstellung selbst zu editieren oder ganz zu löschen. Bei privaten Nachrichten sind auch die persönlichen Rechte des Empfängers betroffen. Der Empfänger hat die Hoheit über sein Postfach, ein Löschen seitens des Anbieters würde einen Eingriff in seine Privatsphäre darstellen. Marketplace-Posting sind nur für einen begrenzten Zeitraum auf XING sichtbar und können vom Absender auch jederzeit entfernt werden."

Welche Rechte übertragen Nutzer an den von ihnen eingestellten Inhalten?

Xing-Sprecher Vespermann: "Nur für die Forenbeiträge wird XING ein dauerhaftes Nutzungsrecht übertragen." In Einzelfällen können Forenbeiträge gelöscht werden (siehe Frage oben).

So bewertet das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie den Löschumfang:

"Eine Abmeldefunktion ist somit vorhanden aber umständlich aufzufinden. Nach dem Löschen erscheint der eigene Name weiterhin bei Einträgen in Gruppenforen und bei Einträgen in Gästebüchern anderer Nutzer. Zu bedenken ist, dass Einträge in Gruppenforen möglicherweise außerhalb der Plattform zugänglich sind, je nachdem, ob das Forum selbst öffentlich ist und wie die Zugriffskontrollen des Nutzers bei der Eintragerzeugung eingestellt waren."

"Der reguläre Abmeldeprozess sieht keine Lösch- oder Anonymisierungsfunktion für Foren und Gästebucheinträge vor. Dieses Faktum allein reicht bereits aus, damit die Anforderungen für dieses Kriterium nicht mehr erfüllt werden können. Zudem sind die zusätzlichen Leistungen des Kundendienstes auf den Abmeldeseiten nicht dokumentiert." (aus der Studie "Privatsphäre in Sozial-Netzwerke-Plattformen" vom 25.9.2008, Seite 102, PDF-Dokument)

Fazit: Xing geht weiter als die anderen hier beschriebenen deutschen Netzwerke. Das Unternehmen lässt sich ein unbegrenztes Nutzungsrecht für die Forenbeiträge der Nutzer einräumen. Das gilt auch nach der Abmeldung. Die Beiträge bleiben online - mit dem vollständigen Namen des Nutzers.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 32 Beiträge
Michael Giertz 17.02.2009
Ich wünschte, die Regeln, was "Urheberrechte" betreffen, würden nicht nur von den großen Labels, der Film- oder Spieleindustrie gelten, sondern auch für die Privatperson. Und das bedeutet, dass ALLE ins Netz [...]
Zitat von sysopWerben, Horten, an Dritte lizenzieren - klammheimlich will sich Facebook per AGB-Änderung umfassende Rechte an den Fotos, Kommentaren und Nachrichten seiner Nutzer sichern. Datengrabscher Facebook - wie viel Kontrolle über Nutzerdaten darf ein soziales Netzwerk haben?
Ich wünschte, die Regeln, was "Urheberrechte" betreffen, würden nicht nur von den großen Labels, der Film- oder Spieleindustrie gelten, sondern auch für die Privatperson. Und das bedeutet, dass ALLE ins Netz hochgeladenen eigenen Dinge urheberrechtlich geschützt sind und dem eigentlichen Urheber gehören. Was Facebook sich da herausnimmt, ist einfach unverschämt, hier werden die Nutzer regelrecht enteignet. Aus einem "Kostenlosdienst" wird dann nämlich über die Hintertür ein durchaus kostenpflichtiger Dienst, der seine Profite durch die Verwendung der von Nutzern bereitgestellten Inhalte erwirtschaften könnte. Dem gehört ein Riegel vorgeschoben. Auch Nutzer haben Anspruch auf Schutz durch das Urheberrecht.
newright 17.02.2009
Na dann auf Wiedersehen Facebook. Viel Spaß bei der Nutzung der Daten. Facebook war eh kaum verbreitet. Ist eine relativ unwichtige Community in Deutschland. Gibt stärkere Community´s in Deutschland die das noch nicht haben.
Na dann auf Wiedersehen Facebook. Viel Spaß bei der Nutzung der Daten. Facebook war eh kaum verbreitet. Ist eine relativ unwichtige Community in Deutschland. Gibt stärkere Community´s in Deutschland die das noch nicht haben.
markus_worbs 17.02.2009
Facebook wird langfristig zu dem Social Network in Deutschland aufsteigen. Im Vergleich zu SchülerVZ bietet es um einiges mehr an Innovation und Möglichkeiten. SchülerVZ ist, wenn die Betreiber nicht bald aufwachen langweilig [...]
Facebook wird langfristig zu dem Social Network in Deutschland aufsteigen. Im Vergleich zu SchülerVZ bietet es um einiges mehr an Innovation und Möglichkeiten. SchülerVZ ist, wenn die Betreiber nicht bald aufwachen langweilig geworden und wird Mitglieder verlieren. Der größte Vorteil von SchuelerVZ ist einfach die größere Basis, aber man hat das Gefühl, dass sich svz darauf ausruht. Facebook ist für mich die Zukunft.
BadTicket 17.02.2009
Also ganz ehrlich, ich verstehe die Aufregung nicht die da um Facebook gemacht wird. Alles was da jemand bisher hoch geladen hat wurde kontrolliert, was glauben denn die Nutzer in welcher (schein)heiligen Welt sie da leben. Dass [...]
Also ganz ehrlich, ich verstehe die Aufregung nicht die da um Facebook gemacht wird. Alles was da jemand bisher hoch geladen hat wurde kontrolliert, was glauben denn die Nutzer in welcher (schein)heiligen Welt sie da leben. Dass Facebook um Ecken vom CIA finanziert wird kann man ja sogar in der Wikipedia lesen. Also, nichts neues, wer Facebook nutzt hat alles freigegeben. Und das weiss man auch!!!
zerstörer 17.02.2009
Sie offenbaren unfreiwllig den Grund warum die meisten Angebote im Netz heutzutage überhaupt funktionieren: Unkenntnis des Urheberrechts Das gilt nämlich uneingeschränkt für Privatpersonen, sofern die Inhalte die [...]
Zitat von Michael GiertzIch wünschte, die Regeln, was "Urheberrechte" betreffen, würden nicht nur von den großen Labels, der Film- oder Spieleindustrie gelten, sondern auch für die Privatperson. Und das bedeutet, dass ALLE ins Netz hochgeladenen eigenen Dinge urheberrechtlich geschützt sind und dem eigentlichen Urheber gehören.
Sie offenbaren unfreiwllig den Grund warum die meisten Angebote im Netz heutzutage überhaupt funktionieren: Unkenntnis des Urheberrechts Das gilt nämlich uneingeschränkt für Privatpersonen, sofern die Inhalte die Schöpfungshöhe erreichen. Ferner gilt, dass eine Nichtangabe einer Lizenz keineswegs zu einer beliebigen Lizenz führt. Hier ticken diverse Zeitbomben und Klagen wie derzeit gegen die Bildersuche von Google wird es noch viele geben.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Web
alles zum Thema Internetrecht

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP