Von Matthias Kremp
Im Online-Vertrieb hat Dell ja schon reichlich Erfahrung. Als reiner PC-Versender brachte es der Konzern bis an die Spitze der weltweiten Computerhersteller. Jetzt will das Unternehmen sich offenbar noch eine Scheibe vom Markt für Bezahl-Downloads abschneiden. Nachdem das Unternehmen bereits im Januar in den USA einen eigenen Downloadshop eröffnete, sollen jetzt die europäischen Dependancen folgen. Als einer der ersten eröffnete der Dell Download Store in Deutschland.
"Millionen Musiktitel, aktuelle Games und eine umfangreiche Software-Auswahl" soll der bieten. Genauer mochte sich Dell nicht festlegen. Eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit der Bitte um genauere Daten blieb bis zum Nachmittag unbeantwortet. Nur so viel wurde klar: Musik bietet Dell ohne Kopierschutz an, die Songs werden als MP3-Dateien heruntergeladen.
Wöchentlich soll das Angebot aktualisiert werden, verspricht Dell und verweist darauf, dass aktuelle Spieletitel wie Fear 2, Football Manager 2009 und Lord of the Rings ladbar seien. Künftig, so das Unternehmen, "auch um aktuelle Filme ergänzt". In welchen Formaten diese Filme angeboten werden, was sie kosten und ob sie kopiergeschützt sein werden, lässt Dell offen.
Voller Ecken und Kanten
Ohnehin aber hat der Dell Download Store noch einige ungeschliffene Ecken und Kanten, die ein kurzer Streifzug durch das Angebot offenlegt.
Sehr ungewöhnlich ist beispielsweise der Ablauf eines Einkaufs. Zunächst sammelt man alle Programme, Spiele oder Musikstücke, die man gerne kaufen möchte, im Warenkorb. Ist der hinreichend gefüllt, soll man auf eine Schaltfläche mit dem Titel "Auftrag ausführen" klicken, um schließlich bezahlen zu können. Das geht nur nach erfolgter Registrierung - soweit, so normal. Hat man dann, per Kreditkarte oder Paypal, bezahlt, kann man die gekauften Waren aber noch lange nicht herunterladen. Jetzt ist Geduld gefragt. Denn nun muss man auf einen Bestätigungscode warten, der den Download online freischaltet - und der wird per E-Mail zugestellt.
Wo sind die Schnäppchen?
Aber auch das Preisgefüge im Shop weist manche Ungereimtheit auf. Ein Vergleich der Softwarepakete, die Dell auf der Homepage bewirbt, führt zu folgenden Erkenntnissen:
Und auch im Musikbereich findet sich bei flüchtiger Überprüfung manch ein Angebot, das andere Anbieter so wohl nicht im Programm haben:
Aber das sind nur Beispiele. Besonders bedauerlich: Der Versuch, die Leistung des Shops durch Testkäufe zu überprüfen, schlug fehl. Während der Online-Laden gegen Mittag noch stabil funktionierte, wurden Versuche, von der Homepage in die Rubriken des Angebots zu verzweigen, am Nachmittag stets mit derselben Fehlermeldung quittiert: "Fatal error, please try again later."
Das werden wir tun.
Nachtrag: Kurz nach Veröffentlichung dieses Artikels lieferte Dell doch noch Zahlen zum Umfang des Download-Angebots. Demnach werden im Dell Download Store mehr als 2500 Spiele, mehr als 5000 Software-Tools und rund 2,4 Millionen Musikstücke angeboten.
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