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Zukunft der Medien Eine Welt ohne Presse

4. Teil: Veranstaltungen und Vereine sind nichts für die Presse

In den siebziger Jahren entstanden in vielen deutschen Großstädten Stadtmagazine, weil die Presse vor Ort einfach nicht über das berichtete, was viele Menschen unter 30 interessierte: die sogenannte Alternativkultur. Das meiste davon ist heute Mainstream, nur muss heute kaum jemand Stadtmagazine lesen, um zu wissen, welche Konzerte, Partys und Lesungen wann und wo stattfinden.

Seit Jahren schickt so gut wie jeder Club zielgruppengenau per E-Mail sein Programm an alle Interessierten. Musikcommunitys empfehlen Mitgliedern passend zum Musikgeschmack Konzerte, listen auf, was die eigenen Freunde interessiert und wer wohin geht. Bei solchen Informationen sind Soziale Netzwerke wie LastFM, Facebook und sogar StudiVZ den traditionellen Medien weit überlegen - man interessiert sich ja nur für einen kleinen Anteil all der Dinge, die in der eigenen Stadt passieren. Höchstwahrscheinlich für jenen kleinen Anteil, der auch die eigenen Kollegen begeistert. Den Wettbewerb auf diesem Terrain können auch die engagiertesten Lokalzeitungsredaktionen nicht gewinnen. Ihre Stärke ist nicht die Veröffentlichung kompletter Veranstaltungslisten oder gar die zielgenaue Empfehlungen für einzelne Leser, sondern eine überraschende Auswahl und ein streitbares Urteil.

Genauso ist es im Grunde genommen auch mit den Vereinsnachrichten, die viele Lokalzeitungen füllen. Ein zynischer Journalistenwitz erzählt, dass man einmal im Jahr nur mindestens ein Foto jedes Vereinmitglieds abdrucken müsse, um eine Lokalzeitung zu verkaufen - die Leser würden abonnieren, um das eigene Foto nicht zu verpassen. Solche Inhalte waren eigentlich immer schon user generated content - kein Wunder, dass Web-Plattformen wie Meinverein dieses Prinzip heute ohne Druck- und Personalkosten für Journalisten monetarisieren wollen.

Einen Schritt weiter gehen gedruckte Gratismedien wie die in einigen Gemeinden Nordrhein-Westfalens verbreiteten "Informer"-Magazine: Die Anzeigenblätter fordern Vereine, Geschäftsleute, Politiker, und Bürger auf, die Seite einfach selbst online mit Fotos und Texten zu füllen - " Open magazine, ein modernes Medium im klassischen Gewand" heißt das Konzept.

Fazit: Zur Verbreitung von Veranstaltungshinweisen, Vereinsnachrichten und Verlautbarungen gibt es bessere Kanäle als die traditionellen Medien. Was immer weniger Menschen unmittelbar und kaum jemanden mittelbar betrifft oder interessiert, ist in einem Medium für ein großes und heterogenes Publikum fehl am Platz.

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insgesamt 31 Beiträge
Ilja 20.02.2009
Die Menschen würden nicht mehr systematisch verdummt. Es würde nicht mehr auf alles, was nicht "politisch korrekt" ist, eine journalistische Hexenjagd veranstaltet. Die Menschen hätte wieder die Chance, selbständig [...]
Zitat von sysopZeitschriften sterben, US-Zeitungshäuser beerdigen Regionalblätter - und die Zielgruppe lässt das völlig kalt. Viele Leser halten das Modell Presse für überholt. Aber wie würde eine Welt ohne Journalismus klassischer Prägung aussehen? Ein Szenario. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,608592,00.html
Die Menschen würden nicht mehr systematisch verdummt. Es würde nicht mehr auf alles, was nicht "politisch korrekt" ist, eine journalistische Hexenjagd veranstaltet. Die Menschen hätte wieder die Chance, selbständig denken zu lernen und alternative Informationskanäle, wie zum Beispiel Blogs, oder Bürgervereine bekämen eine echte Chance. Kurz, eine sehr positive Aussicht, aber leider wird das nicht klappen, denn Journalisten leben nicht vom Leser oder Werbekunden alleine, sondern es gibt immer Geldgeber, die irgendeine Meinung verbreitet sehen wollen, und Journalisten, die sich dafür bezahlen lassen. Ilja
ayamo 20.02.2009
Sehr richtig. Man hat doch erst kürzlich bei den Wahlen in den USA gesehen was passiert, wenn die Medien sich ohne Sinn und Verstand in einen Kandidaten verlieren und dabei ihre eigentliche Aufgabe kritische Basisinformationen [...]
Zitat von IljaDie Menschen würden nicht mehr systematisch verdummt. Es würde nicht mehr auf alles, was nicht "politisch korrekt" ist, eine journalistische Hexenjagd veranstaltet. Die Menschen hätte wieder die Chance, selbständig denken zu lernen und alternative Informationskanäle, wie zum Beispiel Blogs, oder Bürgervereine bekämen eine echte Chance.
Sehr richtig. Man hat doch erst kürzlich bei den Wahlen in den USA gesehen was passiert, wenn die Medien sich ohne Sinn und Verstand in einen Kandidaten verlieren und dabei ihre eigentliche Aufgabe kritische Basisinformationen zu liefern auf Grund deren man sich seine eigene Meinung bilden kann in den Wind schießen!
kaba06 20.02.2009
Was soll denn an BLOGs besser sein? Oder an Bürgervereinen? Die Qualität der Information sicherlich nicht. Wenn ich mir anschaue, mit was für Informationen "Bürgerinitiativen" agieren, wie viel Märchenstunde dabei ist [...]
Zitat von IljaDie Menschen würden nicht mehr systematisch verdummt. Es würde nicht mehr auf alles, was nicht "politisch korrekt" ist, eine journalistische Hexenjagd veranstaltet. Die Menschen hätte wieder die Chance, selbständig denken zu lernen und alternative Informationskanäle, wie zum Beispiel Blogs, oder Bürgervereine bekämen eine echte Chance.
Was soll denn an BLOGs besser sein? Oder an Bürgervereinen? Die Qualität der Information sicherlich nicht. Wenn ich mir anschaue, mit was für Informationen "Bürgerinitiativen" agieren, wie viel Märchenstunde dabei ist und was für fragwürdige Gesellen da als "Experten" verkauft werden, wird mir Angst und Bange. Und das schon bei relativ harmlosen Themen wie dem Bau einer Landebahn oder eines Kohlekraftwerkes (das übrigens neuerdings gerne in völliger Verkennung der Bedeutung des Wortes als "Kohlemeiler" bezeichnet wird). Übrigens, die Tatsache, dass die Presse diesen Begriff fröhlich und unreflektiert aufgreift, zeigt doch, dass der Einfluss sogenannter "Basisgruppen" schon absurd hoch ist. Und wie die Leute sich eine eigene Meinung über Außenpolitik bilden sollen, ohne eine kritische Presse, idealerweise auch eine Auslandspresse, steht in den Sternen. Nicht umsonst gibt es hunderte Länder in denen die Leute ihre Satelliten auf VOA, BBC, DW oder Al Dschasira einstellen, um sich eine Meinung zu bilden. Aber der deutsche Michel in seiner Borniertheit meint, mit BLOGs und Bürgervereinen könnte man etwas erreichen. An "journalistische Hexenjagden" in Deutschland kann ich mich ehrlich gesagt nicht wirklich erinnern. Aber heutzutage taugen offenbar Eva Herrmann oder "Bischof" Williamson manchem schon zum Märtyrer. Wer öffentlich auftritt und sich dann über die Öffentlichkeit beklagt ist im falschen Bus!
migg 20.02.2009
Massenpresse erfüllt wichtige Aufgaben wie der Bericht uns anhand einiger Beispiele zeigt. Dies ist auch meine Meinung. Ein nettes Beispiel ist auch die wichtigkeit der Presse vor Wahlen. Man stelle sich vor es gäbe keine [...]
Massenpresse erfüllt wichtige Aufgaben wie der Bericht uns anhand einiger Beispiele zeigt. Dies ist auch meine Meinung. Ein nettes Beispiel ist auch die wichtigkeit der Presse vor Wahlen. Man stelle sich vor es gäbe keine Nachrichten zu den Programmen der einzelnen Parteien und Politiker. Wie würde sich das auf die Wahlbeteiligungen auswirken? Ich denke nicht gut. Und was dann? Das es auch "weniger qualitative Zeitungen" auf dem Markt gibt ist auch klar. Die aber muss man ja nicht lesen. Die freie Wahl ist dabei sehr wichtig. Aber auch diese verhelfen den Menschen nicht zur Verdummung. Die Qualität der Informationen aus Blogs ist sicherlich auch nicht besser und daher eine sinvolle Ergänzung zu der herkömmlichen Massenpresse aber definitiv keine Alternative.
Michael_WeCan 20.02.2009
Journalismus der bestimmte Kriterien nach Offenheit erfüllt, könnte, nein sollte vom Staat fianziert werden. Guter Journalismus spart letztlich Kosten, da er meist nicht involviert ist und frei(er) berichten kann. Als [...]
Journalismus der bestimmte Kriterien nach Offenheit erfüllt, könnte, nein sollte vom Staat fianziert werden. Guter Journalismus spart letztlich Kosten, da er meist nicht involviert ist und frei(er) berichten kann. Als Staat würde ich diesen Kostenvorteil durch Verbesserung von neutraler Seite finanzieren, statt die vielen hochbezahlten Fachberater, die viel zu teuer sind.
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