Von Konrad Lischka
Das Geschäftsmodell von Spotify sieht eigentlich so aus: Als Lockangebot gibt es eine Kostenlosversion, bei der regelmäßig Werbung eingespielt wird. Wie das werbefreie Premiumangebot aussieht, kann man mit einer Tagesflatrate für einen Euro testen, ein Abo gibt es für zehn Euro im Monat oder 100 Euro im Jahr.
Deutsche Kunden können Spotify allerdings nicht in der Gratis- oder Tagesvariante testen. Diese Angebote sind, so die Spotify-Mitteilung, "wegen Lizenzeinschränkungen in Ihrem Staat leider nicht verfügbar".
Das könnte eine Schutzbehauptung sein, weil Spotify sich noch nicht mit dem Anzeigenvertrieb in Deutschland übernehmen will. Aber wahrscheinlich sind die Dinge tatsächlich so absurd, wie es in der Mitteilung steht: Die Musikfirmen schreiben einem internationalen Musikdienst Land für Land vor, was sie wie vertreiben dürfen. Schließlich gibt es die Gratisversion von Spotify ja zum Beispiel schon in Schweden, Großbritannien und Spanien.
Dieses nationale Lizenzchaos ist ein Relikt aus der Zeit ohne Internet. Wenn Kaufmusik eine Chance gegen das internationale Raubkopieangebot haben soll, muss die Musikindustrie schleunigst die Länderlizenzen abschaffen, so schwierig das auch sein mag. Denn offensichtlich schaffen es nur Start-ups wie Spotify, überzeugende Online-Angebote zu gestalten.
Damit solche Angebote auch nur den Hauch einer Chance haben, genügend zahlende Kunden zu finden, müssen sie eine möglichst große Zielgruppe erreichen. Für jeden europäischen Staat eigene Lizenzen auszuhandeln und dann für jede Region die dort zugelassenen Vertriebmodelle umzusetzen, dürfte gerade für Start-ups eine erhebliche Hürde sein. Mit solchen Hindernissen, die wenigen Anbieter zu bremsen, die dem illegalen Gratisangebot der Tauschbörsen Konkurrenz machen, ist Schwachsinn.
Diese Erkenntnis setzt sich zurzeit auch bei der Europäischen Kommission durch: Viviane Reding, die Kommissarin für die Informationsgesellschaft und Medienwirtschaft, drängt die Copyright-Branchen, endlich ein europäisches Lizenzierungswesen zu schaffen. Bisher müssen Lizenzen in jeder Region aufs neue zwischen Urhebern, Verlagen, Vertrieben und Verwertungsgesellschaften verhandelt werden. Das Resultat kennen Internet-Nutzer nur zu gut: Bei fast allen attraktiven Multimedia-Diensten aus Übersee heißt es "Wir müssen draußen bleiben".
Auf anderen Social Networks posten:
Die "wenigen Abstriche" finde ich nicht unerheblich. Mit Napster Light kann man Songs nur im WMA-DRM9-Format herunterladen, und Napster To Go scheint nicht mit dem MP3-Player meines Vertrauens (iPod Classic 160GB) [...] mehr...
... als Nachhilfe für die Musikindustrie. In welcher Parallelwelt lebt der Autor denn? Immer hübsch dem Ur-Napster hinterherjammern, aber den neuen Napsterservice gar nicht erwähnen... nuja, dann wär ja auch das Geschichtlein [...] mehr...
Um dem ganzen Download-Gejammere ein Ende zu bereiten: ☛ Medienabgabe (5,– € je PC/MP3-Player weltweit) und sorgenfreier Musikgenuss wäre kein Thema mehr. Da all diese Spielzeuge auch mal kaputtgehen fallen auch ständig [...] mehr...
Die Industrie und ihre Helfer, verkaufen euch für dumm, sie servieren und ihre rührt die Scheiße um, ich brauch sie nicht und ich hab sie nie gebraucht, ich scheiß auf MTV und auf die andern Sender auch! Feige und [...] mehr...
Allerdings, fehlt dann wieder die "optionale" freie Nutzung auch für MP3-player etc. Sobald hier irgendwelche DRM-Mechanismen (Cd-Kopierschutz) eingebaut sind, ist man wieder mit einem Fuß im Knast. im ürbigen [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH