• Drucken
  • Senden
  • Feedback
27.02.2009
 

Nachhilfe für die Musikbranche

So sollten erfolgreiche Musikdienste aussehen

Von Konrad Lischka

3. Teil: Legale Online-Musik ist das digitale Mikronesien

Es könnte so einfach sein bei einem Dienst wie Spotify: Man zahlt 100 Euro im Jahr und hört - Internet-Flatrate vorausgesetzt - zu Hause, im Büro oder bei Freunden, was immer man hören will. Legal, sofort, ohne nervenraubende Suche, Synchronisation und mit einer immer wieder überraschend großen Auswahl auch kleiner deutscher Labels wie zum Beispiel Audiolith.

Aber natürlich funktioniert es so nicht. Gerade einmal zwei Oasis-Songs kann man in Deutschland bei Spotify hören, gar nichts von Poni Hoax oder WhoMadeWho. Das dürfte daran liegen, dass die legale Online-Musikszene heute immer noch an eine digitalen Version der Föderierten Staaten von Mikronesien erinnert. Dieser Staat besteht aus ungefähr 2000 Inseln - und ungefähr genauso unüberschaubar dürfte das Lizenzangebot für Digitalmusik sein.

Wie kompliziert es ist, ein vollständiges und legales Online-Musikangebot zu vertreiben, veranschaulicht Spotify. Ende Januar schrumpfte der Musikkatalog plötzlich. Warum, erklärt Community-Manager Andres Sehr im Firmenblog so: "Leider müssen wir einige Songs aus unserem Katalog entfernen und andere auf bestimmte Staaten beschränken, was sie für einige Nutzer unabspielbar machen dürfte. Das ist nötig, um alle Einschränkungen umzusetzen, die unsere Lizenzverträge mit den Labels vorsehen."

Wie zersplittert das digitale Musik-Angebot ist, merkt jeder, der Songs einer bestimmten Band sucht. Bei iTunes findet man fast alles - zum Kaufen und Downloaden. Bei Streaming-Angeboten sieht es schon anders aus. Ein paar willkürlich ausgewählte Beispiele:

  • Niels Frevert: nichts bei Spotify, sechs Songs bei LastFM, drei bei MySpace
  • Mediengruppe Telekommander: 42 Songs bei Spotify, vier bei LastFM, sechs bei MySpace
  • WhoMadeWho: 30-Sekunden-Schnipsel bei LastFM, nichts bei Spotify, sechs Songs auf MySpace

Natürlich ist es verständlich, dass Plattenfirmen die Kontrolle darüber haben wollen, wo und zu welchem Preis was zu hören ist. Allerdings muss man sich bewusst machen, dass die Konkurrenz zu diesen zersplitterten legalen Angeboten so aussieht: Über eine Suchmaschine wie Pirate Bay findet man in Sekunden Raubkopien so gut wie jedes Songs oder Albums.

Solange man bei Flatrate-Angeboten wie Spotify jeden zweiten Tag eine Lücke (die es im Nachbarland vielleicht gar nicht gibt) entdeckt, die man nur per iTunes-Download schließen kann, wird kaum jemand Geld für eine Musikflatrate zahlen. Solange es nicht so etwas wie eine Globallizenz aller Verwerter für alle Inhalte gibt, wird es auch keine echte Musik-Flatrate geben.

Je undurchsichtiger das Angebot, desto geringer die Bereitschaft der Kunden, eine Pauschale zu bezahlen. Wenn man wie heute erst als Abonnent beim Suchen merkt, wofür man eigentlich bezahlt hat und was man dann doch noch extra anderswo kaufen muss, fühlt sich der Kunde bei jedem Nicht-Treffer ein wenig betroffen. Das frustriert.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 26 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
09.03.2009 von pjebsen: Napster vs. emusic

Die "wenigen Abstriche" finde ich nicht unerheblich. Mit Napster Light kann man Songs nur im WMA-DRM9-Format herunterladen, und Napster To Go scheint nicht mit dem MP3-Player meines Vertrauens (iPod Classic 160GB) [...] mehr...

01.03.2009 von Lazylightning: Nachhilfe für Lischka wäre angebrachter...

... als Nachhilfe für die Musikindustrie. In welcher Parallelwelt lebt der Autor denn? Immer hübsch dem Ur-Napster hinterherjammern, aber den neuen Napsterservice gar nicht erwähnen... nuja, dann wär ja auch das Geschichtlein [...] mehr...

28.02.2009 von pattjackel: Das bekommt keiner in den Griff!

Um dem ganzen Download-Gejammere ein Ende zu bereiten: ☛ Medienabgabe (5,– € je PC/MP3-Player weltweit) und sorgenfreier Musikgenuss wäre kein Thema mehr. Da all diese Spielzeuge auch mal kaputtgehen fallen auch ständig [...] mehr...

28.02.2009 von Zylex: Keine Amnestie für MTV

Die Industrie und ihre Helfer, verkaufen euch für dumm, sie servieren und ihre rührt die Scheiße um, ich brauch sie nicht und ich hab sie nie gebraucht, ich scheiß auf MTV und auf die andern Sender auch! Feige und [...] mehr...

28.02.2009 von Osis: recht ist nicht recht...

Allerdings, fehlt dann wieder die "optionale" freie Nutzung auch für MP3-player etc. Sobald hier irgendwelche DRM-Mechanismen (Cd-Kopierschutz) eingebaut sind, ist man wieder mit einem Fuß im Knast. im ürbigen [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Web

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP