Information ist Information ist Information, das ist das unausgesprochene Google-Credo. Eine Web-Seite mit Journalismus darauf, sei es eine Agenturmeldung oder eine aufwendig recherchierte Reportage, ist auch nur eine Web-Seite - warum also sollte man sie nicht behandeln, wie alle anderen Web-Seiten auch? Das scheint die Logik hinter dem aktuellen Schachzug des Suchmaschinenriesen zu sein: Man werde den Nutzern von Google News in den USA künftig eine "ähnliche Erfahrung" bieten wie den Nutzern der eigentlichen Suchmaschine, schreibt Josh Cohen im offiziellen Google-News-Blog, "indem wir Anzeigen in die Google News Suchergebnisse integrieren".
Eine der zu erwartenden Peinlichkeiten ist offenbar auch schon passiert: Irgendjemand kaufte Anzeigenplatz im Nachrichtenaggregator und platzierte dort den Text "Neueste Nachrichten: Präsident Obama getötet - potentieller Killer ist russischer Spion." Die Anzeige verschwand schnell wieder, zeigt aber deutlich, was möglich ist, wenn automatisch zugewiesene Werbung neben automatisch generierten Nachrichtensammlungen landet.
Diejenigen, deren Nachrichten und Geschichten da automatisch verlinkt werden, sehen Google News schon lange kritisch: Die belgische Zeitungsorganisation Copiepresse ("Le Soir", "Grenzecho" und andere) hat vor Gericht erreicht, dass Google die Erzeugnisse ihrer Mitglieder nicht mehr verlinken darf.
"Suchmaschinen sind nicht die neuen Robin Hoods"
In Frankreich hatte sich die Agentur AFP in einem ähnlichen Verfahren durchgesetzt. Inzwischen, seit September 2007, gehört AFP allerdings einer Gruppe von vier Nachrichtenagenturen - neben AFP, AP, Canadian Press und Press Association - die von Google Geld dafür bekommen, dass ihre Inhalte vom Newsaggregator erfasst und als Volltext angezeigt werden. Schon im Jahr 2006 hatten die Suchmaschinisten erstmals für bei Google News gezeigte Inhalte bezahlt, damals nur an AP.
Den Agenturen, die seit jeher mehr Zulieferer als Endverwerter sind, fällt ein solcher Schritt deutlich leichter als traditionellen Medienhäusern, die auf konkrete Zeitungsmarken setzen. Der internationale Verband WAN (World Association of Newspapers) macht denn auch seit Jahren Front gegen Google News. Anfang 2006 etwa sagte WAN-Präsident Gavin O'Reilly, dass "diese Suchmaschinen vor allem wegen traditioneller Nachrichten- und Inhaltsaufbereiter existieren und auf deren Kosten profitieren". Google, Yahoo und andere seien "definitiv kommerzielle, durchaus profitorientierte Organisationen und nicht die neuen Robin Hoods". Die WAN vertritt nach eigenen Angaben weltweit 18.000 Zeitungen, und zu ihren Mitgliedern gehören auch elf Nachrichtenagenturen und 73 nationale Zeitungsverbände, darunter auch der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger.
Das Angebot von Google News wird seit Jahren ständig weiter ausgebaut. Zuletzt kam die Option hinzu, sich digitalisierte Originalseiten bestimmter Zeitungen anzeigen zu lassen, im Mai 2008 wurde ein News-Mash-up mit dem Digitalglobus Google Earth veröffentlicht. Damit kann man sich die aggregierten Nachrichten ihren Ursprungsorten nach sortiert anzeigen lassen.
Google-Vertreter haben bislang stets eine zweigleisige Argumentation verfolgt: Erstens profitierten die Zeitungshäuser und übrigen Anbieter ja davon, dass ihre Nachrichten bei Google News verlinkt würden - das brächte schließlich Traffic. Und zweitens würde mit Google News ja ohnehin kein Geld verdient. Letzteres stimmt nun nicht mehr.
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