Von Simone Kaempf

Nicholas Negroponte
Der erste PC war noch nicht tauglich für die Massenproduktion, als der Amerikaner vor fünfzehn Jahren am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) eine Forschungsstätte für digitale Kultur gründete. Sein Ziel: in einem Ideen- und Medienlabor ("Media Lab") konkrete Ideen zu entwickeln, wie Computer, Internet und Privatleben zu einem Komplex zusammenwachsen können.
Heute ist Negroponte längst der Trendsetter der Internet-Zivilisation. Das Gespür dafür zu kultivieren, was kommen wird, wurde zum Erfolgsrezept des Media Lab, immer noch der Paradiesvogel unter den großen Forschungszentren für Informationstechnologie. Kein anderes hat sich so geschickt im Umgang mit privaten Geldgebern erwiesen: 150 Firmen, darunter auch die Deutsche Telekom und Bertelsmann, unterstützen die Forschung.
Kein anderes kommt mit abgedrehteren Ideen an, deren praktischer Nutzenaspekt immer im Vordergrund stehen muss. "Jede Idee soll das Leben leichter und schöner machen", sagt Negroponte. Das Forschungsprojekt "Things That Think" etwa hat Blusen hervorgebracht, deren eingewebte Sensoren der Waschmaschine mitteilen, wie heiß sie gewaschen werden können.
Die neue Idee des Media Lab ist die total vernetzte Küche. Der Kühlschrank bestellt übers Internet selbständig Eier nach, eine digitale Körperwaage teilt bei Gewichtszunahme dem Küchen-Computer ein kalorienarmes Rezept mit, und der Backofen erkennt mit einem künstlichen Geruchsnerv, ob der Kuchen noch matschig oder gar schon verbrannt ist. So bleibt die Küche weiter Zentrum des Familienlebens.
Auch in anderen Bereichen bewies Negroponte Aufbruchgeist: Zwanzig kleine Firmen hat er mit Gründungskapital ausgeholfen, dank seiner Hilfe wurde das Magazin "Wired" gegründet. Mittlerweile gehört Negroponte, der sich schon in den sechziger Jahren während seines Architekturstudiums mit Computern zu beschäftigen begann, zum Aufsichtsrat der Motorola-Company.
Für seine innovative Arbeit hat Nicholas Negroponte am Sonntag in Berlin den "01-Award" der Berliner Hochschule der Künste verliehen bekommen. Er ist der zweite Preisträger. Im vergangenen Jahr wurde der Medienkünstler Brian Eno geehrt. Die Auszeichnung ist mit einer Honorarprofessur verbunden: Im Sommer werden Berliner Kunst-Studenten ans Media Lab fahren, um mit Negroponte an neuen Ideen tüfteln.
Der schien am Sonntag in Berlin seiner Zeit schon längst wieder voraus zu sein. "Kühlschränke interessieren mich nicht mehr", erklärte er. Autos seien jetzt sein neues Forschungsobjekt. "Die sind viel interessanter, weil sie viel öfter als Kühlschränke gekauft werden."
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