Von Richard Meusers
Eine der dicksten Säue, die derzeit durchs Medien-Dorf getrieben werden, heißt Cloud Computing. Die wolkige Verheißung dieses schönen Marketing-Begriffes: Anwendungen und Inhalte nicht mehr lokal beim Nutzer vorzuhalten, sondern auf Servern in der Datenwolke des Internet - und sie so weltweit und überall verfügbar zu machen.
Egal ob Wasserdampf oder Daten: Wolken sind mächtige Gebilde, die sich allerdings auch schnell auflösen können
Als Bremse wirken wieder einmal die kritischen Kunden, denn nicht alle fühlen sich mit der Aussicht wohl, ihre Daten irgendwo im Netz abzulegen. Die Sorge vor Datenschutzproblemen lässt manche genauso kritisch auf die Wolkenrechnerei blicken wie auch der Umstand, nicht mehr jederzeit Herr seiner Daten sein zu können.
Was etwa passiert beim Serverausfall? Oder wenn das Angebot schlicht beendet, der virtuelle Lagerschuppen geschlossen wird?
Genau das geschieht nämlich gerade, wenn Suchmaschinist Yahoo und die IT-Firma Hewlett-Packard ihre Online-Speicherdienste schließen. Y! Briefcase macht zum Monatsende ebenso zu wie HP Upline.
Eigentlich ist das Ende beider Dienste nicht sehr verwunderlich. Während HP bei seinem Upline-Service mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, kam Briefcase nie so recht in die Puschen, obwohl es zum Nulltarif angeboten wurde. Wahrscheinlich war die Bedienung zu umständlich. Vielleicht sollten Besitzer großer Datenmengen doch noch für ein Weilchen lieber aufs heimische Backup setzen.
Bundesregierung: Web 2.0 ist gefährlich und böse
Einen erneuten Beweis für das Ausmaß ihrer Medienkompetenz gab die Bundesregierung in einer Antwort des Innenministeriums auf eine kleine Anfrage der FDP. Die hatte wissen wollen, was eigentlich das Gemeinsame Internetzentrum zur polizeilichen Netz-Überwachung so treibe.
Die Überwachung sei schon deshalb nötig, so die Regierungsantwort, weil Web-2.0-Applikationen wie Blogs und Social Networks Brutstätten des terroristischen Islamismus seien. Die Anonymität und leichte Zugänglichkeit böten perfekte Bedingungen für Propaganda und Kommunikation terroristischer Netzwerke.
Damit zeigen die Verantwortlichen in Berlin, dass sie Probleme haben, zwischen den formalen Strukturen eines Mediums und den transportierten Inhalten zu unterscheiden. Immerhin ist bislang noch keine Maßnahme zur Überwachung von Papierherstellern und Druckereien bekannt geworden, nur weil justiziable und kriminelle Inhalte - übrigens schon seit langer Zeit - schwarz auf weiß unters Volk gebracht werden. Auch die permanente Beschattung von Postboten - in der Vergangenheit immer wieder Verbreiter von Briefbomben - wurde bisher nicht beschlossen.
FDP-Innenexpertin Gisela Piltz diagnostiziert denn auch ein grundsätzliches Misstrauen der Regierung gegenüber Onlinemedien. Sie fragt: "Sind also Facebook, StudiVZ, mySpace, YouTube, Flickr und Co. virtuelle Terrorcamps?" Und sie stellt fest: "Die Bundesregierung zeigt in der Antwort vor allem eines: Dass sie den Menschen zutiefst misstraut und insbesondere das Internet mit Argwohn beobachtet. Ein solcher Raum der freien Meinungsäußerung ist der Bundesregierung ... Anlass und Begründung zugleich, die Menschen unter Generalverdacht zu stellen."
Was sich im Laufe der letzten Jahre gleich in mehreren Gesetzen von Vorratsdatenspeicherung bis Online-Durchsuchung manifestierte.
Pirate-Bay-Prozess mit Plädoyers beendet
Am Dienstag sind die Verhandlungen im schwedischen Gerichtsverfahren gegen die Chefs des Bittorrent-Verzeichnisses Pirate Bay wegen "Komplizenschaft bei der Bereitstellung von Raubkopien" mit den Plädoyers zuende gegangen.
Die Staatsanwaltschaft warf den vier Beklagten vor, sie hätten sich an den Rechtsbrüchen ihrer Kundschaft durch Werbeeinnahmen zu Unrecht bereichert. Die Verteidigung brachte hingegen vor, einzig die Nutzer der Webseite hätten sich der Verletzung von Urheberrechten schuldig gemacht. Ihre Mandanten würden lediglich die Webseite mit Informationen zur Verfügung stellen, nicht aber die strittigen, geschützten Dateien selbst.
Bereits diese Argumentation wirkt ein wenig scheinheilig, weil sie auf der Ausnutzung von Lücken in einem veralteten Rechtsystem setzt, anstatt dieses zu reformieren. Aber vor allem ein zur endgültigen Entlastung der Beklagten angeführtes Argument sollte auch Hardcore-Piraten-Fans zu denken geben: Man könne auch Waffenhändler nicht dafür zur Verantwortung ziehen, was ihre Kundschaft nach Erwerb der Handartillerie so alles anstellen würde.
So haben sich die Befürworter des barrierefreien Internet es sicher nicht vorgestellt, dass sie einmal in einem Atemzug mit der Waffenlobby genannt würden. Denn die Argumentation gesteht etwas ein, dass Befürworter der P2P-Bewegung gern leugnen: Dass durch P2P Menschen, respektive deren Rechte in Mitleidenschaft gezogen werden.
US-Regulierungsbehörde: Obama ernennt neuen FCC-Chef
Gestern ernannte US-Präsident Obama einen neuen Chef der Regulierungsbehörde für Funk und Telekommunikation (FCC). Der neue Medienaufseher heißt Julius Genachowski und war schon zuvor Berater des nach Obamas Wahlsieg zurückgetretenen bisherigen Amtschefs Kevin Martin.
Genachowski ist mit dem Präsidenten gut vertraut, beide sind Studienfreunde aus Harvard-Zeiten. Im Wahlkampfteam der Demokraten war Genachowski für die politischen Leitlinien im Technologiebereich zuständig. Die erste Aufgabe des Neuen wird der endgültige Übergang zum digitalen Fernsehen in den USA sein. Eigentlich sollte das endgültig in diesem Jahr über die Bühne gehen, aber immer wieder hatten technische Probleme und politische Einsprüche zu Verzögerungen geführt.
Googles Eric Schmidt: Twitter ist E-Mail für Arme
Googles Ober-Suchmaschinist Eric Schmidt hat sich mit einer bösen Bemerkung über den derzeit mit gewaltigem Bohei gefeierten Microbloggingdienst Twitter zu Wort gemeldet. Auch wenn Google zuletzt angeblich Interesse an einem Erwerb des 140-Zeichen-Service gezeigt hatte, kanzelte Schmidt Twitter als " E-Mail für Arme" ab.
Vor den versammelten Zuhörern der Morgan-Stanley-Technologiekonferenz in San Francisco begründete er diese wenig schmeichelhafte Einschätzung auch. Der textbasierte und eng auf 140 Zeichen limitierte Service könne kaum mit den Möglichkeiten und Speicherkapazitäten eines hochentwickelten E-Mail-Systems verglichen werden. Außerdem verfüge Google bereits über ein sehr erfolgreiches Instant-Messaging-Angebot.
Freilich, so der Google-CEO, würde er diese Aussagen nur als Informatiker machen. Inwieweit das Potential Twitters, als eine Art inhaltliche Echtzeit-Suchmaschine zu fungieren, die widerspiegelt, welche Themen gerade in der Welt aktuell sind, Googles Revier berührt, dazu schwieg Schmidt.
Gemein: Apple nimmt die Fernbedienung weg
Krisenzeiten sind sparsame Zeiten, also wird's ein wenig ungemütlich. Drum gibt es für die neuen Desktoprechner des Unterhaltungselektronikers aus Cupertino auch keine Apple Remote mehr.
Wer trotzdem sein Front Row ohne übermäßige Bewegung bedienen will, wird nun mit 19 Euro extra zur Kasse gebeten. Oder verwendet einfach die übriggebliebene Remote eines älteren Macs. "Genug unbenutzte dürften inzwischen weltweit herumliegen", glaubt " Macnews".
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