Von Richard Meusers
Vergangene Woche tagte wieder einmal die Internetverwaltung Icann - eine Art Straßenverkehrsamt des Internet - und beriet über die Schaffung neuer Top-Level-Domains. Neben Länderkürzeln und Behördenkennungen trugen sich die Netzhüter mit dem Gedanken, auch Bezeichnungen für die verschiedenen Weltreligionen einzuführen. Im Gespräch waren Domains wie .catholic, .islam oder .buddhist.
Keine gute Idee, findet der Vatikan. Denn die Wahrscheinlichkeit für religiöse Streitigkeiten und Auseinandersetzungen, wer welche Benennung benutzen dürfe, sei außerordentlich hoch. In einem Brief an den Icann-Chef Paul Twomey argumentierte Rom, religiöse Kennungen würden gegen den Geist der Neutralität verstoßen, der bislang die "weise Politik" der Icann geprägt habe. Der sei aber nicht mehr gegeben, wenn entschieden werden müsse, wer das Recht erhalte, im Internet quasi mit Alleinvertretungsanspruch die Tradition eines bestimmten Bekenntnisses zu repräsentieren.
Dass dem Vatikan so etwas nicht liegt, war bisher gar nicht aufgefallen. Trotzdem: Wer sich ausmalt, zu welchen Zerwürfnissen es allein über die Frage kommen könnte, ob zum Beispiel Sunniten oder Schiiten die bedeutungsschwere Endung ".islam" für sich beanspruchen dürfen, kann dem frommen Ansinnen der römischen Gottesmänner nur zustimmen. Auch beim Streit um ".catholic" müsste sich Rom dann mit mindestens 18 weiteren katholischen Kirchen auseinandersetzen, deren Existenz der Vatikan teils nur zähneknirschend zur Kenntnis nimmt.
Vielleicht wäre die Icann wirklich besser beraten, die Finger vom Thema Religion und den damit verbundenen Heils-, Friedens- und Harmoniebotschaften zu lassen. Das gibt nur Streit.
Norwegischer Staatsfunk mit eigenem Bittorrent-Tracker
Während die Öffentlichkeit noch gespannt auf die Urteilsverkündung im schwedischen Pirate-Bay-Prozess wartet, schlägt man sich im Nachbarland mit solchen Sorgen nicht herum. Dort ist die Bittorrent-Technologie kein Verdachtsmoment für Piraterie, sondern dient zur Verbreitung hochoffiziöser Inhalte.
Norwegens staatliche Rundfunkgesellschaft NRK will ihre Programme möglichst flächendeckend und preiswert unters Volk bringen und spricht dabei auch die Netzgemeinde an. Dazu wurde ein eigener Torrent-Tracker eingerichtet, der launigerweise auf exakt derselben OpenTracker-Software basiert, wie sie auch jahrelang von Pirate Bay genutzt wurde. "Indem wir Bittorrent nutzen, erreichen wir unser Publikum mit hochqualitativen und unverschlüsselten Mediendateien. Für unsere eigenen Inhalte sind wir auch die besten Lieferanten", so NRK zu "Boingboing".
Mark Zuckerbergs Twitter-Accounts: Testen vor dem Kauf?
Wollte er vor dem Kauf nur mal üben? Die Frage liegt nahe, seit jetzt herausgekommen ist, dass Facebook-Chef Mark Zuckerberg schon seit Mai vergangenen Jahres insgeheim einen Twitteraccount nutzte. Allerdings nicht sehr oft, die Adresse "@zuck" dümpelte zumeist vor sich hin.
Bis Zuckerberg vor einem Monat einen weiteren Account "@finkd" einrichtete, bei dem sich andere Twitter-Nutzer auch als Follower eintragen können. Jedoch blieb auch dies solange verborgen, bis der Account durch das Ergebnis einer Twitter-Suchanfrage nach Zuckerberg bekannt wurde, so "Venturebeat".
Angesichts der zuletzt um sich greifenden Promi-Fake-Accounts fühlte sich Zuckerberg offensichtlich bemüht, zu zwitschern, dass er es selbst sei: "Ja, hier ist der echte Mark Zuckerberg."
Das hatte allerdings auch der Twitter-Klon des hessischen SPD-Kandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel im Wahlkampf von sich behauptet. Zum Glück war der dann zwar schnell origineller als das Original, aber doch als Fälschung aufgefallen.
Erst nach der gescheiterten Wahl fiel dagegen auf, dass er zumindest auch originärer war als das Original: Während der ganz offiziell falsche Schäfer-Gümbel seine Beiträge selbst twitterte, ließ der originale Schäfer-Gümbel seine Beiträge von jemand ganz anderem twittern, der aber als der originale Schäfer-Gümbel auftrat. In Wahrheit hatten also zwei gefälschte Schäfer-Gümbels getwittert, einer davon aber immerhin im Auftrag des Originals. Sehr verwirrend, die Politik 2.0.
Gmail darf in der Schweiz jetzt Gmail heißen
Gmail gehört zu Google, gar keine Frage. Oder?
Durchaus nicht, denn es kommt darauf an, wo man den Begriff gebraucht. Hierzulande hält eine Hamburger Firma die Namensrechte an Gmail. Der deutsche Unternehmer Daniel Giersch hatte sich die vor mehreren Jahren gesichert und in Deutschland und der Schweiz eintragen lassen, um unter diesem Namen weltweit Maildienste anzubieten. Die Registrierung geschah einige Monate bevor Google seinen Maildienst öffentlich vorstellte.
Während Giersch mit diesem Schritt in Deutschland Erfolg hatte und bis heute den Gebrauch des weltweit üblichen Namens für Googles Maildienst verhindert, ist er in der Schweiz damit nun juristisch gescheitert. Google hatte mit der Begründung geklagt, Giersch habe sich den begehrten Domainnamen von Google nur ordentlich versilbern lassen wollen. Eine Auffassung, der das Zürcher Handelsgericht nun folgte und den Markeneintrag des Deutschen für nichtig erklärte.
Das Gericht nahm Giersch die Gebrauchsabsicht am Namen Gmail nicht ab. Angesichts des großen Interesses von Google, seinen E-Mail-Service weltweit und damit auch hierzulande unter einem einheitlichen Namen anzubieten, wirkt der von den Richtern auf umgerechnet knapp 70.000 Euro festgelegte Streitwert niedrig. Giersch muss die Gerichtsgebühren zahlen und den Rest der Summe an Google.
Lexikon zur inneren Sicherheit: Schäuble-Deutsch-Schäuble
Um den gemeinen Bürger zu verwirren, verstecken Gesetzgeber und Bürokraten ihre wahren Absichten gerne hinter einem Wall aus völlig unverständlichen Wörtern. Das gilt auch für die mittlerweile zahlreichen Gesetze und Verordnungen, die sich seit Jahren zum Thema innere Sicherheit aus dem Innenministerium ergießen. "Zeit Online" bietet jetzt ein kleines Wörterbuch, das die geläufigsten Nebelkerzen aus dem Schäublekatalog in klares Deutsch übersetzt.
Kleine Kostprobe zum Begriff "E-Pass": "Ist der Versuch, alles biometrisch auf dem P. zu speichern, was einen Menschen jederzeit eindeutig identifizierbar macht. Mit dem Ziel, so schnell wie möglich so viel wie möglich über ihn zu erfahren. Müsste daher eigentlich Überwachungspass heißen, somit Ü-Pass."
Jetzt noch resistenter: Conficker-Wurm mit Upgrade
Die unbekannten Macher des Conficker-Wurms, der schon ganze Behörden und Militäreinrichtungen lahmlegte, haben jetzt ihre Malware noch gefährlicher gemacht. Wie Symantec meldet, attackiert die überarbeitete Version nun gezielt Antiviren-Programme, damit der Wurm gar nicht erst entdeckt oder gar entfernt werden kann. Auch die Spam-Wütigkeit hat erheblich zugenommen. Während der Wurm bisher gleichsam mit angezogener Handbremse agierte und pro Tag nur bis zu 250 Adressen zu infizieren suchte, greift die neue, aggressive Variante nun bis zu deren 50.000 an. Bislang seien nur einige wenige Rechner von der neuen Wurmversion befallen, das Ziel der Entwickler scheint vorerst mehr darin zu bestehen, die bereits infizierten Computer mit ihrer Fortentwicklung zu beglücken, als neue Rechner einzubeziehen.
Außerdem:
Open Source: Französische Gendarmerie spart 50 Millionen
Jetzt mit Gangschaltung:
Ab Windows 7 kann der IE wieder deaktiviert werden
Ungewollte Öffentlichkeit:
Datenschutzverletzung bei Google Docs
Sensibles E-Paper:
US-Forscher entwickeln biegsame Touchscreens
Schweiz: Erfolgreiche Verbrecherjagd mit Facebook
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
| alles zum Thema Netzticker | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH