Von Sebastian Wieschowski
Der deutsche Buchhandel hat den kalten Krieg gegen den möglicherweise kopierwütigen Teil seiner Kundschaft eröffnet: Zur Einführung elektronischer Bücher auf der Leipziger Buchmesse hat er vorsorglich massenhaft Klagen gegen Raubkopierer angekündigt.
"Wir werden in aller Schärfe gegen den illegalen Download, gegen den Diebstahl im Internet, vorgehen" und "die Gerichte mit Tausenden von Verfahren beschäftigen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse am Donnerstag. "Die Politik zwingt uns zu diesem Schritt." Sie neige zur Bagatellisierung dieses "organisierten Verbrechens".
Damit finden sich nun nach Musik- und Filmfreunden endlich auch die Bücherwürmer per Generalverdacht zu potentiellen Kriminellen geadelt. Freuen dürfte die martialische Drohung auch die Staatsanwaltschaften, bei denen schon einige Zehntausend Anzeigen und Klagen gegen P2P-Nutzer, die sich via Internet mit Musik eingedeckt haben, auf Halde liegen. Abgearbeitet wird von diesem Aktenberg, der allein reichen würde, die deutschen Gerichte mehr als hinreichend auf Jahre zu beschäftigen, kaum noch etwas: In mehreren Bundesländern verweigern die Staatsanwaltschaften seit Monaten die Bearbeitung.
In Leipzig machten die Buchhandelsvertreter jedenfalls klar, dass sie aus den Fehlern der Musik- und Filmbranche gelernt haben. Sie wissen bereits, wie sie den zu freigiebigen Teilen ihrer Kundschaft an die Gurgel gehen können: Um die Internet-Nutzer, die sich strafbar machen, ausfindig zu machen, solle "der Auskunftsanspruch auf den konkreten Namen des illegalen Down- oder Uploaders" genutzt werden, sagte Skipis.
Bevor ein Strafverfahren eingeleitet wird, solle der Nutzer ein oder zwei Verwarnungen per E-Mail erhalten. Wenn er dann immer noch Bücher illegal aus dem Internet herunterlade, bleibe nur die Klage. "Provider verweigern sich der Zusammenarbeit, und die Politik handelt nicht." Effektiv sei auch die Sperre des Internet-Zugangs für einen bestimmten Zeitraum. Untersuchungen in anderen Ländern hätten ergeben, dass 80 Prozent der Bestraften das Raubkopieren dann bleiben lassen.
Die Dimension der Raubkopie von Musik, die im Geschäftsjahr 2004/05 angeblich etwa sechs Milliarden Euro Schaden angerichtete habe, solle sich bei den Büchern nicht wiederholen, sagte Skipis weiter. "Wir können momentan noch nicht sagen, wie viel Schaden das anrichtet. Für uns geht es aber schon jetzt in die Millionen. Unsere Branche spürt das." Kleine und mittlere Wissenschaftsverlage würden vom Markt verschwinden. "Wenn ein Verlag stirbt, wird es auch das kulturelle Angebot nicht mehr geben. Das hat eine gesellschaftliche Relevanz, die leider bei der Politik nicht angekommen ist."
Zur Legalisierung des Herunterladens von E-Büchern setzt der Buchhandel auf die zentrale Online-Plattform libreka!. Dort gebe es bereits mehr als 30 Millionen Buchseiten - ein Bücherberg wäre so hoch wie die Zugspitze. "Wer da nicht dabei ist, hat das Rennen verloren", sagte Skipis. "Möglicherweise steht unsere Branche vor einem Umbruch, so wie Gutenberg es vor über 500 Jahren angerichtet hat." In den elektronischen Bücher solle ein Wasserzeichen hinterlegt werden, mit dem immer nachvollzogen werden könne, wer das Dokument nutzt.
pat/dpa
SchülerVZ macht Winnenden-Gruppe dicht - wegen Gaffern
Bis gestern Vormittag war StudiVZ der Treffpunkt für ein paar Dutzend Teenager aus Winnenden, um dort ihre Samstagabendplanung abzustimmen: "Was geht'n heut abend in Winnenden...?" heißt eine Gruppe, das erklärte Ziel lautet "Für mehr Party in Winnenden". Inzwischen treffen sich die Schüler der Albertville-Realschule im Internet, um zu trauern - und Hunderte Schaulustige gesellen sich dazu. Die Diskussionsgruppe zur Realschule, die am Morgen noch rund 100 Mitglieder hatte, war innerhalb weniger Stunden auf 450 Teilnehmer angewachsen.
Als das Ausmaß des Amoklaufs gegen Mittag deutlich wurde und Medienvertreter versucht hatten, Schüler über das Netzwerk zu kontaktieren, zog StudiVZ die Notbremse - und sperrte die Gruppe.
Zwar wurden neue Mitglieder nicht aus der Gruppe entfernt, ein Zugriff auf Diskussionen oder die Mitgliederliste ist jedoch nicht mehr möglich. Auch das Profil des Amokläufers soll bei SchülerVZ verschwunden sein, will ein VZ-Themenblog erfahren haben. Bei MySpace ist die Seite eines 17-jährigen Nutzers namens "Tim K." ebenfalls verschwunden.
Die Betreiber von StudiVZ gaben folgende Stellungnahme ab: "Die Entscheidung zur Sperrung sämtlicher Inhalte, die dieses Themas betreffen, haben wir auf Unternehmensebene getroffen im Sinne des Opferschutzes. Es wurden keinerlei Inhalte und Informationen gelöscht, sondern lediglich gesperrt. Der Täter hatte - soweit wir aktuell wissen - kein Profil bei uns."
Australischer Bundestrojaner: Polizei soll hacken dürfen
Wenn es nach dem Provinzparlament von New South Wales geht, soll die Polizei des australischen Bundesstaates die Erlaubnis bekommen, sich aus der Ferne in Computer einzuhacken, ohne dass der Besitzer etwas davon mitbekommt.
Der australische "Bundestrojaner" ist Teil eines ganzen Maßnahmenpakets, mit dem die Polizei bei Ermittlungen zu besonders schweren Straftaten besser ausgestattet werden soll - insbesondere erhoffen sich die Ermittler größere Fahndungserfolge bei Kinderpornographie, Geldwäsche, Drogenverkauf oder Waffenhandel.
Noch wurde der Gesetzesentwurf von den Parlamentariern nicht angenommen. Zudem müssen einige Bedingungen erfüllt sein, damit Polizisten zu Hackern werden können - beispielsweise ist eine höchstrichterliche Genehmigung notwendig. Der Zugang zu verdächtigen Rechnern ist zuerst auf sieben Tage beschränkt und kann auf 28 Tage, in Ausnahmefällen auch länger, erweitert werden. Die Frist für die Benachrichtigung der Computerbesitzer beträgt zwei bis drei Jahre.
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