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05.04.2009
 

Google-Suchergebnisse

Hirn schlägt Maschine

Von Holger Dambeck

Der Siegeszug von Google scheint unaufhaltsam - doch die vermeintlich allmächtigen Algorithmen der Suchmaschine haben Schwächen. Mit Tricks optimieren Web-Seiten-Betreiber die Trefferlisten. Es gibt einen Ausweg: den denkenden Menschen.

Sergej Brin und Larry Page hatten einen Traum. Sie wollten eine Suchmaschine erschaffen, die die Relevanz von Web-Seiten allein mit Formeln berechnet. Mitte der neunziger Jahre feierten handbestückte Web-Kataloge Hochkonjunktur. Seiten wie Yahoo ähnelten in ihren Anfängen am ehesten den Gelben Seiten: Hier die PCs, dort die Nachrichten.

Die Google-Gründer glaubten jedoch an ein anderes Konzept zum Ordnen des rasant wachsenden WWW. Was wichtig ist und was nicht - das sollte ein Algorithmus entscheiden und nicht ein Mensch, der ja ohnehin das ganze Internet nie und nimmer erfassen kann.

So erfanden Brin und Page das Page-Rank-Verfahren und starteten die Suchmaschine Google. Die Idee dahinter: Über die Relevanz einer Seite entscheiden allein die Links, die von anderen Webseiten zu ihr führen. Zudem erbt eine Seite einen Teil des Page-Ranks der Seite, von der ein Verweis zu ihr zeigt. Der Begriff Linkpopularität umschreibt sehr gut, was beim Page-Rank-Verfahren passiert.

Die Idee der Google-Gründer feierte gigantische Erfolge. Google dominiert heute unangefochten den Suchmaschinenmarkt. Aus Anfangs ein paar Millionen Web-Seiten im Google-Index sind mittlerweile etwa 30 Milliarden geworden - und auch damit kommt der Algorithmus zurecht.

Allerdings hat sich das Internet in den vergangenen Jahren entscheidend verändert: Weil es bares Geld wert ist, in den Google-Trefferlisten ganz oben aufzutauchen, tun Web-Seiten-Betreiber alles, um ihre Angebote für Google zu optimieren - und kratzen so an der inhaltlichen Glaubwürdigkeit der Suchergebnisse.

Haben Sie schon mal nach Begriffen wie "Filmkritik" oder "DVD kaufen" gesucht? Tun Sie es lieber nicht, denn die Trefferlisten sind höchst befremdlich. Die wichtigste Seite zum Thema Filmkritik ist laut Google filmkritiker.info. Die letzte Aktualisierung der Seite liegt allerdings schon Monate zurück. Als Film der Woche wird "Mamma Mia!" angepriesen - mit Start am 17.07.2008. Das ist erstaunlich, fließt doch nach Google-Angaben auch die Häufigkeit der Aktualisierung mit in die Trefferlistenberechung einer Seite ein - neben 200 bis 300 weiteren Faktoren.

Warum aber schafft es diese Seite auf Platz eins? Offenbar vor allem deshalb, weil eine Vielzahl anderer Web-Seiten auf sie verlinken - und Links bekanntlich die Währung sind, die im Internet zählt. Wie viele solcher Verweise es tatsächlich sind, sollte sich eigentlich mit Google selbst recherchieren lassen. In der erweiterten Suche findet Google genau 28 Verweise auf die Filmkritikerseite. Das ist freilich nur die Spitze des Eisbergs. Der Yahoo Site Explorer, mit dem viele Suchmaschinenoptimierer arbeiten, meldet 7948 Links, davon immerhin 1419 von anderen Domains. Damit wird klar: Die Web-Seite wird massiv mit Links gepusht, damit sie im Ranking weit oben auftaucht.

Ähnlich absurd wirkt die Trefferliste bei "DVD kaufen". Auf Platz eins landet die Seite digitalvd.de. Sie bietet Preisvergleiche und Kurzkritiken, ein eigener Shop fehlt jedoch. Surfer, die etwas kaufen wollen, werden auf andere DVD-Portale weitergeleitet, die Provision für das vermittelte Geschäft kassiert digitalvd.de.

Dass die Seite bei Google so weit oben auftaucht, ist Ergebnis einer "guten Programmierung", wie der Betreiber Patrick Fiekers im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt, und der vielen Links, die auf digitalvd.de zeigen. Es sind laut Yahoo Site Explorer mehr als 35.000. "98 bis 99 Prozent davon wurden ohne unser Zutun gesetzt", sagt Fiekers. Ansonsten habe man Links mit anderen Website-Betreibern getauscht.

Fiekers weiß genau, wie man in den Trefferlisten nach oben kommt. Er betreibt Suchmaschinenoptimierung - auch SEO genannt - als Geschäft, nicht nur für seine eigene DVD-Seite. Und so kommt es, dass eine Web-Seite, die selbst keine DVDs verkauft, von Google für wichtiger gehalten wird als große Web-Shops à la Amazon.

Wobei Suchmaschinenoptimierung als Begriff zu ungenau ist - Google-Optimierung trifft die Sache wesentlich besser. Denn bei Microsofts Suchmaschine live.com und der Yahoo-Suchmaschine search.yahoo.com sehen die Trefferlisten nach den selben Suchbegriffen etwas anders aus. filmkritiker.info landet jeweils auf Rang drei, digitalvd.de schafft es bei bei live.com nur auf Position sechs und bei Yahoo nicht mal unter die Top Ten.

Die am wenigsten durch SEO manipulierten Ergebnisse bekommt man offenbar bei wissenschaftlichen Themen. Sobald es aber um Dinge geht, mit denen Geld verdient wird, haben die Google-Trefferlisten weniger mit Relevanz zu tun - dafür umso mehr mit Suchmaschinenoptimierung und massenhaft plazierten Backlinks.

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insgesamt 12 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
06.04.2009 von tl-hd: ...

Und das ist auch gut so. Es klingt zwar auf den ersten Blick unfair, sich die Links auf die eigene Seite zunutze zu machen und gleichzeitig ausgehende Links mit "no follow" zu kennzeichnen, aber würden Wikipedia-Links [...] mehr...

06.04.2009 von spikher: Wikipedia

Wikipedia nutzt das System der "no follow tags". D. h. wer dort verlinkt ist, kommt nicht in den Genuss eines verbesserten Rankings. Es wird absichtlich unterdrückt. Umgekehrt macht sich Wikipedia die freundliche Haltung [...] mehr...

06.04.2009 von tl-hd: google-bashing?

Irgendwie hab ich das Gefühl, dass der Artikel nur geschrieben wurde, um Google herunterzumachen. Damit will ich nicht sagen, dass alles an Google gut ist. Aber viele der angesprochenen Probleme liegen nicht allein bei Google und [...] mehr...

06.04.2009 von robert99: Google, nein Danke.

Der Artikel greift doch nicht die SEOs an. Was soll diese Sensibilität? Es wird schlicht festgestellt, dass google seine Gewichtung immer stärker weg von Service hin zum Geldverdienen lenkt. Das Google mit über 90% bestimmt wer [...] mehr...

06.04.2009 von GM64: Wikipedia und Google sind nur bedingt zuverlässig

Aber dafür braucht man keinen Artikel, das merkt man schnell. Schon seit vielen Jahren. In die Wikipedia schreiben nur gewisse Leute und die haben alle eine Weltanschauung die in den Artikeln dann ausgebreitet wird. Man muss da [...] mehr...

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