Samstag, 21. November 2009

Netzwelt



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20.03.2009
 

Netzwelt-Ticker

Wikileaks schlägt zurück

Von Sebastian Wieschowski

Das Enthüllungs-Netzwerk Wikileaks droht dem australischen Kommunikationsminister Stephen Conroy mit einer Klage nach schwedischem Recht. Außerdem im Überblick: Rebellion gegen das neue Facebook, und die britische Regierung investiert trotz massiver Kritik munter in "Second Life".

Als gestern die vermeintliche Internetseiten-Sperrliste seiner Regierung auf Wikileaks auftauchte, polterte der australische Kommunikationsminister Steven Conroy gegen das Whistleblower-Netzwerk : "Es ist nicht die echte Blacklist", stellte Conroy unmissverständlich klar und verdammte Wikileaks als "grob unverantwortlich". Die Urheber der Liste müssten mit Strafverfolgung durch die australische Bundespolizei rechnen, kündigte Conroy an. Doch inzwischen droht Wikileaks zurück - und zwar dem australischen Kommunikationsminister mit juristischen Schritten.

Indiskretions-Newsseite Wikileaks: Schlagabtausch mit der australischen Regierung
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Indiskretions-Newsseite Wikileaks: Schlagabtausch mit der australischen Regierung

Die Betreiber von Wikileaks richten sich aus Stockholm mit drastischen Worten an den australischen Minister: "Wikileaks an Conroy: Wenn Sie unsere Quelle verfolgen, werden wir Sie verfolgen", ist die Mitteilung überschrieben. Der Fall werde vom höchsten schwedischen Gericht verfolgt werden, kündigen die Wikileaks-Macher an. Conroy ist nach ihrer Einschätzung "verantwortlich für die australische Internetzensur". Der Minister schätze zudem laut Wikileaks die rechtliche Situation völlig falsch ein.

Denn nach schwedischen Gesetzen genießen geheime Presse-Quellen einen besonders hohen Schutz. Und wer die Anonymität von verdeckten Hinweisgebern auflöst, müsse mit Strafverfolgung rechnen. Wikileaks habe die australische Internet-Sperrliste in Schweden erhalten und von einem schwedischen Rechner aus ins Internet eingestellt.

Auslöser für den Konflikt war eine angeblich hochoffizielle Sperrliste mit 2395 Internet-Seiten, die auf dem Portal Wikileaks aufgetaucht war. Die Liste enthält neben Kinder-Pornoseiten auch die Adressen von Internet-Glücksspiel-Seiten, Fetisch-Angeboten und YouTube-Links. Merkwürdig: Auch die Seite eines Reiseanbieters sowie eines Zahnarztes aus Queensland waren auf der Liste der Seiten verzeichnet, die von der australischen Regierung verbannt werden sollten. Wikileaks behauptet, dass es sich bei der Zusammenstellung um eine Liste handelt, die von der Australian Communication and Media Authority (ACMA) bei bisherigen Tests ihres berüchtigten Internet-Filters genutzt wird.

Australien war vor wenigen Tagen von der Organisation Reporter ohne Grenzen wegen bedenklicher Trends hin zu staatlicher Zensur unter "besondere Beobachtung" gestellt worden. Die Journalistenorganisation hatte in ihrer Studie "Feinde des Internet" zwölf Nationen, die den Fluss der Information massiv behindern angeprangert sowie zehn weitere Nationen unter Beobachtung gestellt, weil dort starke Trends zu Zensur und anderen Behinderungen der Pressefreiheit im Netz festzustellen seien.

Verdiente sich Betrüger eine goldene Nase mit Apples Umtausch-Garantie?

Das Geschäftsmodell des 23-jährigen US-Amerikaners schien bombensicher: Er hatte einen Weg gefunden, um Tausende gültige Seriennummern von noch garantiefähigen iPod-Shuffle-Geräten zu erraten, die er selbst gar nicht besaß. Mit diesen Seriennummern meldete sich der Betrüger auf der Apple-Garantie-Webseite an und forderte Ersatzteile wegen angeblicher Defekte an, um diese in defekte Geräte einzubauen.

Inzwischen ist der Reparatur-Scam aufgefallen und der Betrüger steht im US-Bundesstaat Michigan vor Gericht. Für 49 Dollar sollen die runderneuerten iPods über den Ladentisch gegangen sein, etwa 9000 illegale Verkäufe legt ihm die Staatsanwaltschaft zur Last. Der iPod-Reparierer soll zudem Verpackungen von iPods, die außerhalb der Garantiezeit lagen, mit garantiefähigen Verpackungen ausgetauscht haben und so nicht mehr garantiefähige iPods zur Reparatur eingeschickt haben.

Amazon werkelt angeblich an MP3-Angebot für Deutschland

Konkurrenz für iTunes und Musicload? Amazon soll laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" noch vor Ostern einen deutschen Ableger seines MP3-Downloaddienstes "Amazon MP3" eröffnen. Seit dem Jahreswechsel ist das Angebot in Großbritannien verfügbar, in den USA können Internetnutzer über Amazon bereits seit September 2008 Musik herunterladen.

Zwei Millionen Songs von über 180.000 Künstlern und über 20.000 großen und kleinen Plattenfirmen waren zu Beginn verfügbar, die Alben der Top 100 werden für 8,99 US-Dollar angeboten. Die Musik kann ohne DRM von der eigenen Festplatte und auf weiteren MP3-fähigen Geräten abgespielt und weitergegeben werden.

94 Prozent hassen es: Rebellion gegen das neue Facebook

Zuerst die neuen AGBs, jetzt das neue Design - bekommt Facebook mal wieder Probleme mit dem kollektiven Willen seiner Nutzer? Der gestalterische Frühjahrsputz der Facebook-Übersichtsseite scheint in der Community zumindest nicht auf Gegenliebe zu stoßen: Von 800.000 befragten Nutzern haben sich bei einer Abstimmung im Sozialen Netzwerk satte 94 Prozent gegen die Veränderungen ausgesprochen.

In den Kommentaren unter der Abstimmung sammeln sich die Wehklagen: "Bei mir hat's verschissen. Früher war es besser", schreibt einer. "Geben Sie uns das alte Design zurück", fordert ein anderer. In der Gruppe "People Against The New Facebook System" haben sich unterdessen rund 265.000 Mitglieder versammelt.

Mit der Neugestaltung der Hauptseite können Facebook-Mitglieder ab sofort in Echtzeit erfahren, wer aus ihrem Bekannten- und Freundeskreis gerade was denkt, kommentiert, im Web entdeckt, gekauft, gehört, gesehen hat. Bislang aktualisierte Facebook die zentrale Nachrichtenseite nur alle 10 bis 15 Minuten, nun soll das ständig passieren.

Britische Regierung glaubt an Profit bei "Second Life"

SEBASTIAN WIESCHOWSKI


... Zeitungsbastler seit Kindertagen und Schleswig- Holsteiner aus Leidenschaft, landete nach Abi und Zivildienst an der Kölner Journalistenschule und lebt und schreibt inzwischen im ICE zwischen der Katholischen Uni in Eichstätt (Bayern) und dem norddeutschen Heimatdorf.
Nur zur Erinnerung: Second Life ist diese virtuelle Parallelwelt, die Anfang 2007 von vielen Medien entdeckt und hochgejazzt wurde. In der folgenden Hysterie kamen Millionen neuer Nutzer meist genau einmal vorbei und verschwanden gleich wieder auf Nimmerwiedersehen, weil sie den Kram doch langweilig fanden. Als letzte bemerkten das die Unternehmen, Organisationen und Regierungen, die in der virtuellen Einsamkeit vergeblich auf Besucher warteten. Inzwischen haben die meisten von ihnen ihre Inseln planieren oder ihre Geschäfte verwaisen lassen. Ein Geschäftskunde des "Second Life" glaubt dennoch weiter an den Erfolg in der Parallelwelt: Die britische Regierung.

Auf der "echten" Insel ist jetzt ein Streit darüber entbrannt, ob weiter Steuergelder für "Second Life"-Aktivitäten verbrannt werden sollen. Die Regierung hatte ein "Innovations Centre" eingerichtet, dessen Bau mit 20.000 Pfund zu Buche schlug. Hinzu kommen weitere 12.000 Pfund pro Jahr für den Betrieb.

In einer parlamentarischen Aussprache platzte dem konservativen Abgeordneten Nick Hurd der Kragen: "Die Regierung lebt in einer Phantasiewelt", schimpfte Hurd. Regierungsvertreter verteidigten das britische Engagement in "Second Life" - langfristig könne es sogar Gewinn abwerfen, lautet die Prognose. Im virtuellen Schauraum des "Innovations Centre" könnten sowohl Regierungsstellen als auch kommerzielle Unternehmen technologische Innovationen vorstellen. Die kühne Prognose der Regierung: Technologie-Treffen könnten online abgehalten werden, um Geld zu sparen.

Der Geldregen in "Second Life" hat sich allerdings noch nicht eingestellt. Denn noch sind die Briten fleißig mit der Entwicklung beschäftigt. Zugang zum "Innovations Centre" haben deshalb nur die Firmen, die sich an der Entwicklung beteiligt haben. Vorerst wird das Zentrum auch nicht für die virtuelle Öffentlichkeit geöffnet, bevor das erste Zwischenfazit gezogen wurde. Und das ist für 2011 geplant. Mal schauen, ob dann noch eine virtuelle Öffentlichkeit da ist.

Fairerweise muss man allerdings sagen: Heute halten sich im Schnitt drei bis viermal so viele Menschen gleichzeitig in "Second Life" auf wie Anfang 2007, tot ist die virtuelle Welt bislang keineswegs. Das Unternehmen macht eigenen Angaben zufolge sogar Profit - was man von vielen anderen Netz-Start-Ups nun wirklich nicht behaupten kann.

Cadillac: Jetzt auch W-Lan im Auto

Fernseher, Ledersitze, Surround-Sound - spätestens seit "Pimp my Ride" wissen auch Auto-Amateure, was sich so alles in einem motorisierten Gefährt verbauen lässt. Um auch finanzkräftigen Nerds den nötigen Fahrkomfort zu ermöglichen, bietet Cadillac ab sofort den Einbau eines W-Lan-Routers in seine Luxuskarossen an.

Für 499 Dollar wird das Empfangsgerät, stilecht in schwarzer Klavierlack-Optik mit Cadillac-Emblem, in das Auto eingebaut. 29 Dollar kostet die Datenverbindung im Monat. Cadillac setzt die Innovation nach mehrjähriger Marktforschung um - besonders interessant soll das W-Lan demnach nicht nur für Geschäftsleute sein, sondern vorrangig für Familien. Die Kids werden die Stabilität der Verbindung lieben: Bei einem Abstand von höchstens einem Meter zum Router dürften zumindest innerhalb des Wagens keine Probleme auftreten.

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