Von Felix Knoke
In den gewinn- und aufmerksamkeitversprechenden Untiefen des Marktes für iPhone-Programme führen zwei Piraten-Lager einen erbitterten Kampf gegeneinander. Auf der einen Seite der Platzhirsch Installous, ein Programm, mit dem sich eigentlich geschützte, kostenpflichtige Programme aus Apples App Store umsonst und illegal aufs iPhone oder den iPod Touch laden lassen.
Installous ist kostenlos und war bis vor kurzem ohne Konkurrenz - bis Mega auftauchte. Mega arbeitet im selben Piraten-Metier, verlangt aber Gebühren für seine illegalen Dienste: 9,99 Dollar für einen Monat, 41,99 Dollar für ein halbes Jahr kopiergeschützte App-Programme. Auftritt Kyek, der Gerechte. Der sagt: "Wenn man schon bereit ist, Geld abzudrücken, dann bitte nicht in die dreckigen Hände eines gierigen Piraten, sondern höchstens an den Entwickler des Programmes."
Und so schraubte Kyek an der Anti-Piraten-Software Grabulous, mit der jedermann iPhone-Programme von dem Mega-Server herunterladen kann, natürlich kostenlos. Kyeks erklärtes Ziel: Entweder gibt's die Mega-Programme umsonst oder der Mega-Server bricht zusammen. "Beides finden wir gut." Piraten-Ethik.
Das konnte Mega freilich nicht auf sich sitzen lassen, versuchte Grabulous in einem Katz-und-Maus-Spiel auszubooten - und musste sich geschlagen geben. Kleinlaut gab Mega laut den Szene-Insidern bei Torrentfreak.com bekannt, zukünftig mit Spenden statt Abogebühren die Piratendienste anzubieten. Piraten-Moral.
Kinderporno-Sperren nur für außereuropäische Websites
Beim Informanten-Webdienst Wikileaks ist ein angeblicher Gesetzentwurf zum Kinderpornografie-Bekämpfungsgesetz (KbekG) aufgetaucht, datiert auf den 25.3.2009. Dieser Gesetzesentwurf sieht die Sperrung von Websites mit kinderpornografischen Inhalten vor - solange diese im außereuropäischen Ausland gehostet werden. Dieser neue, überraschende Passus soll auf Wunsch des Bundeswirtschaftsministeriums in den Entwurf eingefügt worden sein. Warum das BKA nur solche Websites auf die Sperrliste setzen sollen darf, wird jetzt im Netz diskutiert. Im Heise-Forum vermutet ein Kommentator, dass die "Politik Angst [hat] vor Klagen auf Schadensersatz", Netz-Aktivist Alvar Freude spekuliert in seinem Zensur-kritischen Odem-Blog darauf, dass "etwas anderes auch schwer mit EU-Recht vereinbar wäre". In Wahrheit haben europäische Strafverfolger bereits viel wirksamere Mittel, gegen Internet-Kinderpornografie auf europäischen Servern vorzugehen, zum Beispiel mit Razzien und Beschlagnahmungen.
Dass diese bestehenden Mittel augenscheinlich nicht voll ausgeschöpft werden, ist ein zentraler Kritikpunkt der Zensur-Gegner. Denn so schön wirkungsvoll Netzsperren auch klingen, so schwach sind sie doch. Kinderpornografie im Internet ist ein Problem. Internet-Sperren können das aber nicht lösen, zu unzusammenhängend und global, zu vielfältig ist diese angebliche Szene, die Gruppe Leute, die sich teils zufällig, teils gezielt über Bilderservern, Newsgroups, Webcam-Sites, Tauschbörsen, E-Mail-Zirkel und Instant-Messenger-Programmen trifft, um Bilder und Videos zu tauschen, die per CD-Rom und Speicherstick die Daten postalisch oder mit dem Handy per MMS verschickt. Ganz zu schweigen von den offensichtlichen und höchst simplen Umgehungsmethoden der avisierten Sperrtechniken.
Das sieht auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) in der Entwurfsbegründung ein: "Lückenloses Access-Blocking [ist] nach Einschätzung der Bundesregierung derzeit technisch nicht möglich." Deshalb müssten Internet-Anbieter auch freie Hand haben bei der Wahl der Sperrtechnik. "Angesichts der rasanten Fortentwicklung der Technik erscheint es nicht zielführend, den Internet-Zugangsanbietern vorzugeben, wie die Sperrung technisch zu erfolgen hat."
Facebook-Gruppe sucht Vergewaltiger
Weil er den Vergewaltiger seiner Freundin mit Hilfe des Internets finden will, hat ein Brite die Facebook-Gruppe "Find the Sale Rapist" eröffnet. In ihr stellt er das verwaschene Überwachungskamera-Bild aus, das - wenig deutlich - einen weißen Mittvierziger zeigt, der eine junge Frau nach einem Kneipenbesuch vergewaltigt haben soll. Ein digitales "Wanted"-Plakat: "Dieser Mann muss so schnell wie möglich gefangen werden, er ist eine Gefahr für die Öffentlichkeit."
Den polizeilichen Ermittlungsarbeiten wollte der Gruppen-Gründer nicht vertrauen: Wer klickt sich schon auf die Polizei-Website und schaut sich dort die Bilder der polizeilich Gesuchten an? "Per Facebook erfahren wenigstens viele von dem Fall und sehen Bilder des Täters." Rund 6.000 Menschen sind schon Mitglied dieser Facebook-Gruppe geworden, Erfolge blieben offenkundig aus.
Doch selbst wenn das Online-Fahndungsbild zur Verhaftung führen sollte, könnte die öffentliche Menschenjagd dem Täter zuträglich sein: Die britische Polizei wollte die Facebook-Gruppe schon offline nehmen: Weil diese Art von Vorverurteilung ein Gerichtsverfahren behindern könnte.
Playmobil droht hessischem Pfarrer
Weil der evangelische Pfarrer Markus Bomhard Bibelszenen mit Playmobil-Figuren nachstellte und im Internet ausstellte, bekam er Ärger mit dem fränkischen Playmobil-Hersteller Geobra Brandstätter. Der will, dass der Pastor sich per Unterlassungserklärung dazu verpflichtet, Playmobil-Figuren nicht mehr zu verändern, den Domain-Namen playmo-bibel.de nicht weiter zu verwenden und keine Fotos seiner biblischen Kunststofffiguren zu drucken. Offenbar wolle die Firma damit dem Angebot eines Verlages zuvorkommen, der ein Playmo-Bibel-Buch herausbringen möchte. "Uns stört die totale Veränderung der Figuren", sagt eine Firmensprecherin zu jetzt.de, "dadurch wird unser Urheberrecht verletzt." Paradebeispiel Christus am Kreuz oder Adam und Eva, denen der "kreative Pfarrer" einen Penis, respektive weibliche Brüste anklebte. Inzwischen hat er beides auf Druck der Firma wieder abmontiert.
Dabei hatte Pfarrer Bomhards kuriose Playmo-Bibel durchaus eine steile Karriere vor sich. Sie gewann den Innovationspreis der Evangelischen Kirche, selbst der Papst freute sich: "Möge Ihr Projekt vielen Kindern wie auch den Eltern und Erwachsenen auf spielerische Weise einen Zugang zur Heiligen Schrift ermöglichen, der die Grundlage für eine fortwährende Vertrautheit mit Gottes Wort im weiteren Leben bildet", schrieb Benedikt XVI.
Disney kooperiert mit YouTube
Freudige Nachricht für Google: Mit der Walt Disney Corporation stellt einer der größten Unterhaltungskonzerne der Welt ab nächstem Monat kurze Videos bei YouTube online. Damit will das Unternehmen nach eigenen Angaben vor allem seine Reichweite im Netz steigern.
Die Vereinbarung beinhaltet zunächst Videos des Sportsenders ESPN und ab Mai auch Clips aus den Sendern ABC Entertainment (ABC News, ABC Family etc.) sowie SoapNet. Damit sich das Ganze nicht nur für Google lohnt, wird Disney die Werbeplätze auf seinen Themen-Channels vermarkten dürfen. Außerdem soll der ESPN-eigene Player in das YouTube-Angebot eingebunden werden.
Bislang hatte Disney sich immer gesträubt, seine Inhalte kostenlos im Netz anzubieten. Angeblich verhandelt das Unternehmen zurzeit außerdem mit Hulu, dem gemeinsamen Online-Video-Service von NBC Universal und der News Corporation, das auch komplette Programme anbietet. Ganze Serienfolgen wird es auf YouTube aber vorerst nicht geben, wohl eher Trailer sowie eigens für YouTube erstellte Angebote.
can/Reuters
GhostNet schränkt Aktivitäten ein
Das von kanadischen Forschern entdeckte Spionage-Netzwerk GhostNet hat offenbar seine Aktivitäten zurückgefahren. Die Wissenschaftler der Universität Toronto berichteten auf einer Pressekonferenz am Montag, nach zunächst unverändertem Tempo seien die Aktionen bald nach ihrem Bekanntwerden eingeschränkt worden. GhostNet ist der Name eines von China aus agierenden Hacker-Netzwerkes, das rund 1300 Computer weltweit ausgespäht und zahlreiche Dokumente gestohlen haben soll, darunter von Rechnern des Dalai Lama und ausländischer Botschaften.
can/dpa
Per Zeitraffer durch Google Street View
Geniale Idee: Flickr-Nutzer Joelaz montierte die Straßenansichten aus Googles Straßenservice "Street View" zu einem Zeitraffer-Video über die Golden Gate Bridge. Ein Video sagt mehr als tausend Bilder.
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