Von Frank Patalong
Hamburg - Gute Aprilscherze kommen entweder auf so leisen Füßen daher, dass man sie nicht sofort erkennt, oder so aberwitzig, dass man spontan davon ausgeht, dass sie wahr sein müssen - weil doch niemand solche Scherze treibt. Beide Varianten sind höchst selten, vor allem in den Medien. Denn, mit Verlaub, wir Journalisten sind da durchaus verklemmt. Die Nachricht als solche ist sakrosankt. Es gilt deshalb, Humor zu beweisen und zugleich jeden Eindruck von Unseriosität zu vermeiden. Am 1. April lässt man also mal ein bisschen den Witzbold raus - aber eigentlich nur, weil man wegen des Datums eben muss. Und am liebsten so, dass es garantiert niemandem wehtut.
Kein Wunder ist es darum, dass es in diesem Jahr vor allem Twitter trifft. Das ist dieser Mikro-Blogging-Dienst, über den wir sowieso jeden Tag irgendeinen Unsinn gemeldet bekommen.
Twitter ist ein typisches, garantiert 1.-April-kompatibles Thema, weil es
Einen der besten Twitterscherze leistete sich ein unbekannter, aber feiger April-Scherzkeks, der eine gefälschte BBC-Web-Seite ins Netz stellte: " Twitter killed in worm attack", lautet die Schlagzeile, die man spontan glauben will, obwohl man natürlich weiß, dass so viel Glück selten ist. Damit aber auch wirklich jeder sofort begreift, dass es um einen Scherz geht, hat der Autor brav hinzugefügt: "Diese Web-Seite wurde als Aprilscherz produziert".
Ach so.
Haha.
Gut, dass der das darunter geschrieben hat. Hätte ja einer glauben können, diese Nachricht. In einer Welt, in der uns TV-Sender in Telefon-Quiz fragen, wie der Ort eines Verbrechens heißt - "a) Tatort oder b) Tatsache?" - ist alles möglich. Solche Haben-Sie-das-Hirn-einer-Amöbe?-Tests finden im deutschen TV übrigens nicht nur am 1. April, sondern täglich statt. Zur Hebung des Niveaus zwischen den Sendungen. Das könnte man auch anders machen - indem man das Niveau intelligent senkt. Zum Beispiel so wie in diesem Mitschnitt:
Ganz und gar glaubhaft ist hingegen, was Medienblogger Peter Turi am heutigen Mittwoch fabrizieren ließ: " Springer kauft Twitter". Für 1,5 Milliarden Dollar.
Da bei Springer wie bei Holtzbrinck die Devise gilt, dass alles gekauft wird, was "WWW" stottern kann und nicht bei drei auf dem Baum ist, dürfte das der plausibelste Aprilscherz sein, den sich ein deutsches Medium in diesem Jahr leistete. Zumal der Leser hier dann auch noch von einem "Kurz-Video-Dienst namens TwittVid" erfährt, "auf dem jedermann Videos von maximal zehn Sekunden Länge veröffentlichen kann". Das ist so doof, dass man sich unwillkürlich fragt, warum es das eigentlich noch nicht gibt. Kommt bestimmt bald.
Nach derselben Logik funktioniert diese Meldung über die neuesten Entwicklungen im Verhältnis zwischen Warner und dem BiTorrent-Portal ThePiratebay.
Klar in die Kategorie Galgenhumor gehört dagegen der Twitter-Scherz des "Guardian": Dass die altehrwürdige britische Zeitung ihre gedruckte Ausgabe aufgebe und die Nachrichten künftig per Twitter verbreite, klingt wie eine Routinemeldung aus der Zeitungswelt. Medienleuten bleibt dabei das Lachen im Halse stecken. In Großbritannien, wo selbst die Totenwache ein höchst humoriges, oft feucht-fröhliches Event ist, bei dem man lässig auf den Sarg gelehnt zum allgemeinen Vergnügen Witze über den Verstorbenen reißt, ist das noch naheliegend. Hierzulande wird sowas nicht verstanden. Über das Zeitungssterben scherzen? Also wirklich.
Nein, gute Aprilscherze sehen anders aus.
Wir Medienmacher wissen, dass man seinen Mitmenschen mit diesem schönen Brauch nicht wehtun darf. Es gilt, vollständig unterhalb der Relevanzgrenze zu witzeln. In den USA kommen Zuschauer zum Beispiel heute Abend in den TV-Genuss einer (haha!) ungeschminkten (echt? Wow!) Heidi Klum, die - auf diese Weise perfekt getarnt - als (hahaha!) Pizza-Bedienung arbeitete und (hahahaha!) die Kunden unhöflich behandelte (hohoho!). Dabei - so melden es Nachrichtenagenturen bereits zwölf Stunden vor der Ausstrahlung, damit wirklich niemand diese Überraschung verpasst, habe sie sogar in eine Pizza gebissen (hihihi!), bevor sie diese den perplexen Kunden servierte. Ein Wahnsinn ist das. Zeigen die bestimmt auch bei uns im Fernsehen.
Zurück zum Thema Aprilscherz. Der "Zürcher Tagesanzeiger" berichtet am heutigen Mittwoch über einen gravierenden Fall, wie man es nicht machen sollte. Da hat doch glatt ERZ, die kommunale Entsorgung und Recycling Zürich, am Dienstag verbreiten lassen, im Müll sei Gold gefunden worden.
Nachrichtenagenturen und Zeitungen nahmen die Meldung auf, verbreiteten sie am heutigen Mittwoch - und müssen nun ein Dementi bringen. Die Empörung ist groß, denn deutschsprachige Redakteure sind zurecht daran gewöhnt, dass sie entsprechende Pressemitteilungen schön bürokratisch-humorlos mit einem Hinweis "April, April!" gekennzeichnet bekommen, um die notwendige Humorwarnung an ihre Leserschaft weitergeben zu können. Nur so ist gewährleistet, dass seriöse Nachrichtenmedien auch am 1. April garantiert humorfreie Zonen bleiben - abgesehen davon, dass sie natürlich weiter über den Pop-Titanen (wuhaha!) Dieter Bohlen berichten.
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---Zitat--- Zumal der Leser hier dann auch noch von einem "Kurz-Video-Dienst namens TwittVid" erfährt, "auf dem jedermann Videos von maximal zehn Sekunden Länge veröffentlichen kann". Das ist so doof, dass [...] mehr...
den Schreiberling dieses "Artikels" sollte mal ein Redakteur zu einem Entlastungsgespräch in die Kantine einladen. Grauenhaft! mehr...
Vor Jahren gab es einen Bericht in einer französichen Zeitung, wonach aufgrund der angespannten Wohnungssituation im Raum Paris ein Teil des Schlosses von Versailles in Sozialwohnungen umgewandelt wird... - was natürlich einen [...] mehr...
Das halte ich für einen Aprilscherz OBWOHL ich Regierungen ob Land oder Bund, eine Menge Unfähigkeit und auch Geschmacklosigkeit zutraue, ich denke nur "Betteln verringert H4 Transferleistungen" wie in Göttingen. [...] mehr...
http://www.tvbvideo.de/video/iLyROoafJ-Tj.html mehr...
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