Von Frank Patalong
Unter deutschen Jugendlichen ist kino.to als Adresse nicht weniger bekannt als Google oder Wikipedia: Über kaum eine Web-Seite reden Schüler in der großen Pause öfter als über den Streaming-Aggregator, der seine meist jungen Fans mit raubkopierten Filmen und mitgeschnittenen TV-Inhalten versorgt.
Noch beschwichtigt die Content-Industrie hier, spielt das Ausmaß ihres Problems herunter. Die Abrufstatistiken von Kino.to zeigen aber klar, wie populär Streaming-Dienste mittlerweile sind. Einzelfilme kommen auf Millionen Abrufe, TV-Serien generieren bis zu 40 Millionen davon. Die Präferenzen zeigen klar, wer sich hier bedient: Die pubertäre Zielgruppe schätzt zurzeit vor allem den Siebziger-Jahre-Trash-Film "Ach jodel mir noch einen", der in mindestens vier Kopien vorliegt, die zusammen fast vier Millionen Abrufe generierten. Bei den TV-Serien ist nichts so beliebt wie "Scrubs" und die "Simpsons".
Seit einigen Monaten macht Kino.to allerdings mehr, als nur die deutsche TV-Landschaft um Video-on-Demand zu bereichern. Es bereichert sich auch selbst, mit Hilfe von Partnern und auf Kosten der Nutzer: Das ganze Angebot, sagt Martin Wieler von der Verbraucherzentrale in Siegburg, sei so etwas wie eine Abo-Falle. Derzeit drehe es sich in der Mehrzahl der Rechtsberatungen der Verbraucherzentralen um die Streaming-Seite. Noch haben die Verbraucherschützer keine zentrale Zählung, aber es gehe um Tausende von Fällen - jeden Monat.
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern
Denn so professionell die Seite auch aussieht, gehört sie natürlich zu den dunklen Hinterhöfen des Web-Marktes. Filmfirmen und Lobbyorganisationen wie die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) halten sie für illegal. Zumindest die Server, von denen die raubkopierten Inhalte zugefüttert werden, sind dies auf jeden Fall. Kino.to leistet hier als Aggregator zumindest Beihilfe.
Beizukommen ist den Betreibern aber kaum, obwohl die mit höchster Wahrscheinlichkeit in Deutschland sitzen: Die Adresse ist in Tonga registriert, die Server stehen in Russland. Da wird selbst die Identifizierung der Betreiber zur Detektivarbeit.
Entsprechend wenig Schamgefühl zeigt Kino.to bei der Auswahl seiner Geschäftspartner. Neben Werbung macht die Seite vor allem dadurch ihr Geld, dass sie teuren Dienstleistern Kundschaft zuführt.
Spätestens seit Herbst 2008 serviert Kino.to seinen Nutzern ganze Kaskaden von Werbebannern und Abo-Fallen, die gerade von jugendlichen Nutzern nicht immer als solche erkannt werden. Immer geht es darum, von den Usern entweder Einmalzahlungen zu erschleichen, oder sogar langfristige Verträge, die mit bis zu 96 Euro im Jahr zu Buche schlagen.
Die Methoden der Abzocker
Bei jedem Aufruf der Seite öffnen sich Werbefenster, ein hoher Prozentsatz davon kommt von sogenannten Fakeware-Anbietern: Darunter versteht man im günstigsten Fall Verkäufer, die per Werbebanner eine Virenverseuchung des Rechners vortäuschen und den Web-Nutzer so dazu bringen wollen, eine Software zu kaufen oder kostenlos herunterzuladen. Viele dieser Anzeigen sind Windows-Fehlermeldungen oder den Warnmeldungen von Virenschutzprogrammen nachempfunden.
Ganz dreist wird es, wenn die Trickbetrüger ihre vermeintlichen Schutzprogramme unter dem Namen etablierter Software anbieten und verkaufen. So berichtete News-Dienst Heise online im Februar, dass über Kino.to ein in Dubai registrierter Drittanbieter Gratisversionen von G-Data-Schutz-Software für 14 Tage zum Test anbot. So weit so gut - wenn der Download nicht mit dem Abschluss eines Zwei-Jahres-Abos über 316 Euro verbunden gewesen wäre.
Tückisch wird es auch schon, wenn man nur auf eines der kleinen Fehlermeldungswerbefenster klickt - denn oft führt das sofort zur Installation einer kleinen Software. Wenn man Glück hat, ist die nur nutzlos, nervt nur mit wiederholten falschen Fehlermeldungen. Oft aber ist es regelrechte Malware, die erst dafür sorgt, dass der Rechner verseucht wird. Der krönende Abschluss solcher windigen Angebote ist dann oft die Forderung nach einer zu zahlenden Summe oder einer Abo-Gebühr, um den Rechner wieder freizubekommen - ein Lösegeld, wenn man so will.
Andere Werbeformen sind die "alternativen Links" hin zu Express-Downloads, hinter denen sich kostenpflichtige Usenet-Dienste oder Filehoster verbergen. Wer hier zahlt, schließt wirklich ein Abo ab über eine echte Dienstleistung: Die allerdings dürfte in vielen Fällen illegal sein, auch für den Nutzer - auf jeden Fall aber zu teuer.
"Updates" und Plug-ins: die perfideste Falle
Fester Bestandteil der Seitenstruktur von Kino.to ist darüber hinaus eine "Werbeform", die besonders perfide und - laut Verbraucherzentralen - auch außergewöhnlich erfolgreich ist.
Jede Auswahl eines Videos führt zur Öffnung weiterer Werbe-Pop-ups, von weiteren Fenstern, aber auch von vermeintlichen Video-Fehlermeldungen. Denn das ist die häufigste Masche bei Kino.to: Das Angebot (und seine Partner) täuschen vor, dass dem Nutzer irgendein Plug-in fehlt zum Ansehen eines Filmes.
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Ich denke, jeder, der schonmal auf kino.to war weiß, dass dieser Artikel völliger Blödsinn ist. Mir ist bewusst, dass es sich bei kino.to um ein illegales Angebot handelte und es gerechtfertigt war, dieses aus dem Netz zu nehmen. [...] mehr...
gier auf den aktuellen blockbuster mit angelina jolie? da geht das hirn in den standby-mode (wenn es nicht vorher schon da war). mehr...
Abmahnbriefe einfach in die Tonne kloppen, dann passiert auch nix. Die Zunft lebt von den 40%, die sich einschüchtern lassen. Bei mir amen 4 Mahnungen an, eine höher als die andere. Ab in die Tonne. Dann kam noch eine Mail, auf [...] mehr...
Ich frag mich was an Kino.to ABZOCKE ist. Das ist doch nur lästiges verkaufen wollen. Auf allen Seiten die geöffnet werden steht klar und deutlich das dies was kostet. Ich finde bei kino.to nur lästig das die ständig diese [...] mehr...
Man sollte Leute aber auch nicht in Watte packen, wenn sie mit dem einschalten des Rechners ihr Hirn ausschalten. Der Zeno Verlag wollte die Wikipedia ausdrucken und verkaufen- ABZOCKE. Oder doch nicht? Wieso regen sie sich [...] mehr...
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