Von Konrad Lischka
285 Mal haben Gus und Penny seit dem 20. März ihre Wohnung verlassen. Die beiden Katzen leben in der Garage neben dem Vororthäuschen des US-Programmierers Ioan Ghip. Nach draußen kommen sie, wann immer ihnen danach ist, durch eine Katzenklappe in der verspiegelten Eingangstür auf die betonierte Einfahrt und dann raus in die Vororte von Salem in Oregon. Im Durchschnitt schleicht jeder der Einwohner täglich 5,71 Mal nach draußen.
Ioan Ghip weiß noch mehr über die Spaziergänge seiner Katzen: Gus, der puschelige schwarze Kater mit den gelben Augen, bleibt gerne länger draußen - ein paar Stunden ist er oft unterwegs. Seine Mitbewohnerin, die graugetigerte Penny geht oft nur mal vor die Katzenklappe: 20, 30 oder auch 5 Minuten.
Programmierer Ghip kennt das Ausgehverhalten seiner Katzen so genau, weil er ihnen die wohl erste fototwitternde Katzentür auf diesem Planeten gebastelt hat: Penny und Gus tragen Halsbänder mit winzigen Katzentür-Ausweisen, sogenannten RFID-Chips. Diese passiven (also batterielosen und daher sehr leichten) Funkchips melden der Katzentür, wer da gerade rein- oder rauswill.
Einmal erfolgreich identifiziert, aktivieren die Funkchips nicht nur den Türöffner, sondern gleich auch eine Kamera und einen Twitter-Bot (Erklärung zu Twitter im Kasten unten), der das Katzentürfoto um einen zufällig ausgewählten Kommentar ergänzt und auf dem Mikroblog der beiden Katzen veröffentlicht.
Die Software bedient sich aus einer kleinen Sprachdatenbank und ergänzt die simple Statusmitteilung (Gus oder Penny kommt gerade rein oder geht raus) mit einem kleinen Gag. Die letzten Aktivitäten der Garagenbewohner beschreibt ihr Twitter-Blog so:
Die Twitter-Katzentür hat der 39-jährige Ghip, der eigentlich als Programmierer bei einer Telekommunikations-Firma arbeitet, nebenbei gebaut.
Zehn Arbeitsstunden und 100 US-Dollar fürs Material
Eigentlich wollte er nur ein paar praktische Probleme lösen, erzählt er SPIEGEL ONLINE. Als im vorigen Dezember seine Tochter Madeline zur Welt kam, zogen die Katzen in die Garage um, die Ghip mit einer ganz normalen Katzenklappe ausstattete - Problem Katzenwohnung gelöst.
Beim Füttern der beiden musste Familie Ghip dann aber feststellen, dass sich immer wieder Nachbarskatzen durch die Katzenklappe zum Gratis-Fressen ans Garagenbuffet schlichen. Also musste Ghip eine Lösung für das Mitfresser-Problem finden.
Diese Lösung sieht so aus, wie man es bei einem Programmierer erwarten darf: Für einen US-Dollar pro Stück bestellte Ghip im Online-Handel passive Funkchips und einen RFID-Ausleser (60 US-Dollar), der solche Chips aus einigen Zentimetern Entfernung abfragt. Dazu kaufte Ghip für 40 US-Dollar einen Servomotor mit passendem Controller, der die Katzenklappe auf- und zumacht.
Handwerklich sei das Projekt gar nicht aufwendig gewesen, erklärt Ghip: "Mit etwas Zeit und Werkzeug schafft es jeder, so eine Katzenklappe zu installieren, den Servomotor und RFID-Leser anzuschließen." Die eigentliche Herausforderung sei es gewesen, die Steuerungssoftware zu schreiben. Programmiert hat Ghip das Katzentür-Betriebssystem in der Programmiersprache Delphi - eine Woche lang bastelte er abends an der Software herum, dann lief das System.
Knapp zehn Arbeitsstunden und 100 US-Dollar fürs Material hat die Katzentür Ghip gekostet. "Wenn ich viele Anfragen erhalte, werde ich vielleicht Bausätze verschicken", sagt Ghip. Das Interesse dürfte groß sein - der Erfinder der Cat-Cam (Umhänge-Kamera für Katzen) Jürgen Perhold verschickt sein Bastelprojekt inzwischen als Bausatz an Katzenfans weltweit (siehe Fotostrecke unten).
Gesteuert wird die Installation von einem alten Laptop, an den Ghip den RFID-Leser und den Servo-Controller angeschlossen hat. Beide holen sich den nötigen Strom über USB-Kabel vom Laptop. Wenn eine der Katzen vor der Tür steht, prüft der Rechner die Signale des RFID-Chips, identifiziert die Katze, gibt die Klappe frei und veröffentlicht eine entsprechende Nachricht ("Penny geht raus") auf dem Twitter-Mikroblog der Katzentür.
Die RFID-Chips an den Halsbändern der Katzen sind kleiner als ein Daumennagel und mangels Batterie sehr leicht - Gus und Penny stört der Identifizierungschip nicht, sagt Programmierer Ghip.
Anfang April hat Ghip die Katzentür-Installation um eine Webcam bereichert. Nun kann man sich auf Twitter auch ein Foto jedes Katzen-Besuchs ansehen. Ghips 11-jähriger Sohn Vlad hat seinem Vater mit der Webcam einen großartigen Streich gespielt: Er setzte ein Kuscheltier-Schaf vor die Tür, aktivierte von innen mit der Hilfe einer Katze die Klappe und die Webcam - die ein Foto des Schafs schoss. Vlad erzählte den Eltern von dem "merkwürdigen" Tier, das eben vor der Garage stand, Programmierer Ghip schaute sich erst das Webcam-Foto statt des Originals an, sah das wuschelige Tier auf dem Beweisfoto, lief raus - und hörte dann seinen Sohn lachen.
So funktioniert Humor in Programmierer-Familien.
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Liebe Spiegel Redaktion, kennen Sie Google? Solche RFID Katzenklappen gibt es seit JAHREN samt Schaltplaenen & Software im Netz. mehr...
Oh Mein Gott! Ich habe auch ihr anderes Post, bei dem Sie von ihren vielen Hunden und vielen Katzen und dem großen "kontrollierten" Auslauf berichten, und von der Straße mit den vielen Unfällen von Katzen und ... [...] mehr...
Stimmt auch das ist natürlich auch ein wichtiger Faktor. Würden wir unsere Katzen freilaufen lassen, wäre es hier wohl schnell mit Fröschen, Bodenbrütern und Ringelnattern vorbei. mehr...
Natürlich kenne ich die. Nur wozu braucht man sowas? Wozu gibt es Tätowierungen und unter die Haut gesetzte ID-Chips? Ein leicht zu öffnendes Halsband bleibt zückzuck an einem Strauch oder sonstwo hängen. Dann nutzt die schönste [...] mehr...
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