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15.04.2009
 

Netzwelt-Ticker

Hacker knacken angeblich PIN-Verschlüsselung

Von Richard Meusers

US-Sicherheitsexperten warnen: Cybergangstern soll es gelungen sein, die Verschlüsselung von Geheimnummern in den Datennetzen von Banken zu knacken. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Großbritannien hat EU-Ärger wegen Phorm, Icann sucht Gutachter für Domainnamen.

Im Kampf zwischen Banken und Cybergangstern ist den Kriminellen in den Vereinigten Staaten ein Punktsieg gelungen: Laut Bryan Sartin, Manager beim Telekommunikations-Dienstleister Verizon Business, ist es Kriminellen gelungen, die Verschlüsselung beim Übertragen von PIN-Codes zu knacken.

PIN-Eingabe: Cybergangster spähen Geheimnummern angeblich in Bankennetzen aus
DDP

PIN-Eingabe: Cybergangster spähen Geheimnummern angeblich in Bankennetzen aus

Eigentlich soll der PIN-Schutz ein doppelter sein. Der Bankkunde hält seine Persönliche Identifikationsnummer geheim; wenn er sie am Geldautomaten eintippt, wird sie beim Datenaustausch mit dem Bankserver verschlüsselt und erst am Zielort der Datenströme wieder entschlüsselt.

An genau diesem Punkt setzt nun die neue Hackerstrategie an. Wie Sartin erklärt, ist es Hackern geglückt, sowohl an verschlüsselte als auch an unverschlüsselte PIN-Codes zu gelangen: "Das ist eine völlig neue Art der Attacke, die wir noch vor einem Jahr nur für eine akademische Möglichkeit gehalten haben." Solche Angriffe sind nicht trivial, setzen einen Zugang zu Rechnern im Banknetz und einen Zugriff auf die eingesetzten Verschlüsselungsmodule voraus.

Überangebot: Ergaunerte Kreditkartendaten billiger

In seinem "Internet Security Threat Report" weist das IT-Sicherheitsunternehmen Symantec auf ein interessantes Detail hin: Aufgrund der ständig wachsenden Menge an verfügbaren, illegal gesammelten Kreditkartendaten ist der Stückpreis rapide gefallen.

Mittlerweile sind die Datensätze zur Dutzendware verkommen, die zum Stückpreis von sechs Cent über den virtuellen Tresen gehen. Noch vor einem Jahr lag der Preis bei gut 40 Cent. Der niedrige Wert hat seine Ursache darin, dass die Kreditkartenangaben in Paketen abgesetzt werden, üblicherweise in Handelsgrößen zu 5000 Datensätzen.

EU watscht Großbritannien wegen Phorm ab

Schon seit langem war die Werbefirma Phorm Datenschützern ein Dorn im Auge, schnüffelte sie doch im Auftrag so honoriger Auftraggeber wie der British Telekom schon mal illegal Kunden aus, um maßgeschneiderte Werbemaßnahmen zu ermöglichen. Providerkunden und Verbraucherschützer protestierten gegen die Überwachung zu Reklamezwecken - mit Erfolg.

Denn die EU-Kommission leitete am Dienstag gegen Großbritannien ein Vertragsverletzungsverfahren wegen Verstoßes gegen europäische Datenschutzvorschriften ein. Die verpflichten die EU-Mitgliedsländer, sie müssten "für die Vertraulichkeit von Nachrichten sorgen, indem sie das Abfangen und Überwachen ohne Einwilligung der Nutzer untersagen", so die Kommission.

Diese Voraussetzungen seien in Großbritannien weder hinsichtlich der täglichen Praxis noch der geltenden Rechtsnormen erfüllt. Die Regierung müsse sicherstellen, dass Dienste zur Verhaltensanalyse von Websurfern zu Reklamezwecken nur nach ausdrücklicher Zustimmung der Nutzer eingesetzt würden.

Icann sucht Domainnamensucher

Die Organisation zur Verwaltung von Internet-Domains berät derzeit über die Schaffung neuer generischer Top-Level-Domains. Dazu setzt sie auch auf die Expertise unabhängiger Fachleute und Unternehmen und hat die Bewerbungsfrist bis zum 11. Juni verlängert.

Die danach eingerichteten Gutachtergruppen sollen die Anträge auf neue Internet-Adressen nach einer Reihe von Kriterien prüfen. So sollen Namensverwechslungen ausgeschlossen, geografische Namen begutachtet und bei mehr als einem Antragsteller für ein und denselben Namen entschieden werden, wer den Zuschlag erhält.

Studie: IT-Chefs haben keine Lust auf Windows 7

Alle nölen über Microsofts ungeliebtes Betriebssystem Windows Vista, aber die Vorfreude auf das kommende Windows 7 scheint sich ebenfalls in Grenzen zu halten. Einer vom Marktforscher Dimensional Research durchgeführten Befragung zufolge beabsichtigen 84 Prozent von 1100 IT-Entscheidern, in den nächsten zwölf Monaten nicht zum neuen OS zu migrieren. Die Hälfte der Befragten zieht außerdem den Wechsel ganz grundsätzlich in Zweifel und überlegt, Betriebssysteme anderer Anbieter wie Mac OS oder Linux zu testen.

Klauen ist okay - Geklautes zu klauen, nicht

Wie man den Copyright-Gedanken wirklich ad absurdum führt, demonstriert derzeit der New Yorker Unterhaltungsender CW-11. Der hatte - ohne zu fragen - einen Videoclip der Ulksseite "ImprovEverywhere" in seinen Abendnachrichten verwendet. Zu sehen war ein Flashmob, den ein paar Spaßvögel angeblich bei einem Begräbnis veranstaltet hatten.

In Wahrheit war das Ganze nur ein Aprilscherz gewesen. Der entsprechende Clip wurde dann auf der YouTube-Seite von "ImprovEverywhere" veröffentlicht. Mit der dürren Quellenangabe "von YouTube" strahlte dann CW-11 den Clip aus, was wiederum ImprovEverywhere veranlasste, ein Kurzfilmchen ebenjener Nachrichtensendung im eigenen Channel zu veröffentlichen.

"Urheberrechtsverletzung!" riefen daraufhin die CW-11-Anwälte und schickten ein entsprechendes Beschwerdeschreiben an YouTube, das den umstrittenen Clip sofort entfernte.

Die Geschichte offenbart ein merkwürdiges Rechtsverständnis bei CW-11. "Anscheinend ist es für sie in Ordnung, Inhalte zu veröffentlichen, die unser Eigentum sind, aber nicht, wenn Ausschnitte mit dem Material hochgeladen werden, das sie von uns genommen haben", so Charlie Todd, einer der Initiatoren des ursprünglichen Flashmobs.

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