Samstag, 21. November 2009

Netzwelt



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16.04.2009
 

Netzwelt-Ticker

US-Senat entscheidet über Cyber-Notstand

Von Sebastian Wieschowski

Bei einem Hacker-Angriff könnte Barack Obama schon bald das Internet dichtmachen. Außerdem im Überblick: Xbox-Nutzer fürchten sich vor neuem Fehler, und der Kampf zwischen Britney Spears, Ashton Kutcher und CNN um den größten Twitter-Freundeskreis steht kurz vor einer Entscheidung.

Im Falle einer entsprechenden Krise könnte der amtierende US-Präsident als Notfallmaßnahme zum Schutz der sogenannten kritischen Infrastrukturen, und um Datenpriorität für Behörden zu schaffen, künftig das Internet für Otto Normalsurfer deaktivieren lassen. Eine entsprechende Gesetzgebung passiert derzeit den US-Senat.

Barack Obama: Bald Herr über den Notfall-Stopp-Knopf für das WWW?
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REUTERS

Barack Obama: Bald Herr über den Notfall-Stopp-Knopf für das WWW?

Die Regelung sieht vor, dass der US-Präsident im Falle einer sogenannten cybersecurity emergency die Kontrolle über das Internet erlangen und Teile davon für die US-Bürger sperren kann. Sensible Einrichtungen wie Stromerzeuger oder wichtige Datenbanken sollen dann vom Datennetz getrennt werden, um die Gefahr von Hacker-Angriffen abzuwenden oder laufende Attacken zu unterbrechen.

Was alles als kritische Infrastruktur gilt, wird in dem Gesetzesentwurf allerdings nicht klar definiert. Gemeinhin versteht man darunter Infrastrukturen, deren Ausfall zu Versorgungsengpässen führen oder das Funktionieren wichtiger Abläufe behindern kann. Abgedeckt sind damit von der Energie- und Abwasserversorgung über den Verkehr bis hin zur Gesundheitsversorgung weite Teile der öffentlichen Infrastrukturen.

In der letzten Woche hatten anonyme Quellen aus Geheimdienstzirkeln gegenüber dem "Wall Street Journal" düstere Andeutungen zur Unsicherheit kritischer Infrastrukturen in den USA gemacht. SPIEGEL ONLINE hatte berichtet und vermutet, dass die Informationen gezielt lanciert wurden, um die Durchsetzungsfähigkeit von zu diesem Zeitpunkt nicht bekannten Maßnahmen im Parlament zu erhöhen.

Wir hatten vermutet, es ginge dabei um die Beantragung von Mitteln für den Ausbau von Schutzmaßnahmen für die kritischen Infrastrukturen. Die Realität geht noch darüber hinaus: Obwohl die US-Administration durch ihre mittelbare Kontrolle über das Backbone-Netz und die Icann einen stärkeren Einfluss auf die Datenflüsse des Internet hat als andere Nationen, besitzt sie formal keine Kontrolle darüber. Der Vorstoß der Obama-Administration würde der US-Regierung nun das Recht geben, eine Art Notstand für das Internet zu erklären.

Je nach Ausmaß des Angriffs könnten dann einzelne Glasfaserkabel, ganze Server oder in besonders schwerwiegenden Fällen auch das komplette Internet in den USA gesperrt werden. Entgegen den hartnäckigen Legenden von der selbst reparierenden Netz-Infrastruktur darf es als fraglich gelten, ob das Internet in einem solchen Fall in anderen Weltgegenden dann einfach weiter funktionieren würde.

Zweiter Anlauf für das "Three Strikes"-Gesetz

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wollte "Ordnung in den Hightech-Wilden-Westen bringen, wo Gesetzlose kreative Arbeit ausbeuten". Sein Plan: Filesharing-Nutzer werden zweimal schriftlich verwarnt, wenn sie beim Download urheberrechtlich geschützter Daten erwischt werden. Fallen sie ein drittes Mal auf, wird ihr Internet-Zugang für zwei Monate gesperrt.

Nachdem eine Kommission aus sieben Senatoren und sieben Parlamentsmitgliedern das sogenannte "Three Strikes"-Modell gebilligt hatte, schien die Abstimmung im Parlament (Assemblée nationale) als Formsache. Längst war die Einrichtung einer eigenen Behörde geplant, der "Haute Autorite pour la diffusion des oeuvres et la protection des droits sur Internet", was dem Gesetzesvorhaben in Frankreich den saloppen Spitznamen "loi Hadopi" einbrachte

SEBASTIAN WIESCHOWSKI


... Zeitungsbastler seit Kindertagen und Schleswig- Holsteiner aus Leidenschaft, landete nach Abi und Zivildienst an der Kölner Journalistenschule und lebt und schreibt inzwischen im ICE zwischen der Katholischen Uni in Eichstätt (Bayern) und dem norddeutschen Heimatdorf.
Dumm nur, dass am Gründonnerstag, also kurz vor den Feiertagen, kaum Abgeordnete vor Ort waren. Das Gesetz wurde mit gerade mal 21 zu 15 Stimmen abgelehnt - die erste Parlamentskammer verfügt über 577 Sitze. Damit will sich der bekennende Handy-Freund Nicolas Sarkozy nicht zufriedengeben: Der französische Präsident hat nun angekündigt, das Parlament erneut über den Vorschlag abstimmen zu lassen - am 29. April soll das Parlament abermals entscheiden.

Für die Durchsetzung der Sperre soll die Hadopi sorgen, die eine Liste gesperrter User führen soll. Auf diesem Weg sollen Filesharer daran gehindert werden, sich bei einem anderen Internet-Provider einen neuen Zugang zu besorgen. Kritiker bemängeln, dass dennoch unbescholtenen Bürger versehentlich der Netzzugang gekappt werden könnte und sich Cyber-Gangster über fremde Accounts einloggen könnten. Einmal ganz davon abgesehen, dass hier Familienmitglieder und WG-Bewohner für die Verfehlungen einzelner abgestraft würden.

Xbox-Nutzer fürchten sich vor neuem Bug

Dauer-Daddler haben schon so manche Xbox 360 zum Dampfen gebracht, und die Besitzer der Spielkonsole fürchten sich vor dem berüchtigten "Red Ring of Death" - so nennen Insider den Hardware-Fehler, der sich durch drei rot leuchtende Lämpchen ankündigt und nach einer Studie des US-amerikanischen Garantiedienstleisters SquareTrade für drei von fünf Xbox-Totalschäden verantwortlich ist.

Neuerdings müssen sich Xbox-Nutzer allerdings nicht nur vor dem "Red Ring of Death" fürchten - auch der sogenannte E74 error gibt Anlass zur Sorge um das eigene Spielgerät. Plötzlich ist auf dem Display die Meldung E74 zu lesen, die Konsole ist daraufhin tot. Microsoft hat inzwischen bekanntgegeben, dass die erweiterte Garantie, die das Unternehmen im Zusammenhang mit dem "Red Ring of Death"-Problem gewährt, auch für "E74" gilt. Bis drei Jahre nach Kaufdatum tauscht Microsoft die Konsolen mit diesen beiden Fehlern kostenlos aus.

Zu den tatsächlichen Ursachen hält sich Microsoft allerdings bedeckt. Experten vermuten wieder eine Überhitzung des Grafikprozessors. Die Fehlermeldung soll nach Einführung der neuen Bedienoberfläche New Xbox Experience (NXE) stark zugenommen haben.

Weltweiter Twitter-Wettstreit: Wer hat die meisten Follower?

Wer hat den größten Twitter-Freundeskreis? Um diese Frage ist ein erbitterter Kampf entbrannt, bei dem sich Schauspieler Ashton Kutcher, Sängerin und Skandalnudel Britney Spears und der US-Fernsehsender CNN ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, das in den nächsten 24 Stunden entschieden sein könnte.

Rund 960.000 Follower konnte CNN am Donnerstag gegen 11 Uhr hinter sich scharen, Kutcher liegt mit 940.000 Freunden auf Rang zwei, knapp gefolgt von Britney Spears mit 925.000 Verbündeten.

Und Britney kann noch aufholen - sie bekommt Unterstützung von Promi-Blogger Perez Hilton, der seine Leser massenweise auf das Spears-Profil schickt. Ashton Kutcher wundert sich unterdessen über das Wettrennen mit CNN: "Ich finde es erstaunlich, dass ein einziger Mensch im Internet ein so großes Gewicht haben kann wie ein ganzes Medienunternehmen." Per YouTube-Videobotschaft versucht Kutcher, weitere Fans zu mobilisieren, und auch CNN-Ikone Larry King schießt aus allen Kanonen: "Machst du Witze? Du weißt nicht, wie groß wir sind", posaunte er per Videoblog in die Richtung des 31-jährigen Schauspielers.

PEW-Studie: Das Internet mobilisiert Wähler

Web-Wahlkampf, Supporter-Suche per iPhone-Applikation, Spendensammlung auf der Internet-Seite - das Internet haucht der Demokratie neues Leben ein, glaubt das US-amerikanische Pew Research Center. Die Forscher fanden in einer aktuellen Befragung heraus, dass 55 Prozent der wahlberechtigten Amerikaner im Internet nach Inhalten gesucht haben, die in Verbindung mit der letztjährigen Präsidentschaftswahl standen. Vor fünf Jahren lag der Anteil noch bei 37 Prozent.

Die Wähler suchen verstärkt nach Wahl-News im Internet, streiten in Web-Foren über die Kandidaten oder besorgen sich Kampagnen-Material per E-Mail, Twitter und über andere Kanäle. Jeder Dritte habe seinen politischen Standpunkt in irgendeiner Form virtuell mitgeteilt - 2004 hatten dies noch 27 Prozent getan. "Die Wähler sehen sich wieder verstärkt als Aktivisten", erklärt PEW-Forscher Aaron Smith. Jeder wolle der Erste sein, der die aktuellsten Nachrichten aus seinem politischen Lager erhält.

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