London - In Großbritannien reißt die Serie der Datenpannen nicht ab. Diesmal wurden bei der Luftwaffe Datenträger mit hochsensiblen privaten Informationen über Mitarbeiter gestohlen - darunter Details über Drogenmissbrauch, strafrechtliche Verfolgungen, Besuche bei Prostituierten oder außereheliche Affären.
Royal Air Force über London: Die britische Luftwaffe ließ sich sensible Angaben über Personen stehlen, die mit diesen Infos erpresst werden könnten
Zum Zeitpunkt des Diebstahls hatte das Verteidigungsministerium lediglich mitgeteilt, dass womöglich Bankdetails und Adressen verlorengegangen seien. Ein internes Papier habe nun aber gezeigt, dass auch die Details von den Sicherheitschecks verschwunden sind, berichteten die Medien. Betroffen seien rund 500 Menschen.
In dem Schreiben warnte die RAF davor, dass die Informationen für Erpressungen genutzt werden könnten. "Diese Daten sind eine außerordentliche Liste für ausländische Geheimdienste, investigative Journalisten und Erpresser", heißt es in dem Dokument, aus dem die BBC zitierte. Wenn Details aus dem Privatleben teils hochrangiger RAF-Offiziere an die Öffentlichkeit kämen, werde zudem der Ruf des Militärs beschädigt.
Die meisten Daten landen auf dem Flohmarkt
Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte den genauen Inhalt der Datenträger nicht bestätigen. Es gebe aber keine Hinweise, dass sie für kriminelle Zwecke missbraucht würden. Allen Betroffenen sei Beratung angeboten worden.
In Großbritannien kommt es immer wieder zu peinlichen Datenpannen: Was den Verlust von Festplatten, vertraulichen Informationen und Laptops mit sensiblen Daten angeht, gilt Großbritannien als europaweit führend.
So gingen einmal die Daten inklusive Bankdetails von Millionen Kindergeldempfängern verloren. Zuletzt geriet eine CD mit den genauen Spesenabrechnungen britischer Abgeordneter an die Presse. Dadurch wurde ein Skandal ausgelöst, der alle etablierten Parteien gleichermaßen schwer beschädigt hat.
Das Gros des Datenschwundes dürfte allerdings durch Ebay zu erklären sein: Insbesondere Laptops und externe Festplatten lassen sich per Internet-Aktion oder auf Flohmärkten sehr leicht zu Geld machen. Das Phänomen ist allen Behörden weltweit bestens bekannt: Auch in Deutschland kamen Ministerien und Behörden allein von 2005 bis 2008 mehr als 500 Rechner abhanden. Öffentlich werden solche Fälle nur dann, wenn sensible Daten betroffen sind. In Großbritannien liefern solche Fälle regelmäßig Schlagzeilen: Das reicht vom MI5-Agenten, der sein Notebook angeblich auf der Parkbank vergisst, über den Verteidigungsministeriumsbeamten, dem auf Armeegelände der Laptop aus dem geschlossenen Auto gestohlen wird bis zum Regierungsmitglied, dem der Rechner auf dem Schreibtisch verschwindet.
dpa/pat
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