Von Felix Knoke
Weil Google offenbar Datenschutz-Abmachungen in Deutschland nicht einhält, drohen Datenschützer mit rechtlichen Schritten gegen den umstrittenen Webdienst "Street View". Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein, wirft dem US-Konzern laut Golem.de vor, die im Rahmen von "Street View" in Deutschland aufgenommenen Rohdaten anders als vereinbart direkt in die Vereinigten Staaten zu senden. Damit sei nicht mehr garantiert, dass Widersprüche von Menschen, die sich, ihre Häuser, Vorgärten und Autos nicht im Kartendienst wiederfinden wollen, auch tatsächlich verpixelt werden.
Den Eingang solcher Beschwerden - die Betroffene an streetview-deutschland@google.com schicken könnten - habe Google nicht einmal bestätigt. Erst auf massives Drängen, schreibt Golem.de, wurden am 3. Juni 2009 Eingangsbestätigungen in Aussicht gestellt.
Weichert verglich den internationalen Konzern mit einer "informationellen Dampfwalze", die "über nationale Regeln hinweggeht."
Laut heise.de droht auch der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Johannes Caspar, dem Internetkonzern erneut. Erst Mitte Mai legten Caspar und Google einen Streit bei, nachdem der Konzern einem Zwölf-Punkte-Fragenkatalog der Datenschutzbehörde entgegengekommen war. Google macht darin Zugeständnisse an den Datenschutz bei seinem Projekt, die Hansestadt flächendeckend zu fotografieren und die Bilder über den Google-Maps- und Street-View-Dienst weltweit verfügbar zu machen. Allerdings bestand damals noch Gesprächsbedarf.
Nach einer Web-Konferenz mit Produktmanagern aus Kalifornien und deutschen Google-Vertretern habe Caspar nun erneut rechtliche Schritte angekündigt, welche die fragwürdige Übermittlung der Kamera-Rohdaten verhindern könnten. Google sieht in dieser Übermittlung kein Problem, eine spätere Verpixelung der Bildausschnitte sei ausreichend.
Bing zeigt Pornos (wenn man das will)
"Eltern, hütet Euch vor Bing!", warnt Larry Magid von cNet vor Microsofts neuer Suchmaschine Bing. Bing, das sei eine Pornomaschine, die massenweise Videovorschauen von Sexfilmen anzeigen kann. Er habe es selbst ausprobiert, in einem Flugzeug mit W-Lan, den Bildschirm umständlich mit Händen vor den Blicken der Mitreisenden schützend.
Und tatsächlich: Wer in der Bing-Videosuche ein eindeutiges Suchwort eingibt und den "SafeSearch"-Filter ausschaltet (was allerdings nur in der US-Version möglich ist), bekommt eine ganze Galerie von Pornovideos angezeigt. Bewegt man den Mauszeiger über die Vorschau-Schnipsel, werden sie - mit Ton! - abgespielt, eine halbe Minute lang. Sowas haben Google oder Yahoo nicht.
Kritisch findet Magid daran vor allem, wie leicht sich die "SafeSearch"-Kinderschutzfunktion umgehen lasse - nämlich indem man einfach der Microsoft-Aufforderung per Link folgt und sie ausschaltet. Das versteht jedes Kind. Eltern, die Filtersoftware auf ihren Rechnern einsetzen, trifft es aber doppelt. Denn möglicherweise erkennen diese Filter das Microsofts Pornoproblem noch nicht. Hersteller Symantec beispielsweise empfiehlt Filternutzern deshalb, den Zugriff auf Bing komplett zu sperren.
Microsoft empfiehlt Systemadministratoren und Eltern unterdessen, an jede Suchanfrage die Zeichenfolge "&adlt=strict" anzuknüpfen. So würden die strengsten Schutzregeln aktiviert. Hübsche Idee, aber reichlich realitätsfern.
In Deutschland eckt Bing übrigens aus diametral entgegengesetzten Gründen an: Hierzulande stellt sich Bing als heftigst zensierte, absolut prüde Maschine dar.
Anfragen wie "Sex" werden mit dem Standard-Statement "Die Suche sex kann jugendgefährdenden Inhalt zurückgeben. Ändern Sie Ihre Suchbegriffe, um Ergebnisse zu erhalten" beantwortet, deaktivieren kann man den Filter nicht - anders als bei jedem der Konkurrenten bis hin zu Google. Denn eigentlich ist der anonyme Einzelklick zur Deaktivierung von Jugendschutzfiltern ein Standard.
Warum aber serviert Microsoft den (vergleichsweise liberalen) Deutschen eine dermaßen verschämte Suchmaschine, den prüden Amerikanern dagegen eine Porno-Suchmaschine? Man weiß es nicht, freut sich aber schon auf das Resultat dieses Web-soziologischen Experiments: Wetten, dass die Marktanteile von Bing drüben höher ausfallen werden als hüben?
FTC schaltet Internethort des Bösen ab
Die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC), zuständig unter anderem für Verbraucherschutz, hat einem US-Provider mit richterlicher Hilfe den Saft abgedreht. Dem Unternehmen wurde vorgeworfen, extrem brutale Pornografie zu hosten, Steuerrechner für Botnetze zu beherbergen sowie Spy- und Malware zu verbreiten.
Nun gut, möchte man einwenden: Tun das nicht - unabsichtlich - viele Hoster? Vielleicht, aber dieser hat augenscheinlich ordentlich von seinen böswilligen Kunden profitiert - und sie bei ihrem Tun auch noch unterstützt. Instant-Messenger-Logbücher sollen beweisen, dass Angestellte sich mit Botnet-Meistern (wie man die Kontrolleure illegal gekaperter Netzwerke nennt) darüber unterhielten, wie man ein Botnet am besten konfiguriert. Ars Technica erinnert das alles an zwei andere, berühmt gewordene Bös-Provider: Atrivo - die wieder online sind - und McColo, nach dessen Abschalten im November 2008 das weltweite Spam-Aufkommen drastisch gesunken ist.
Chrome für Mac und Linux
Nachdem Google seinen Blitzbrowser Chrome für Windows auf Version 2 aktualisiert hat, schiebt das Unternehmen nun auch endlich eine Version für Mac OS X und Linux hinterher. Aber nicht zu früh freuen: Bislang ist Googles Browser für diese Systeme nur eine instabile, unkomplette Entwicklerversion.
Für Techcrunch ist das alles eine Farce - die aber auf die baldige Veröffentlichung einer brauchbaren Version schließen lässt. Na, wollen wir mal hoffen - und auch darauf, dass die Entwickler von Iron mitziehen. Denn wer Chromes Geschwindigkeit liebt, aber Googles Datensucht misstraut, sollte stattdessen "Iron" installieren - eine schnüffelfreie Adaption von Chrome.
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