Der Markt für Kleinanzeigen in Zeitungen ist in den USA in den vergangenen Jahren dramatisch eingebrochen - von einem Spitzenumsatz von 20 Milliarden Dollar im Jahr 2000 bis auf etwa 10 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Schuld ist nicht zuletzt Craigslist, eine optisch wenig ansprechende, mit einem Team von 30 Angestellten bewirtschaftete Kleinanzeigenseite. Die meisten Anzeigen auf Craigslist sind kostenlos - bezahlt werden muss nur für Jobangebote, Immobilienanzeigen und solche aus dem Bereich "Erotik".
Associated Press berichtet nun, am heutigen Mittwoch werde die Analysten- und Beratungsagentur AIM Group einen Bericht vorlegen, der auf der Auswertung der Craigslist-Seiten und dem Auszählen bezahlter Anzeigen basiert. Das Ergebnis: Die Umsätze von Craigslist würden dieses Jahr von 81 Millionen Dollar auf 100 Millionen Dollar wachsen. 85 Millionen würden allein über Stellenanzeigen hereinkommen.
Craigslist selbst veröffentlicht keine Geschäftsdaten und wollte den Bericht auch nicht kommentieren. Noch im Jahr 2003 hatte der Kleinanzeigendienst nur sieben Millionen Dollar umgesetzt.
Der Erfolg von Craigslist ist nur einer von mehreren Einflussfaktoren, die das US-Zeitungswesen in eine tiefe Krise gestürzt haben. Die Rezession hat die Anzeigenbudgets der traditionellen großen Anzeigenkunden - Autohersteller, Finanzdienstleiter und Einzelhandel - dramatisch schrumpfen lassen.
Im vergangenen Jahr fielen die Anzeigenumsätze der US-Zeitungen um 17 Prozent, binnen des ersten Quartals 2009 sollen sie bereits um weitere 28 gesunken sein. Nach Angaben des Interactive Advertising Bureau Parallele verzeichnet aber auch der amerikanische Online-Werbemarkt erstmals seit 2002 einen Rückgang. Um 5 Prozent sollen dort die Umsätze in der ersten drei Monaten 2009 gesunken sein.
Craigslists Kleinanzeigengeschäft hingegen brummt nicht nur, es scheint noch reichlich Spielraum nach oben zu haben. So geht AIM-Chef Peter Zollman davon aus, das Unternehmen könnte seinen Umsatz locker verdreifachen. An einer solchen Gewinnmaximierung scheinen Firmengründer Craig Newmark und Geschäftsführer Jim Buckmaster allerdings bisher wenig Interesse zu zeigen - schon jetzt sind ihre Gewinnmargen augenscheinlich phantastisch.
cis/mak/AP
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