Washington - Die USA haben sich indirekt in die aktuellen Unruhen in Iran eingeschaltet: Nicht politisch, sondern technologisch. Damit Organisation der Proteste gegen das offizielle Wahlergebnis über den Kurznachrichtendienst Twitter nicht behindert wird, hat das Außenministerium das amerikanische Unternehmen um eine Verschiebung geplanter Wartungsarbeiten gebeten.
140 Zeichen aus dem Iran: Twitter ist ein wichtiges Kommunikationsmittel
US-Präsident Barack Obama hatte sich zwar am Dienstag für die Meinungsfreiheit im Iran ausgesprochen, gleichzeitig jedoch betont, sich nicht in die internen Angelegenheiten des Landes einmischen zu wollen. Den Vorwurf, der Kontakt zu Twitter sei sehr wohl eine Intervention, wies Ian Kelly, der Sprecher des Außenministeriums, von sich. "Es geht darum, ihren Stimmen eine Chance zu geben, gehört zu werden. Einer der Wege dafür ist durch die neuen Medien", sagte Kelly.
Twitter hat sich in den vergangenen Tagen als wichtiges Medium im Iran erwiesen. Anhänger des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Hossein Mussawi nutzen es zur Kommunikation ihres Protestes sowie zur Koordination von Demonstrationen gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad, deren Gültigkeit sie anfechten.
Das Unternehmen Twitter hatte bereits am Montag in seinem Blog angekündigt, die Wartungsarbeiten zu verschieben. Vorgesehen waren die nach Angaben der Firma dringenden Wartungen ursprünglich für Montag Nacht US-Zeit, was für den Iran einen einstündigen Twitter-Ausfall am Dienstag tagsüber bedeutet hätte. Der Partner NTT America verstehe die Rolle, die Twitter derzeit im Iran als Kommunikationsmittel habe, hieß es in dem Eintrag. Deswegen seien die Arbeiten auf 1:30 Uhr iranischer Zeit in der Nacht zum Mittwoch verschoben worden.
Das ist auch der Grund, warum Twitter nun auf seine Unabhängigkeit pocht: Die Verschiebung der Wartungsarbeiten sei keineswegs auf Bitten der US-Regierung erfolgt, widersprach Twitter-Mitbegründer Biz Stone der Darstellung des Ministeriums. Vielmehr habe der Dienst zusammen mit seinem Netzanbieter selbst entschieden, dass wegen der derzeitigen Bedeutung von Twitter im Iran eine Unterbrechung zunächst schlecht gewesen wäre. Es sei sinnvoll für Twitter gewesen, die Dienste während dieser von aller Welt verfolgten Demonstrationen aufrechtzuerhalten, erklärte Stone weiter.
can/Reuters
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