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20.06.2009
 

Erkrankter Apple-Chef

Neue Leber für Steve Jobs?

Apple-Chef Steve Jobs hat sich offenbar einer Lebertransplantation unterzogen. Das "Wall Street Journal" meldet, die Operation liege bereits zwei Monate zurück. Jobs wird dem Bericht zufolge Ende Juni ins Tagesgeschäft des Unternehmens zurückkehren.

New York - Seit Monaten ist er nicht mehr öffentlich aufgetaucht, Spekulationen über seinen Gesundheitszustand sprossen so zahlreich wie die Gerüchte über die neuesten Apple-Gadgets. Nun also scheint Klarheit zu herrschen. Das üblicherweise gut informierte "Wall Street Journal" enthüllt nun Details über den legendären Apple-Chef Jobs. Das Blatt meldet unter Berufung auf informierte Personen, möglicherweise werde Jobs in den ersten ein bis zwei Monaten nach seiner Rückkehr auf Empfehlung der Ärzte nur halbtags arbeiten. Der bisher fürs Tagesgeschäft zuständige Apple-Manager Tim Cook, der Jobs während der Auszeit vertritt, könnte eine stärkere Rolle übernehmen und auch in den Verwaltungsrat berufen werden.

Steve Jobs: Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" hat sich der Apple-Chef einer Lebertransplantation unterzogenZur Großansicht
AP

Steve Jobs: Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" hat sich der Apple-Chef einer Lebertransplantation unterzogen

Jobs sei bereits wieder im Apple-Hauptquartier gesehen worden, schrieb die Zeitung. Einige Beobachter hatten damit gerechnet, dass der Firmenchef bereits bei der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC Anfang Juni auftauchen könnte, doch das neue Modell des iPhone-Handys wurde dort ohne ihn vorgestellt. Eine Apple-Sprecherin wiederholte auf Anfrage des Blatts lediglich, dass der Konzernchef wie angekündigt Ende des Monats zurückerwartet werde.

Anfang des Jahres hatte bereits die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, Jobs plane eine Lebertransplantation. Dem "Wall Street Journal" zufolge wurde die Operation im US-Bundesstaat Tennessee ausgeführt, in dem die Wartezeiten für eine Spenderleber kürzer seien als in anderen Regionen.

Im Jahr 2004 war Jobs wegen eines Tumors an der Bauchspeicheldrüse operiert worden. Er hatte die Öffentlichkeit damals erst nach der Operation über seine Erkrankung informiert. Laut Experten kann diese Art von Krebs Metastasen in der Leber verursachen.

Über neue Gesundheitsprobleme bei Jobs war bereits seit Juni 2008 spekuliert worden, als bei ihm ein deutlicher Gewichtsverlust auffiel. Von Apple hieß es zunächst, Jobs' Gesundheit sei seine Privatangelegenheit. Später erklärte der Apple-Chef, er leide an einer Hormonstörung, deretwegen sein Körper keine Proteine verarbeiten könne, doch seine Krankheit sei relativ einfach zu behandeln - kündigte aber nur wenige Tage später eine Auszeit bis Ende Juni an. Nähere Angaben machten Jobs und Apple nicht. "Warum lasst ihr Jungs mich nicht in Ruhe - warum ist das so wichtig?", wurde Jobs im Januar von Bloomberg in dem Bericht über die geplante Lebertransplantation zitiert.

Weil der charismatische Jobs für den Konzern noch immer die unumstrittene Leitfigur ist, war sein vorübergehender Ausstieg für Apple-Fans und Börsianer ein Schock. Trotz anderslautender Beteuerungen rissen die Spekulationen nicht ab, der 54-Jährige sei für eine Rückkehr zu krank.

Apple hatte seit Sommer 2008 Kritik von Aktionären für seine Informationspolitik zu Jobs' Gesundheit einstecken müssen. Einige Anteilseigner forderten ausführlichere Angaben, da Jobs von herausragender Bedeutung für die Zukunft des Unternehmens sei. Die Aktie war zunächst eingebrochen, konnte sich zuletzt aber wieder erholen, da das Geschäft von Apple auch während der Abwesenheit des Konzernchefs gut lief. Allerdings soll Jobs auch vom Krankenbett aus an strategischen Entscheidungen beteiligt gewesen sein. Einige Mitglieder des Apple-Verwaltungsrates seien wöchentlich über seinen Gesundheitszustand informiert worden, schrieb das "Wall Street Journal".

Jobs hatte Apple vor mehr als 30 Jahren zusammen mit Steve Wozniak gegründet, war in den achtziger Jahren von der Firmenspitze verdrängt worden und kehrte 1997 zu dem damals schwächelnden Konzern zurück. Mit neuen iMac-Computern, den iPod-Playern und dem Online-Shop iTunes sowie zuletzt dem iPhone-Handy gelang Apple seitdem eine beeindruckende Erfolgsserie.

rom/dpa/Reuters

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