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02.07.2009
 

Pirate-Bay-Verkauf

Schweden ermitteln wegen Verdacht auf Insider-Geschäfte

Von Frank Patalong

Rund eine Woche, bevor die schwedische Firma GGF bekanntgab, dass sie die weltweit bekannteste Filesharing-Suchseite Pirate Bay kaufen wolle, stieg plötzlich der Preis ihrer Aktien. So sehr, dass die Börsenaufsicht den Handel damit zeitweilig aussetzte. Der Verdacht: Insider-Geschäfte.

Es gibt Börsen-Geschichten, die sind so märchenhaft, dass sie Stoff für Hollywood-Schinken liefern: Das Märchen von Netscape, das den Beginn des WWW-Booms einleitete, gehört in diese Kategorie, das kühle Zocken der Google-Gründer, die den virtuellen Wert ihres Unternehmens erst steigen, steigen, steigen ließen, bevor sie zuschlugen. So wie die Eigner des schwedischen Unternehmens Global Gaming Factory X AB (GGF)?

Pirate-Bay: War seit der Schließung von Suprnova die weltweit populärste Filesharing-Suchseite

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Schwer zu glauben, findet die Aufsicht der schwedischen Börse AktieTorget, die den Handel mit den Wertpapieren der kleinen Firma rund eine Woche vor der spektakulären Nachricht, dass diese die BitTorrent-Seite The Pirate Bay übernehmen wolle, zeitweilig aussetzte.

Der Grund: Nachdem die Aktien lange Zeit bei Preisen um 6,5 Euro-Cent und einem Handelsvolumen um 160.000 gehandelte Aktien am Tag vor sich hindümpelten, wurde das preiswerte Papier ab dem 19. Juni plötzlich zu einem begehrten Handelsobjekt. Innerhalb kürzester Zeit verdoppelte sich der Kurswert, 1,2 Millionen Aktien wechselten den Besitzer. AktieTorget zog am 22. Juni die Reißleine und setzte den Handel mit GGF-Aktien zeitweilig aus.

Irritierend für die schwedische Börsenaufsicht: In der letzten Woche gab die Aktie keinen Anlass, große Summen in sie zu investieren, GGF hatte keine "Geschichte", wie man so sagt. Aktienwerte steigen, wenn man etwas zu erzählen hat, das ist normal. GGF hatte nichts zu erzählen, nichts war passiert, keiner hatte etwas über das unscheinbare Unternehmen berichtet. Ungewöhnliche Aktienbewegungen sorgen da für Reflexe. Der Verdacht liegt in solchen Fällen nahe, dass jemand Informationen ausnutzt, die nur Insidern zur Verfügung stehen.

Das Geschäftsfeld der Firma ist überschaubar: GGF hat sich darauf spezialisiert, Werbeeinblendungen für Spiele- und Internet-PC in Internet-Cafés zu vermakeln. Die boomten einst weltweit, sind heute aber vor allem in Schwellenländern populär - das ist nicht der attraktivste aller Werbemärkte. GGF ist ein klitzekleiner Global Player auf einem eng definierten Nischenmarkt.

Vom Ladenhüter zur heißen Ware

Am Dienstag dieser Woche aber erlebte das Börsenmärchen von GGF trotzdem seine Fortführung: Kurz nachdem die Aktie wieder zum Handel freigegeben worden war, verkündeten Pirate Bay und GGF ihren spektakulären Deal. Bis zum Mittag schoss der Kurs von GGF um 170 Prozent nach oben.

Zeitweilig bewegten sich die Papiere bis auf ein Preisniveau von 27 Euro-Cent, bevor sie sich auf ihrem neuen Preisniveau um 20 Euro-Cent einpendelten - immerhin dreieinhalbmal höher als vor dem 22. Juni. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Höhenflug anhalten kann, wenn die Ermittlungen der Börsenaufsicht weiter laufen: Es besteht Verdacht auf Insider-Handel. Vor allem der irrationale, anlasslose Kurssprung des 22. Juni lässt die Ermittler glauben, dass da wer Informationen weitergeben oder genutzt haben könnte, dass GGF bald weltweit Schlagzeilen machen würde.

Screenshot der offiziellen Aktieninfo bei AktieTorget: Anstieg ab dem 19.Juni, zeitweise Aussetzung des Handels am 22. Juni, steiler Anstieg nach Veröffentlichung der Pirate-Bay-Nachricht. Legende: Links Preis (in Dollar), Rechts Handelsvolumen (rote Balken)

Screenshot der offiziellen Aktieninfo bei AktieTorget: Anstieg ab dem 19.Juni, zeitweise Aussetzung des Handels am 22. Juni, steiler Anstieg nach Veröffentlichung der Pirate-Bay-Nachricht. Legende: Links Preis (in Dollar), Rechts Handelsvolumen (rote Balken)

Das Geld, das der verstärkte Handel in die Taschen von GGF spülen könnte, kann die Firma gut brauchen: Im August soll sie den Betreibern von Pirate Bay rund 5,5 Millionen Euro in Barschaft und Aktien überweisen. Wofür, ist nicht so ganz klar: Die Firma erwirbt damit die Web-Adresse und die Marke Pirate Bay, nicht mehr. Den Filesharing-Suchdienst in seiner bisherigen Form will sie nicht fortführen, sondern unter dem bekannten Namen einen legalen Dienst aufsetzen.

GGF-Handelsvolumen am 12.6.2009: 81.200 Dollar

Das ist ein Déjà-vu: Diesen Stunt haben schon ganz andere versucht - und sind damit krachend auf die Nase gefallen.

Das bekannteste Beispiel ist hier nach wie vor Napster. Die Urmutter der P2P-Börsen war von Bertelsmann aufgekauft worden. Die Gütersloher hofften, einen Prozentsatz der bis dahin illegale Downloads nutzenden User der Börse als legitime Kunden gewinnen zu können. Stattdessen fing sich Napster ein Insolvenzverfahren und Bertelsmann Copyright-Klagen der Konkurrenten aus der Musikindustrie.

GGF-Handelsvolumen am 22.6.2009: 1.210.000 Dollar

Die P2P-Community interessierte das alles allerdings längst nicht mehr: Schon Stunden nach dem Verkauf begann die Abwanderung der Nutzer von Napster, die sich umgehend Gnutella und später Morpheus zuwendeten. Die angeblich so wertvolle P2P-Marke Napster interessierte fortan nur noch die Medien und die Gerichte. Erst viel später gelang der Marke als legaler Dienst eine leidlich erfolgreiche Wiederauferstehung.

Loyalität ist in der P2P-Szene also eine flüchtige Tugend: P2P-Börsen kommen und gehen. Auch bei Pirate Bay läuft dieser Prozess längst, die Nutzer suchen nach Alternativen für "die Zeit danach". Gut möglich, dass GGF am Ende für 5,5 Millionen Euro eine leere Hülle ersteht, mit deren Namen sich nur noch Ahnungslose und Nicht-P2P-Nutzer locken lassen, die Pirate Bay bisher nur aus der Presse kennen.

GGF-Handelsvolumen am 1.7.2009: 7.079.511 Dollar

Wenn der Deal überhaupt erlaubt wird. Denn auch das ist Gegenstand der schwedischen Ermittlungen. Sollte die Börsenaufsicht entscheiden, dass das, was GGF da erwerben will, außerhalb der Legalität liegt, könnte der Handel untersagt werden, wenn GGF nicht aus dem Börsen-Index fliegen will. GGF bestreitet die Vorwürfe und betont, die Kaufabsichten ernsthaft zu verfolgen.

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