Von Felix Knoke
Der Palm Pre wird in Deutschland exklusiv bei O2 zu bekommen sein. O2- Vertriebschef Lutz Schüler kündigte am Dienstag in München an, das oft als iPhone-Konkurrent bezeichnete Smartphone werde ohne jegliche Netzsperren, also auch ohne Sim-Lock, angeboten werden. Das Angebot ist Teil einer Vereinbarung zwischen Palm und dem O2-Mutterkonzern Telefonica, wonach Telefonica das seit Januar angekündigte Gerät exklusiv in Europa auf den Markt bringen darf.
Einen speziellen Tarif werde, wie ihn T-Mobile an das iPhone koppelt, werde man für den Pre nicht anbieten, so ein Unternehmenssprecher. Stattdessen soll der Kauf des Smartphones über die O2-Ratenkaufoption MyHandy finanzierbar sein. Darüber wie hoch die fälligen Monatsraten sein werden oder zu welchen Pres das Gerät Barzahlern angeboten werden soll, wurden keine Angaben gemacht.
Seit dem US-Verkaufsstart Anfang Juni sind Analysten zufolge etwa 300.000 Exemplare des Palm Pre verkauft worden. Die Reaktionen von Käufern und Medien sind durchwachsen. Während vor allem die intuitive Bedienbarkeit gelobt wird, stolpern Erstkäufer und Tester immer wieder über kleinere Macken an dem Gerät, das als letzte Hoffnung für das Unternehmen Palm angesehen wird.
Der heutigen Ankündigung zum trotz werden sich europäische Interessenten für das Palm-Smartphone noch lange in Geduld üben müssen. Erst im vierten Quartal des Jahres soll der Verkauf beginnen, gerade noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft.
mak
Gegenöffentlichkeit per Handyfoto
Der Staatsstreich in Honduras wird von Protesten im Internet begleitet. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, laden Putschgegner Amateurvideos und Handybilder ins Internet, versuchen so den "Tele-Putsch" ("Tele-Golpe"). "Wir nennen das 'Tele-Putsch', weil die offiziellen Nachrichtenkanäle nicht zeigen, was wirklich passiert", sagte Ingenieurstudent Cesar Silva der Agentur.
Die Videos und Fotos sollen eine Seite des Konfliktes zeigen, die von den neuen Machthabern unterdrückt wird. In den ersten Tagen nach dem Putsch schalteten die Putschisten den staatlichen Fernsehsender Canal 8 sowie 28 Radiostationen ab, im Kabelnetz wird der südamerikanische TV-Sender TeleSUR nicht mehr übertragen, ebenso die spanische Ausgabe von CNN.
Das Internet soll nun - wie bei den Protesten im Iran - eine Gegenöffentlichkeit schaffen. Die aber ist auf Technik angewiesen. Silva: "Ganz klar: Wenn sie den Zugang zum Breitband-Internet verriegeln, sind wir tot." Um besser vor staatlicher Zensur geschützt zu sein, nutzen die Unterstützer des gestürzten Präsidenten Zelaya mehrere Server, laden Videos auf YouTube.
Als am Sonntag die ersten Menschen bei Protesten starben, waren nur wenige ausländische Journalisten vor Ort. Dafür viele Honduraner mit Handys: "Man sah nur wenige Kameras, aber eine Menge Handys, mit denen das Material aufgenommen wurde, das wir ins Netz luden", sagte Silva der AFP.
Die Abmahn-Statistiken 2009, erstes Halbjahr
Wenn die Statistiken vom "Verein gegen den Abmahnwahn" und der "Initiative Abmahnwahn-Dreipage" stimmen, dann wird 2009 das Jahr der Filesharing-Abmahnungen: "So viele Abmahnungen wie im Mai dieses Jahres gab es seit Beginn der Erhebung dieser Bilanz noch nie." Der Großteil der Abmahnungen betreffe - im Gegensatz zum Vorjahr - nicht mehr Porno- (jetzt: 12 Prozent), sondern Musik-Downloader (58,5 Prozent). Das sei eine Umkehr der Verhältnisse zum Vorjahr. Dahinter dürfte auch eine "regelrechte Offensive der abmahnenden Kanzleien" stecken, vermuten die Autoren der Statistik ( PDF-Datei, 600 KB).
Handybetrüger buchten bei Sarkozy ab
Im Pariser Vorort Nanterre müssen sich seit Montag acht Menschen vor Gericht verantworten, die mit Hilfe der privaten Bankverbindung von Staatschef Nicolas Sarkozy Handys samt Sim-Karten gekauft hatten, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Die Anklage wirft den Hauptverdächtigen vor, sich die Kontodaten illegal beschafft und die damit bezahlten Mobiltelefone auf dem Schwarzmarkt verkauft zu haben. Die Rechnung zahlte Sarkozy - insgesamt aber weniger als 200 Euro. Neben dem französischen Staatspräsidenten waren noch 48 weitere Menschen Opfer des Betrugs. Den Angeklagten drohen nun bis zu zehn Jahre Gefängnis und bis zu eine Million Euro Geldstrafe.
CCC-Gutachten sieht Gefahren der Vorratsdatenspeicherung
Das Bundesverfassungsgericht hat den Chaos Computer Club (CCC) um ein Gutachten zu den Verfassungsbeschwerden gegen die Vorratsdatenspeicherung von Telekommunikationsdaten gebeten ( PDF-Datei, 12,3 MB). Der zeichnet auf 59 Seiten ein düsteres Bild: Durch die Verknüpfung der erhoben Daten könne "ein aussagekräftigeres Bild über jeden Einzelnen gezeichnet werden". Durch die Speicherung der Standort- und Verbindungsdaten von Mobiltelefonen beispielweise, seien "Ausforschungsmethoden in der Polizeiarbeit möglich, die bisher nur im geheimdienstlichen und militärischen Bereich üblich sind."
Jammie Thomas-Rasset wehrt sich gegen Millionenstrafe
Dieses Urteil war eine Bombe: " 1,9 Millionen Dollar Schadenersatz für 24 Songs bei Kazaa". Da blieb nicht nur der Verurteilten Jammie Thomas-Rasset beim Urteilsspruch die Luft weg. Jetzt beschwerte sich die Amerikanerin, bittet das Gericht um Strafmilderung oder ein erneutes Verfahren. "Das Urteil in diesem Fall war schockierend", schrieb sie in der Begründung. "Für 24 Songs, die bei iTunes 1,29 Dollar kosten, veranschlagte die Jury 80.000 Dollar pro Song. […] Solch ein Urteil ist maßlos überhöht", und sollte deshalb vom Richter abgemildert werden.
Oder gleich ein drittes Mal überdacht werden. Thomas-Rassets Superstrafe war nämlich bereits das Ergebnis eines Berufungsverfahrens - in dessen Rahmen sich der Richter auch kritisch bezüglich der hohen Strafen äußerte. Ars Technica vermutet hinter der 1,92-Millionen-Dollar-Strafe deswegen eine Strategie des Richters.
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