Von Richard Meusers
Als sich vor zwei Monaten Hacker einmal näher mit Twitter beschäftigten, drangen sie bei ihrem Angriff bis zu den Accounts von Angestellten des Zwitscherdienstes vor. Von dort aus war es dann keine große Schwierigkeit, Zugang zu Profilen von Stars wie Britney Spears oder Ashton Kutcher zu bekommen.
Besonders ein Hacker namens Croll tat sich besonders hervor und postete später zum Beweis seines Eindringens einige Screenshots. Nun sind inzwischen noch einige weitere Screenshots aufgetaucht, die den Schluss nahelegen, dass es bei der Aktion doch um mehr als nur ein paar gehackte Promi-Accounts ging.
Wie Twitter-Gründer Evan Williams gegenüber "Techcrunch" bestätigte, waren von der virtuellen Attacke auch Williams selbst, seine Frau und eine Reihe weiterer Angestellter betroffen. Allerdings seien keine Unternehmensdaten betroffen gewesen, Twitter sei nach wie vor sicher. Das kann man aber wohl nicht für eine Reihe persönlicher Daten der Betroffenen sagen.
Hacker Croll schaffte es offensichtlich, mit Password-Recovery-Techniken alle möglichen sonstigen Profile zu öffnen, die die Gehackten bei Paypal, Amazon, Apple, AT&T und Google unterhalten. Zumindest dem eigenen Anspruch nach gelangte der Hacker überdies sehr wohl auch an vertrauliche Unternehmensdaten, so zum Beispiel die komplette Angestelltenliste, deren Gehälter, Ernährungsgewohnheiten, Kreditkartennummern, höchst informative Konferenzberichte, E-Mail-Korrespondenz mit Persönlichkeiten aus Internet und Showbiz usw.
Ob das alles nun wahr ist oder nicht, auf jeden Fall sollte es jeden, der Verantwortung trägt, zu größerer Vorsicht bringen, was sein Leben in der Öffentlichkeit angeht, und sei sie virtuell. Vor allem die Unart, bei allen Diensten dasselbe Passwort zu verwenden, macht es Cybergangstern arg einfach.
Südkorea-Attacke: wer war's?
Die Schnitzeljagd geht weiter. Nachdem in der letzten Woche die Netzgemeinde von der Attacke gekaperter Zombie-Rechner auf amerikanische und vor allem südkoreanische Web-Seiten beunruhigt wurde, ist die Frage nach den Verantwortlichen noch immer nicht geklärt. Zunächst zeigten alle mit dem Finger auf Nordkorea. Doch bei der Verfolgung der Datenspuren gelangten die Ermittler zu ihrer Überraschung nach Großbritannien, wie " Wired" berichtet.
Dort steht ein Server, dessen Besitzer wiederum auf eine Verbindung nach Miami im amerikanischen Bundesstaat Florida verweisen. Allerdings bestehen Ermittler im vietnamesischen Hanoi darauf, das Botnet mit 166.000 Rechnern in 74 Ländern sei von ebendiesem Server gelenkt worden. Wohin die Spur am Ende führen wird, kann noch nicht abgesehen werden. Möglicherweise ist auch die Miami-Connection nur ein weiterer Knoten in einem letztlich vielleicht unentwirrbaren Server-Knäuel.
2009 wird das schlimmste Jahr für die PC-Industrie
Von einem Kundenansturm und satten Gewinnen können die PC-Hersteller derzeit nur träumen. Die Finanzkrise schlägt auch auf die Rechnerfertigung durch, das Marktforschungsunternehmen iSuppli rechnet fürs Ende des Jahres erstmals seit dem Platzen der Dotcom-Blase 2001 mit einem Rückgang der ausgelieferten Geräte um vier Prozent. Und das, obwohl Branchenexperten zunächst ein zumindest bescheidenes Wachstum von 0,7 Prozent erwartet hatten. Allerdings würden die Bäume für die PC-Industrie wohl auch ohne Krise nicht mehr unbedingt in den Himmel wachsen, dafür haben sich die Gewohnheiten der Verbraucher zu sehr verändert, die heute mehr denn je auf Mobilität setzen. Und da sieht ein Desktop-PC in mehrfacher Hinsicht alt aus.
Petition gegen Spielekiller erreicht 50.000 Unterstützer
Nach den 130.000 elektronischen Unterschriften gegen Ursula von der Leyens als unzureichend und gefährlich eingeschätztes Gesetz zu Kinderpornosperren hat nun eine weitere Online-Petition das nötige Quorum erreicht, um vom Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages in öffentlicher Sitzung behandelt zu werden.
Die Petition gegen das sogenannte Killerspielverbot hat seit gestern mehr als 50.000 Unterzeichner. Die Petenten wenden sich gegen das von den deutschen Länderinnenministern angestoßene Vorhaben, ein ausdrückliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot für Action-Computerspiele so schnell wie möglich umzusetzen. Initiator Peter Schleußer schreibt: "Mit Bedauern stelle ich fest, dass die Debatte von Unkenntnis, Polemik, Unsachlichkeit und Vorurteilen geprägt ist, gerade aus den Reihen der Politik." Gewaltverherrlichende Spiele seien bereits jetzt verboten, anstatt mit neuen Gesetzen die öffentliche Verunsicherung zu steigern, sollten die bestehenden Verordnungen erst einmal umgesetzt werden.
CSU-FDP-Koalition entschärft Weißwurscht-Trojaner
Die FDP poliert gerade wieder ein wenig an ihrem Image als Bürgerrechtspartei. Nachdem die Hessen-Liberalen noch Ende Juni für die massive Ausweitung polizeilicher Überwachungs- und Eingriffskompetenzen eingetreten waren, gehen die bayerischen Kollegen andere Wege. Gestern beschloss die CSU-FDP-Koalition in München einige Änderungen am Bayerischen Polizeiaufgabengesetz, um so dessen Verfassungskonformität sicherzustellen. Dafür flogen bisherige Inhalte wie das heimliche Betreten und Durchsuchen einer Verdächtigenwohnung aus dem Gesetz, auch von der heimlichen Manipulation der Daten ist nicht mehr die Rede. Der Richtervorbehalt wird jetzt durch eine Kammer und nicht mehr einen Einzelrichter gewährleistet, im Zuge der Ermittlungen angefallene Daten müssen nun nach drei Wochen wieder gelöscht werden. Die FDPler loben sich selbst, "Heise" zitiert den bayerischen MdL Andreas Fischer, der von "einem guten Tag für Bayern" sprach.
Die Opposition sieht die Angelegenheit naturgemäß kritischer und erwartet nach wie vor ein Scheitern des Gesetzes aus verfassungsrechtlichen Gründen. Denn nach wie vor sei viel zu schwammig formuliert, was denn nun eigentlich zum schützenswerten Kernbereich der Privatsphäre gehöre und was nicht.
US-Autor veröffentlicht Roman komplett auf Twitter
Twitter scheint sich auch als literarischer Vertriebskanal zu eignen, zumindest glaubt das ein selbst ernannter Schriftsteller namens Matt Stewart. Für sein Buch "The French Revolution" hatte er keinen Verleger gefunden. Eine einfache Veröffentlichung seiner "epischen Erzählung über eine zerrüttete Familie in San Francisco" im Internet war dem Mann allerdings auch zu wenig aufmerksamkeitsträchtig. Also nutzt er den Twitter-Hype und bietet sein Werk seit gestern, dem französischen Nationalfeiertag, in 140-Zeichen-Häppchen der geneigten Öffentlichkeit zur Lektüre. Insgesamt wird er an die 3700 Tweets brauchen, bis sein Werk komplett online ist. Dass Twitter sich ganz sicher nicht dafür eignet, dass niemand dieses Buch in Tweet-Form lesen wird, gibt sogar Autor Stewart zu. Aber irgendwie ist der Twitter-Hype doch groß genug, dass sogar das " Wall Street Journal" darüber berichtet. Was kommt als nächstes? Der in Echtzeit auf dem Handy getippte und sofort via SMS getwitterte Roman?
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